Serien

The Alienist

Staffel 1

Eintrag vom von Volker Müller

Einarmiger Einkreiser. Daniel Brühl kanalisiert seinen inneren Kriminalpsychologen und macht mit einem Schuss Sigmund Freud als Dr. Laszlo Kreizler im New York des späten 19. Jahrhunderts Jagd auf einen abartigen Serienkindermörder. 

Worum geht’s?

Als im schmutz- und korruptionsüberkübelten New York des Jahres 1896 ein Serienkiller Bubenprostituierte grausamst niedermeuchelt, beauftragt Polizeipräsident Theodore Roosevelt (Brian Geraghty) den Alienist (ein veralteter englischer Begriff für Kriminalpsychiater) Dr. Laszlo Kreizler (Daniel Brühl) und den Zeitungsillustrator John Moore (Luke Evans) mit den Ermittlungen. Ihnen zur Seite steht Roosevelts Sekretärin Sara Howard (Dakota Fanning), die sich zur ersten Detektivin New Yorks hocharbeiten will.

Was steckt dahinter?

25 Jahre lang versuchte Hollywood, den titelgebenden Bestseller von Autor Caleb Carr zu verfilmen. 25 Jahre voller Missinterpretationen, unter anderem, da diverse Produzenten laut Carr versuchten, den nervenzerreibenden Stoff mit Blockbuster-Elementen anzureichern und den Fokus auf die Jagd nach dem Mörder sowie die Charakterentwicklung zu sehr in den Hintergrund zu rücken. Umso dankbarer zeigte sich der Schriftsteller, als TNT sich dazu entschloss, aus dem Stoff eine zehnteilige, vorlagengetreue Serie zu machen. Die Orchestrierung der Adaption sollte zunächst True Detective-Regisseur Cary Fukunaga übernehmen – der musste das Projekt wegen Terminschwierigkeiten jedoch frühzeitig verlassen und der The Fall-erprobte Jakob Verbruggen nahm im Regiestuhl Platz.

Was wird geboten?

Obwohl Fukunaga der Serie nicht treu bleiben konnte, bleibt seine Handschrift in atmosphärisch besonders verstörenden Momenten gut sichtbar, was dann verlässlich für unbarmherziges Magengrubenzuschütten sorgt. Die in Budapest gefilmte Jagd nach dem Serienmörder zeichnet das besonders dreckige Bild eines New York kurz vor Beginn des 20. Jahrhunderts, in dem einige wenige G’stopfte bestimmen und obdachlose Kinder offen auf der Straße herumliegen, während die oberen paar Prozent Champagner in der Oper sippen. Das Hauptdarsteller-Trio Brühl/Fanning/Evans strahlt die sich stetig steigernde Verzweiflung souverän durch den Bildschirm und macht The Alienist – Die Einkreisung zu einem aufwühlenden Whodunnit, der vor ein paar Jahren wohl ganz oben auf dem Serienkrimiolymp Platz gefunden hätte, aber auch im Hier und Jetzt noch gute Gänsehaut garantiert. 


The Alienist – ab 19.04. auf Netflix

  

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