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Wes‘ World: Alle Filme von Wes Anderson im Ranking

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Wes Anderson ist ein Meister seines Fachs, dessen detailverliebter Stil sich wie ein roter Faden durch jeden seiner Filme zieht. Sehenswert sind sie alle, klare Favoriten gibt es trotzdem. Hier unsere Rangliste – vom vernachlässigbarsten bis zum besten seiner Werke.

9. The Darjeeling Limited (2007)

Einen echten Rohrkrepierer hatte Wes Anderson in seiner 25-jährigen Laufbahn zwar keinen zu verbuchen, so nahe an einem dran wie mit diesem „Eat Pray Love für Hipster“ war er jedoch nie. All die Vorwürfe, die ihm wenig wohl gesonnene Genossen vom selbstzweckhaften Manierismus über stereotype Minderheitenfiguren bis zu Ausflügen ins erzählerische Mäandertal meist zu Unrecht machen: Für diese allzu affektierte Reisegroteske, in der sich drei weiße, wohlhabende Brüder mit Louis-Vuitton-Koffern vor indischer Technicolor-Armutstapete selbst zu finden trachten, haben sie leider bisweilen ihre Berechtigung. Kleiner Trost: Der im Kino vorab gezeigte Kurzfilm Hotel Chevalier bleibt bezaubernd.

 

Limited

 

8. Bottle Rocket (1996)

Das frühe Versprechen. Verglichen mit seinem akribisch auskomponierten späteren Werk mag Andersons Debütfilm noch eine ungewohnt naturalistische, charmant rumpelige und an den Rändern auch schon mal recht raue Angelegenheit sein; farbenfrohe Bildkompositionen sowie Gabe und Liebe für Dialoge und Details lassen seine idiosynkratischen Inszenierungsskills aber bereits mehr als exemplarisch erkennen. Martin Scorsese zählt die Caper Comedy, die nicht nur des Regisseurs Karriere ins Laufen brachte, sondern auch jene des hier famosen Owen Wilson, gar zu den zehn besten Filmen der Nineties. Und wer will dem schon widersprechen?

 

BottleRocket

 

7. The Life Aquatic with Steve Zissou (2004)

In seinem vierten und bis dahin eindeutig teuersten Film entführt Wes Anderson die Zuschauer in seine typisch detailverliebte Version der hohen See, sowie in deren Tiefen. Stark an den französischen Ozeanographen und Dokumentarfilmer Jacques Cousteau angelehnt, der zu Andersons Kindheitsidolen zählt, begibt sich Steve Zissou (Bill Murray) mit seiner Crew auf die Jagt nach einem mysteriösen Jaguar-Hai, der seinen besten Freund auf dem Gewissen hat. Garniert werden die skurrile Expedition und die verkorksten zwischenmenschlichen Beziehungen der illustren Mannschaft mit farbenprächtigen Stop-Motion-Kreaturen und auf portugiesisch vorgetragenen Bowie-Songs.

 

Tiefseetaucher

 

6. Isle of Dogs (2018)

Meisterlich wickelt Wes Anderson für sein neuestes Werk eine spitze Parabel über Ausgrenzung und Manipulation in eine rührende Geschichte um einen mutigen Jungen, der eine dystopische Müllhalde vor der Küste Japans nach seinem deportierten Hund durchforstet – die pointierte Herrschaftskritik glänzt dabei charmant im zerschlissenem Stop-Motion-Gewand. In Reaktion auf sein Werk wurde der Filmemacher dann allerdings auch selbst zum Ziel tadelnder Attacken: Kritiker bemängelten den überwiegend englischsprachigen Stimmen-Cast und die wenig kultursensible Darstellung des japanischen Settings – Makel, wegen denen es das sonst erstklassige Animationswerk leider nur auf einen der mittleren Plätze unseres Rankings schafft.

 

Dogs

5. The Grand Budapest Hotel (2014)

Während Andersons optische Vorstellungskraft in den Realfilmen zuvor besonders in Räumen zur Geltung kam, wird das Szenenbild in der fiktiven osteuropäischen Alpenrepublik Zubrowka um skurril-pittoresk durchkomponierte Landschaftsaufnahmen und teils wie gemalte Kulissen erweitert. In Kombination mit dem grotesken Humor und einem natürlich wieder bis in die kleinste Nebenrolle großartig besetzten und spitzzüngigen Cast, ergibt dies ein Whodunnit, das Schauspiel-Stammkraft Bill Murray zum Erscheinen gar als bis dato besten Anderson-Film bezeichnete; der mit Abstand erfolgreichste und einspielstärkste ist er allemal.

 

Budapest

 

4. Rushmore (1998)

In dieser tragikomischen Coming-of-Age-Geschichte kam Wes Andersons individuelle Handschrift erstmals in ausgeprägter Form zum Vorschein. Hier nimmt auch die fruchtbare Zusammenarbeit mit seiner männlichen Muse Bill Murray ihren Anfang. Jason Schwartzman feiert sein bemerkenswertes Schauspieldebüt als überambitionierter und exzentrischer Schüler Max Fischer, der zwar unzähligen Vereinen der Eliteschule Rushmore vorsteht und kreative Theaterstücke verfasst, um dessen Noten es aber nicht besonders gut bestellt ist. Max verguckt sich in die verwitwete Lehrerin Miss Cross (Olivia Williams) und begibt sich damit in einen Konkurrenzkampf mit dem wohlhabenden Industriellen Herman Blume (Murray). Ein bittersüßer Film über die harte Schule des Lebens und die Lektionen der Liebe.

 

Rushmore

 

3. Moonrise Kingdom (2012)

Zwei präpubertäre Pfadfinder verlieben sich und beschließen durchzubrennen – leider eben bloß auf einer Insel, die nur mit einer Fähre mit dem Festland verbunden ist … Das durchaus Distanzierte seiner bisherigen Arbeiten hinter sich lassend strahlt Andersons vibrierendes Herzbeben inmitten all der ausgestellten Kunstfertigkeit auch eine bis zu diesem Zeitpunkt unvermutete Wärme und emotionale Eindringlichkeit aus. Ein arg hinreißender Film über, aber nicht zwangsläufig für Kinder, der visuell freudenfeurig von Zauber und Verheißung der ersten Liebe zu berichten weiß. Reif und reichhaltig, stark erhöhter Meisterstück-Verdacht.

 

Moonrise

 

2. The Royal Tenenbaums (2001)

Mit seinem dritten Langfilm entwickelte Wes Anderson gemeinsam mit seinem College-Zimmergenossen und Co-Schreiberling Owen Wilson weiter, was mit Bottle Rocket und Rushmore seinen Anfang gefunden hatte. Der Regisseur vervielfachte darin Handlung, Charaktere und seine typischen Bild-für-Bild-Kompositionen gegenüber den Vorgängerfilmen, ohne dass das Ergebnis dabei allzu überladen rüberkommt. Darüber hinaus verlieren sowohl die traurige Prämisse als auch dramatische Plot-Points trotz heiterer Versatzstücke nie die notwendige Gravitas. Hinzu kommt ein durchwegs groß aufspielendes Star-Ensemble, das den Streifen in die tragikomische Champions League hievt.

 

Tennenbaums

 

1. Fantastic Mr. Fox (2009)

2009 macht Wes Anderson irgendwie alles ganz anders und trotzdem das Meiste verblüffend gleich: Für die muntere Kinderbuch-Fabel um einen Fuchs, der seiner Familie zuliebe, doch seiner Natur zuwider, vom Hühnerdieb zum Kolumnen-Schreiber umsattelt, bedient er sich zum ersten Mal in ganzer Spielfilmlänge der trutschigen Stop-Motion-Technik – und treibt seinen, bis dahin in Realfilmen kultivierten Stil konsequent auf die Spitze. Quasi jedes einzelne Fellhaar seiner tierischen Helden rückt er beim Inszenieren des gleichnamigen Klassikers von Roald Dahl wie üblich an die rechte, linke oder mittlere Stelle und zaubert so mit fast neurotischer Detailverliebtheit ein charmant schrulliges Fabel-Meisterwerk zum Staunen und Schmunzeln.

 

MrFox

 

>>Tipp<<

Von 10.05. bis 26.06. zeigt das Filmcasino alle neun Langfilme von Wes Anderson im Rahmen des Specials The Wes Anderson Collection

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