Festivals

Cannes 2018 Recap #2: Notizen aus dem Festival-Trubel

Eintrag vom

Unsere Festival-Redakteure Gini Brenner & Kurt Zechner schmeißen sich ins Getümmel des glamourösesten Filmfestivals der Welt. Kurz und knackig halten sie hier für euch ihre ganz persönlichen Eindrücke fest!

Die Palmen wehen im Sommerwind, die Leute rennen in Massen aufgescheucht durch die Gegend und stoßen dabei immer wieder auf ohne erkennbare Logik aufgestellte Absperrgitter, dazwischen stehen Soldaten und Polizisten mit MG, und ein ganzer Fuhrpark aus schwarzglänzenden Limousinen will auch noch durchfahren – Business as usual halt beim größten Filmfestival der Welt. Das Programm bisher: durchwachsen. Richtigen Aufreger gabs noch keinen, Skandal auch nicht, ein paar Höhepunkte kommen aus den Nebenschienen.

 

Cannes 

Gesehen

 

Joe Penna: Arctic

Wenn auf der Croisette die frühsommerliche Sonne mit dem türkisblauen Meer um die Wette strahlt, dann braucht es drinnen im Kinosaal schon eine besondere Leistung, um bei einem Zwei-Personen-Kammerspiel ausgerechnet im arktischen Eis wohlige Schauer über die Zuschauerrücken zu jagen. Arctic schafft das mit Bravour, vor allem weil der toughe Mads Mikkelsen als Survival-Fighter im ewigen Schnee halt doch wesentlich geiler ist als Tom Hanks allein auf einer Insel.

 

Pamela B. Green: Be Natural – The Untold Story of Alice Guy-Blaché

Wer hat eigentlich den allerersten Spielfilm der Kinogeschichte gedreht? Na? Alice Guy-Blaché war das, eine Filmemacher-Pionierin, die schon im späten 19. Jahrhundert mit ihrer Arbeit begann und später sogar ihr eigenes Studio in den USA hatte. Habt ihr nicht gewusst? Damit seid ihr nicht alleine. Dokumentarfilmerin Pamela Green ist der skandalösen Wissenslücke auf die Spur gegangen. Ein ganz wichtiger Film.

 

Wim Wenders: Papst Franziskus: Ein Mann seines Wortes

Der Himmel über dem Vatikan. Filmisches Porträt eines in der Tat sehr interessanten Mannes, leider unterbrochen von Schwarzweiß-Spieldoku-Elementen und Wims Voiceovers, bei denen er versucht, wie Werner Herzog zu klingen. Spoiler: Es gelingt ihm nicht so ganz.

 

Jafar Panahi: Three Faces

Der iranische Filmemacher, der von Rechts wegen eigentlich gar keine Filme machen dürfte und dafür auch unter Hausarrest steht, hat es doch wieder geschafft, ein neues Werk nach Cannes zu bringen. Und was lernen wir daraus? Unter anderem, dass Gesetze nur so gut sind wie die, die sie machen. Und dass Panahi ein formidabler Regisseur ist.

 

Jane Magnusson: Bergman: A Year In A Life

Doku über das wohl produktivste Jahr Ingmar Bergmans, in dem das schwedische Filmwunderkind u. a. Das siebente Siegel drehte und international berühmt wurde. Durchaus interessant, vor allem, weil auch Bergmans Unsympathler-Seite nicht ausgespart wird.

 

Debra Granik: Leave No Trace

Die Regisseurin des wunderbaren Winter’s Bone (Jennifer Lawrences Durchbruch) schickt Ben Foster und Nachwuchstalent Thomasin McKenzie in den Wald. Wundervolle Coming-of-Age-Geschichte.

 

ArcticIm arktischen Eis: Mads Mikkelsen im Survival-Thriller Arctic

 

Getroffen

Mads Mikkelsen, Wim Wenders, Pamela B. Green, Gigi Hadid, Vincent Perez.

 

Mads Mikkelsen und Gini BrennerAn der sonnigen Côte d'Azur: Mads Mikkelsen mit SKIP-Redakteurin Gini Brenner

 

Gefreut

Bei der Preisverleihung des Nespresso Talents-Kurzfilmwettbewerbs zum Thema „The Difference She Makes“ gabs nicht nur ziemlich tolle Ware zu sehen, sondern auch die beste Panel-Diskussion zum Thema Frauen & Film, die das Festival heuer gesehen hat. In der Jury und am Podium saßen u.a. Filmemacherin Tonie Marshall, Schauspieler Vincent Perez und Journalistin Iris Brey.

 

 

Geärgert

71 Jahre gibt es dieses ehrwürdige Festival nun schon, ein paar Jahrzehnte sind wir selber schon dabei, aber noch immer waren wir hier auf keiner Filmparty, auf der nicht garantiert in kürzester Zeit der Alkohol ausgegangen wäre. Schön langsam könnte man sich das doch wirklich mal ordentlich ausrechnen. Oder Moment mal, ist das etwa gar Absicht, um Geld zu sparen und die sprichwörtlich feierlustigen Film-Gesellen irgendwann auch mal wieder los zu werden? Oder liegt es etwa gar an uns? Wir bleiben da jedenfalls dran.

 

GlasSpecial Guest in Cannes: Das volle Glas

 

Gelacht

Spaßvögel unter den Journalistenkollegen schafften es doch tatsächlich, das Gerücht, der Papst höchstselbst würde zur Gala von Wim Wenders' Doku Papst Franziskus: Ein Mann seines Wortes über den Roten Teppich schreiten, zu streuen. Schade, dass es natürlich doch nicht so kam, weil beim Photocall und Autogramme geben hätte der Mann, der mancherorts mehr Publikum anlockt als die Rolling Stones, als alter Profi sicher auch gute Figur gemacht.

 

Everybody KnowsWeder mit noch ohne Brille war der Papst in Cannes zu sehen: Regisseur Wim Wenders erschien ohne geistliche Unterstützung beim Photocall

 

Text: Gini Brenner, Kurt Zechner. Fotos: Graham Whitby Boot, Gini Brenner

 

>>Cannes Recap #1

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.

Wir benutzen COOKIES auf unserer Seite um die Benutzerfreundlichkeit zu erhöhen. Mit der Benutzung unserer Webseite stimmen sie dem Einsatz von Cookies zu.