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Cannes 2018 Recap #4: Notizen aus dem Festival-Trubel

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Au Revoir! Die 71. Filmfestspiele von Cannes gingen Samstag-Abend mit der Vergabe der Preise zu Ende. In ihrem finalen Recap ziehen unsere Festival-Redakteure Gini Brenner und Kurt Zechner ihr ganz persönliches Ré­su­mé.

Jetzt ist das größte und wichtigste Filmfestival der Welt schon wieder zu Ende, und ein bisschen traurig steigen wir in den Flieger nach Hause – schön ist es ja schon hier an Frankreichs Südküste, der Hype ist nicht umsonst ;) Und das, obwohl das Lineup heuer wirklich schwer durchwachsen war. Das Filmbiz ist im Umbruch – und das ist gut so: Kunst funktioniert nun mal nur, wenn sie relevant ist. Aber wie mit der Aktualitätsverantwortung umgehen? Gar nicht so einfach, wie man sieht.

 

Gesehen

 

Terry Gilliam: The Man Who Killed Don Quixote

Terry Gilliam ist eine Legende, er hat Brazil und 12 Monkeys gemacht und war einer der Hauptverantwortlichen für die ewiggültige TV-Referenz-Comedy Monty Pythons Flying Circus. Und jetzt hat er endlich, nach 20 Jahren Wirrnissen, seine Don-Quichote-Geschichte fertiggestellt. Well. Er hätte es auch bleiben lassen können, sorry to say.

 

Spike Lee: BlacKkKlansman

Ein schwarzer Polizist infiltriert eine KuKluxKlan-Loge (danke, Dresscode mit Kapuze!) und es gelingt ihm tatsächlich, die Rassisten von der Falschheit ihres Tuns zu überzeugen: Beeindruckend umgesetztes Politkino von Spike „Preacherman“ Lee.

 

Nadine Labaki: Capharnaüm

Ein 12-jähriger Bub aus Beirut verklagt seine Eltern, weil sie ihn in eine Welt gesetzt haben, die ihm keine Möglichkeiten bietet: Heftiges Porträt einer dysfunktionalen Familie, mit viel Mut und einem großartigen Hauptdarsteller inszeniert.

 

Roger Mitchell: Under The Silver Lake

Im Himmel warten zwar nicht 47 Jungfrauen, aber dafür ein paar willige schöne Mädels. Wenn man weiblich und hetero ist, hat man halt Pech gehabt … pseudointellektuelle Popkultur-Studie vom an sich ja recht superen Roger Mitchell (Notting Hill, Morning Glory).

 

Hiroaki Kore-eda: Shoplifters

Eine schöne, zärtliche Geschichte darüber, dass die „Wahlfamilie“ meist mehr kann als die Familie, in die man reingeboren wurde.

 

Klan Aus: BlacKkKlansman

 

Getroffen

Terry Gilliam, Adam Driver, Jonathan Pryce, Nadine Labaki

 

Terry GilliamTerry Gilliam beim Photocall zu The Man Who Killed Don Quixote

 

Gefreut

Alle haben sich heuer in Cannes über die absurden Regeln beschwert (keine Selfies, nur High Heels, Taschenkontrollen …) – aber die berüchtigten Security-Mitarbeiter, die nie Gnade kannten, waren heuer so charmant und höflich wie noch nie. Es menschelt doch zwischen den Metalldetektoren.

 

Security 

 

Geärgert

Ja, die Welt hat lang auf Terry Gilliams’ The Man Who Killed Don Quixote gewartet. Die Wahl als Abschlussfilm von Cannes 2018 schien logisch. Aber trotzdem: Hat sich den Film wirklich niemand angeschaut, bevor er programmiert wurde?

 

Don Quixote Aus: The Man Who Killed Don Quixote

 

Gelacht

Es war das wohl skandalfreieste Cannes seit ever. Und auch wenn wir natürlich schon allein aus beruflichen Gründen große Freundinnen des Dramas sind: So befreit gekichert haben wir schon lange nicht mehr wie bei der Abschlussgala, aus reiner Freude, dass nix passiert ist.

 

Preise >>Zur Liste der diesjährigen GewinnerInnen

 

Text: Gini Brenner, Kurt Zechner. Fotos: Graham Whitby Boot, pps.at.

 

Zum Nachlesen:

>>Cannes Recap #3
>>Cannes Recap #2
>>Cannes Recap #1

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