Serien

Sharp Objects

Staffel 1

Eintrag vom von Christoph Prenner

Schnittmustergültig: Amy Adams kehrt im neuen HBO-Sommershow-Coup als schnapsgestählte Schreiberin in ihre Heimat zurück, um dort nicht nur mit einer Serie von Mädchen-Morden, sondern auch ihrer traumatischen Vergangenheit konfrontiert zu werden.

Worum geht’s?

Mag sein, dass das kalte, klare Zeug, das sich Camille Preaker (Amy Adams) zu jeder Tages- und Nachtzeit reinstellt, wirklich nur zur Erfrischung gedacht ist. Wahrscheinlicher ist aber, dass in der Wasserflasche doch was Schärferes drin ist, etwas, das der raschen Zerstreuung und wohlfeilen Abstumpfung zuarbeiten soll. Bald ahnt man’s: Hier hat’s tief gehende Traumata und schlecht verheilte psychische Wunden. Diese dürften mit der Herkunft der Zeitungsreporterin zu tun haben – und sie sind dazu angetan, akut wieder aufzureißen, als sie auf Berichterstattungsmission in jenes Kaff im mittleren Westen beordert wird, aus dem sie einst geflohen ist. Ebendort werden nämlich neuerdings Teenager-Mädchen entführt und ermordet; die Ermittlungen gehen schleppend voran, den Einheimischen kann man Auskunftsfreude wirklich nicht nachsagen. An sich sollten Camilles Wurzeln ihr bei den Recherchen entgegenkommen – und doch werden ihre Bemühungen immer wieder von ihrer dominanten Mutter (Patricia Clarkson) unterwandert, unter deren Fuchtel sie bald wieder genauso steht, wie es der halbe Ort die längste Zeit schon tut. Doch nicht nur das: Durch die Rückkehr ins Elternhaus getriggert, trauen sich auch die selbstzerstörerischen Dämonen aus Camilles Jugend wieder ans Tageslicht. Denn nur, weil man anscheinend schon ganz unten ist, heißt das ja nicht, dass man nicht noch tiefer fallen kann.

Was steckt dahinter?

Einer ihrer Bestseller wurde bereits phänomenal erfolgreich verfilmt (Gone Girl), einer eher nicht so (Dark Places): Nun hat endlich auch der bei uns als Cry Baby erschienene Debütroman von Gillian Flynn seine Adaption bekommen. Bei HBO wählte man dafür, unter Beteiligung der Autorin, das Format der Event-Miniserie, mit dem man ja schon beim letztjährigen Sommer-Schlager Big Little Lies beste Erfahrungen gemacht hat. Damit sich dieser Erfolg auch wirklich wiederholt, hat man sich beim Sender erneut für sämtliche Episoden mit dessen Regisseur, dem Kanadier Jean-Marc Vallée, auf ein Packl gehauen.

Was wird geboten?

Wie schon in jenem Emmy- und Globes-Hit lässt Vallée auch hier wieder mit raffinierter Leichtigkeit Gegenwart und Vergangenheit, Murder Mystery und Prestige-Drama, Milieustudie und Psychogramm ineinanderfließen – und kann sich dabei nicht nur seiner berückenden wie bedrückenden naturalistischen Bildsprache versichert wissen, sondern auch der mit gehörigem emotionalen Einsatz aufspielenden Amy Adams, die als abgrund-erprobte Antiheldin weder sich noch uns Zuschauer schont. Geht tief.

 

Sharp Objects (Staffel 1) – ab 09.07. auf Sky Go & Sky Ticket, ab 30.08 auf Sky Atlantic.

 

 

Foto: HBO

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