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Sneak Peek: Das erwartet uns bei der Viennale 2018

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Überraschend, ungewöhnlich, verlässlich: So beschreibt die neue Viennale-Direktorin Eva Sangiorgi die Auswahl des diesjährigen Festivals-Programms. Beim Pressegespräch im Wiener Volksgarten Pavillon präsentierte sie heute einen ersten Ausblick auf einige Gusto-Stückerl der kommenden Ausgabe.

Tatsächlich überraschte Neo-Direktorin Eva Sangiorgi schon im Vorfeld mit einer gewagten Neuerung: Die geläufigen Kategorien Spielfilm und Dokumentarfilm werden cineastisch Interessierte dieses Jahr nämlich vergeblich im Programmheft suchen. Mit der Entscheidung, die Unterscheidung aufzugeben, setzt die Festivalleiterin ein beherztes Statement gegen cineastisches Schubladendenken – und liefert damit wohl einen sicheren Beitrag zum Themenspektrum der Plaudereien im Festivalkino-Foyer.

Das Programm

Zwischen ungewöhnlich und verlässlich bewegt sich das bisher fixierte Film-Programm:

Den Spielplan schmücken Titel namhafter Größen des zeitgenössischen Kinos, u.a. werden junge Werke des preisgekrönten philippinischen Regisseurs Lav Diaz, der Autorenfilm-Legende Jean-Luc Godard sowie von Pawel Pawlikowski zu sehen sein.  Das heimische Publikum wird überdies auch zum ersten Mal die Chance bekommen, das in den USA stark umjubelte Drama First Reformed von Taxi Driver-Drehbuchautor Paul Schrader zu sichten. Aufgrund seiner überzeugenden Performance als gebeutelter ehemaliger Militärpriester wird Hauptdarsteller Ethan Hawke bereits als heißer Oscar-Kandidat gehandelt. Fans des oftmals als "Skandal-Regisseur" betitelten Argentiniers Gaspar Noé dürfen sich auf sein neuestes Werk, das Drogen-Orgien-Spektakel Climax, freuen. Mit Under the Silver Lake wird dem Publikum zudem der neueste Streich des US-Regisseurs David Robert Mitchell (It Follows) präsentiert.

Darüber hinaus wird die Viennale auch  Arbeiten von Filmemachern würdigen, deren Schaffen von Beginn an Teil des Festivals waren: Debra Graniks Leave No Trace wird zum sozialpolitischen Diskurs anregen, Îmi este indiferent daca în istorie vom intra ca barbari von Radu Jude das Gewicht historischer Erinnerung vor Augen führen, mit Dominga Sotomayors Tarde para morir joven holt die Viennale einen, heuer in Locarno prämierten, autobiografisch angehauchten Film der chilenischen Regisseurin nach Wien.

Auch bisher eher unbekannten Filmemachern bietet das größte Filmfestival Österreichs wieder ein Forum, um ihre ambitionierten Werke einem breiten Publikum vorzustellen. Aufgeschlossenen sei Adina Pintilies visuell mutiges, die Facetten menschlicher Sexualität erforschendes Langfilm-Debüt Touch Me Not ans Herz gelegt, für das die rumänische Regisseurin von der diesjährigen Berlinale-Jury mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde.

Umschmeichelt vom internationalem Flair darf natürlich auch das heimische Kino seine Reize auf den Leinwänden der Festivalkinos entfalten: Neben Angelo, der neuesten Arbeit von Markus Schleinzer, wird das Publikum die Premiere von Sudabeh Mortezais Joy erleben dürfen. Ein engagiertes Werk, in dem sich die österreichische Filmemacherin mit dem Thema Migration auseinandersetzt.

Im Rahmen der diesjährigen Retrospektive rückt die Viennale Hollywoods Low-Budget-Kino von 1935 bis 1959 in den Fokus – zum wiederholten Mal entstand die Rückschau in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Filmmuseum. Neu ist, dass das Filmmuseum diesmal auch Specials und Gegenwartsproduktionen abseits der Retrospektive auf seine Leinwand bringen wird.

 

Das Plakat-Sujet

Wer eine Auge für Design hat, wird dieses Jahr feine Änderungen im Festival-Look feststellen. Das Plakat ziert heuer – man will es kaum glauben – ein roter Flamingo. Mit dem Umstand, dass dem Tier der Kopf fehlt, stellt man klar, kein einfacher Mitläufer beim Hype um den gegenwärtig auch in unseren Gefilden nahezu omnipräsenten Tropenvogel zu sein. Als eben "nicht nur hübsch", sondern "auf der Suche" blickt der Flamingo offensichtlich über den engen Plakatrand hinaus und demonstriert zusätzlich die Macht der Einstellungsgröße, Informationen zeigen oder eben auch aussparen zu können.

 

Wer in diesem Sinne die Gelegenheit nützen möchte, bei der Viennale 2018 seinen Horizont zu erweitern, hat diesmal von 25. Oktober bis 8. November die Gelegenheit dazu.

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