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Das SKIP-Venedig-Journal 2018 #5: Löwenbändiger Cuarón

Eintrag vom von Christoph Prenner

Die Mostra bleibt fest in mexikanischer Hand: Nach Guillermo del Toros letztjährigem Triumph durfte diesmal Alfonso Cuarón den Goldenen Löwen mit nach Hause nehmen. Die Darstellerpreise heimsten Olivia Colman und Willem Dafoe ein.

So hochkarätig wie selten zuvor hatte sich der venezianische Wettbewerb in der heurigen Saison präsentiert – da war es eine nachgerade aufgelegte Angelegenheit, dass letztlich einer der Big Names den Goldenen Löwen einsacken würde. Und so begab es sich dann auch: Ein halbes Jahrzehnt nachdem er an selber Stelle den schließlich im Oscar-Gewinn gipfelnden Erfolgslauf von Gravity anheizen konnte, durfte Alfonso Cuarón heuer den wichtigsten Preis für seinen bislang wohl auch wichtigsten, allemal aber persönlichsten Film Roma in Empfang nehmen: eine stark einnehmende, bildwuchtig in schwarz-weiß gehaltene Liebeserklärung an die prägenden starken Frauen seiner Kindheit.

 

Roma Film Still Roma

Und obwohl man natürlich schon ein wenig darüber schmunzeln durfte, dass dies ausgerechnet unter dem Jury-Vorsitz seines Landsmannes und Best Buddies, dem Vorjahres-Preisträger Guillermo del Toro, über die Bühne ging: Gegen allfällige, meist ohnehin nur aus Neidreflexen entstandenen Freunderlwirtschafts-Anwürfe spricht schlichtweg die immense Güte des von Netflix ins Rennen geschickten Werks. Und tja, wenn man sich ansieht, wie es mit Del Toros 2017er Venedig-Gewinner The Shape of Water bis hin zum Oscar-Erfolg weiterging, dürften beim globalen Streaming-Giganten ohnehin schon die Augen in weiterer Awards-Vorfreude lichterloh zu leuchten beginnen – in Cannes hingegen, wo Roma im Frühjahr ob seines Vertriebsmodells noch verschmäht worden war, wird man sich wahrscheinlich noch einen Gedanken mehr über die eigene Einladungspolitik machen müssen.

Zu den weiteren Triumphatoren zählten an diesem Abend verdientermaßen Yorgos Lanthimos‘ herzhaft durchgeknalltes Hof-Intrigen-Drama The Favourite, das den Großen Preis der Jury ebenso einstreifen konnte wie jenen für die beste Schauspielerin (den verdientermaßen die wahrlich großartige Olivia Colman entgegennahm) sowie Jennifer Kents vieldiskutierter Rachestreifen The Nightingale (Spezialpreis sowie Auszeichnung für den besten Nachwuchsdarsteller Baykali Ganambarr). Die Coen-Brüder wurden für ihre nicht wahnsinnig inspirierte Kurzfilm-Kompilation The Ballad of Buster Scruggs mit dem Preis für das beste Drehbuch bedacht, Jacques Audiard erhielt für The Sisters Brothers den Silbernen Löwen für die beste Regie, als besten Schauspieler kürte man Willem Dafoe für seine Van-Gogh-Verkörperung in At Eternity's Gate. Bereits vorab waren die britische Schauspielikone Vanessa Redgrave und der kanadische Regiealtmeister David Cronenberg für ihre Lebenswerke ausgezeichnet worden.

Goldener Löwe – Bester Film: Alfonso Cuarón, Roma
Silberner Löwe – Beste Regie: Jacques Audiard, The Sisters Brothers
Bestes Drehbuch: Joel & Ethan Coen, The Ballad of Buster Scruggs
Großer Preis der Jury: Yorgos Lanthimos, The Favourite
Spezialpreis: Jennifer Kent, The Nightingale
Beste Schauspielerin: Olivia Colman, The Favourite
Bester Schauspieler: Willem Dafoe, At Eternity's Gate
Bester Nachwuchsdarsteller: Baykali Ganambarr, The Nightingale

 

Roma Film StillGroßer Preis der Jury: Yorgos Lanthimos, The Favourite

Roma Film StillBeste Schauspielerin: Olivia Colman, The Favourite

Roma Film StillBester Nachwuchsdarsteller: Baykali Ganambarr, The Nightingale

Roma Film StillBester Schauspieler: Willem Dafoe, At Eternity's Gate

Fotos: ASAC


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