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First Reformed

Eintrag vom

Klagebuch eines Landpfarrers: In seinem Spätwerk voll leise lodernder Leidenschaft lässt Paul Schrader (Taxi Driver) Ethan Hawke als Kirchenmann in die Glaubenskrise schlittern – und läuft dabei selbst noch einmal zu ganz großer Form auf. Eine Meisterleistung, ein Opus Magnum.

Die ganz, ganz strenge, darin herrlich klare und karge Kasteiung. Du kniest in sehr schöner, steil emporragender Architektur zwei Stunden auf einer kühlen Kirchenbank und merkst erst nach und nach, wie dich der Weihrauch wonnig nach oben trägt. Erlebst, wie sich in die Predigt immer kühnere Leidenschaft einschleicht. Bis die hohe Decke mit Wucht aufreißt und alles ultraromantisch ins Schweben gerät. Und dabei hat das doch alles mit solch ernsthaft, tief zerfurchter Stirn begonnen.

Ethan Hawke spielt in First Reformed einen Priester, der in seiner kleinen New Yorker Vorstadtgemeinde zunehmend das ganze Unglück dieser Welt zusammentreiben sieht. Einer, der sich ganz ernsthaft bemüht. Zuhört. Hinterfragt. Das dann immer mehr auch sich selber. Und wir wissen, die Männer in den oft ganz strengen, aber eben auch ungekünstelt leidenschaftlichen Filmen von Paul Schrader gehen konsequent dann immer wieder den ganzen Weg. Richard Gere als American Gigolo, der sich seine kalte Professionalität ganz tief von der Liebe aufrauen lässt. Robert De Niro als Taxi Driver, der seine Aggression konsequent bis zum bitteren Ende verfolgt. Willem Dafoe, der Light Sleeper, der in seine beherrschte Kühle dann doch wieder liebevoll tiefe Risse zieht.

Ethan Hawkes Figur in First Reformed fügt sich in diesen Kosmos dieser sich am Ende dann eben doch öffnenden Männer nahtlos ein. In aller Konsequenz. Unausweichlich. Ein verdammt unerschütterliches Werk ist das. Immer wieder ganz weit geöffnet von echter Liebe. Getragen. In dichtem Wintergrau mit meisterlicher Präzision oben auf dem Hügel der Filmgeschichte aufgerichtet. Äußerlich harsch wie ein gefrorenes Stoppelfeld. Und doch so glühend. Immer noch. Für Schrader, der sich in seinen letzten Filmen immer wieder ganz unbefangen in Experimente gestürzt hat, geradezu stürmisch-jugendlich immer wieder alles in Frage gestellt hat, der mit großer Leidenschaft mit dem System gerungen hat, ist First Reformed nun eine ganz besonnene Meisterleistung. In jedem Moment sichtbarer Erfahrungsschatz. Nochmal der ganz große Durchbruch. Zurecht international bereits glühend gefeiert. Das wird in Wien nicht anders sein.


Wann & Wo?

Fr., 26.10., 15.30 Uhr im Gartenbaukino

Mi., 31.10., 23.00 Uhr im Gartenbaukino
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Text: Sebastian Selig

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