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Burning

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Der südkoreanische Regisseur Lee Chang-dong wäre kein Meister der Doppeldeutigkeit, wenn der Name seines hervorragenden neuen Films nicht auf mehreren Ebenen funktionieren würde. Nicht nur die Gewächshäuser brennen hier, sondern auch die Wut des Protagonisten, die sich immer weiter steigert, bis sie sich im Finale entladen kann.

Was hier passiert, basiert lose auf einer Kurzgeschichte Haruki Murakamis: Der Gelegenheitsjobber Jon-su trifft auf die geheimnisvolle Haemi (Jeon Jong-seo), die behauptet, ihn aus ihrer gemeinsamen Kindheit zu kennen, im Zuge derer er sie wegen ihres Aussehens gehänselt habe. Jon-su kann sich an Haemi hingegen nicht erinnern. Sie begründet dies mit ihrer Schönheits-OP – eine eindeutige Bestätigung hierfür bleibt der Film jedoch schuldig.

Diese Momente der Ambivalenz beginnen sich im Laufe der Handlung zu mehren. Die verzweifelte Unwissenheit, mit der Jon-su selbigen begegnet, lassen den glücklosen und naiven Mann langsam seine eifersüchtige und besessene Seite ausleben. Zunächst scheint aber noch alles gut: Haemi lädt ihn zu sich nach Hause ein, ebenda kommt es auch zum Geschlechtsverkehr. Als sie ihn danach bittet, auf ihre Katze aufzupassen, während sie nach Afrika reist, willigt Jon-su nur allzu bereitwillig ein – auch wenn in der Wohnung nie eine Katze zu erblicken ist. Bei ihrer Rückkehr ist Haemi dann zu seiner Überraschung nicht allein am Flughafen. An ihrer Seite: der reiche Schnösel Ben (Steven Yeun), der mit seiner gelackten, selbstsicheren Art all das ist, was Jon-su nie sein wird. Anstatt das Feld zu räumen, lässt er sich jedoch dazu bewegen, das fünfte Rad am Wagen zu spielen.

In einem der intensivsten Momente des Films offenbart Ben Jon-su, er wolle demnächst aus Spaß ein Gewächshaus in dessen Gegend anzünden. Dieser entwickelt daraufhin eine regelrechte Paranoia, die angekündigte Tat findet jedoch nie statt. Vielmehr verschwindet Haemi plötzlich spurlos. Jon-su macht Ben als den möglichen Täter aus, auch wenn der Film nie eindeutige Beweise dafür präsentiert, dass hier etwas dran wäre. Die Verzweiflung, mit der Jon-su Ben zu verfolgen beginnt, ergreift langsam auch von seiner Wahrnehmung Besitz.

Jong-su sucht nach Sinn in einer Welt voller Mysterien. Ein Leitmotiv, dem sich auch Regisseur Lee Chang-dong (Oasis) immer wieder gerne widmet. Eine befriedigende Auflösung kann es nicht geben. Die Faszination und Frustration über das, was hier wirklich gespielt wurde, gehen einem aber noch lange nachher durch den Kopf.


Wann & Wo?

Sa., 27.10., 23.30 Uhr, Gartenbaukino
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Di., 30.10., 12.30 Uhr, Gartenbaukino

 

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Text: Susanne Gottlieb

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