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Touch Me Not

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Für Prüderie ist in Adina Pintilies Berlinale-Siegerstreifen kein Platz: Die rumänische Experimentalfilmerin erforscht in ihrem provokativen Spielfilm-Debüt Intimität, Nacktheit und das Konzept von Schönheit.

Laura (Laura Benson) reagiert panisch auf Intimität und Berührungen. Um Frau über ihre Lage zu werden, wendet sie sich an Experten. Hanna (Hanna Hofmann), nutzt ihren Körper und Brahms’ Musik dazu, den Patienten Entspannung zu bringen. Sexarbeiter Seani (Seani Love) verspricht mittels physischer Stimulation Reaktionen und Befreiung zu schaffen – unter anderem mittels Schlägen gegen die Brust.

Verwoben wird Lauras Geschichte mit jenen von Tómas (Tómas Lemarquis) und Christian (Christian Bayerlein). Ersterer hat wegen eines Gendefekts einen komplett haarlosen Körper, Zweiterer Spinale Muskelatrophie, was sich in verdrehten, unterentwickelten Gliedmaßen äußert. Doch ausgerechnet Christian versteht es, mit seinem Körper das bestmögliche Leben zu führen.

Die Faszination dieser kontrovers aufgenommenen, mit dem Goldenen Bären prämierten Arbeit macht das Verwischen von Realität und Fiktion aus. Oft ist unklar, wie viel von den Schauspielern in den Figuren steckt, die vierte Wand wird fortwährend durchbrochen. Diesem Zugang setzt Adina Pintilie eine formelle, fremdartige Inszenierung entgegen – starke Weiß- und Blautöne, ungewöhnliche Hintergründe, Fokus auf den Gesichtern und immer wieder aufpeitschender Sound. Touch Me Not ist ein Film, der den Körper entrückt, und es doch schafft, Intimität zu zelebrieren.

 

Wann & Wo?

Di., 06.11., 18.30 Uhr, Metro, Historischer Saal

 

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Text: Susanne Gottlieb

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