Schirm

Game of Thrones

Staffel 8

Eintrag vom von Klaus Hübner

Eines der größten Popkultur­phänomene der Neuzeit geht ins spektakuläre Finale: die Geschichte des Kontinents Westeros, wo Adelsgeschlechter Krieg gegeneinander führen, weil es in den Sieben Königreichen nur einen wahren Regenten geben kann. Und jeder weiß, dass es fürchterlich blutig zu Ende gehen wird.

Jaime Lennister (Nikolaj Coster-Waldau) hat den wahnsinnigen alten Targaryen von hinten abgestochen. Dann hat sich Robert Baratheon durch einen Jagdunfall abgemeldet. Seither ist Westeros nicht mehr zur Ruhe gekommen. Die Adelsfamilien der Sieben Königreiche und der umliegenden Enklaven haben sich gegenseitig beraubt, gefoltert, vergewaltigt und verstümmelt, vergiftet, erschlagen, erwürgt, erstochen, gepfählt, verbrannt und gefressen. Sie haben Blutschande miteinander begangen, es wurden Kinder ermordet, Dummköpfe kastriert und Monster geboren. Aber vor allem wurde gelogen, betrogen und intrigiert, wie man es nie zuvor erlebt hatte. Auch wenn es eigentlich in aller Länder Geschichtsbücher genau so und nicht weniger krass erzählt wird. Und wenn nicht das, dann wurde zumindest schmutzig kopuliert.

Jetzt steht Daenerys Targaryen (Emilia Clarke), die Drachenmutter, vor den Toren der Hauptstadt Königsmund. Und von Norden her marschiert der Nachtkönig mit seinem erbeuteten Zombie-Drachen und seiner Untoten-Armee mit Pferden, Bären, Elchen und Riesen ohne Sinn und Verstand, dafür mit umso mehr eiskalter Lust auf Totalgenozid, wahrscheinlich über Winterfell hinweg und auf die Hauptstadt zu. Das Dreckswetter bringt er mit zur großen, finalen Schlacht um Westeros, die wann, wenn nicht jetzt, passieren wird: Lebende gegen Tote, Verbündete gegen Feinde, jeder gegen jeden.

Westeros, das ist freilich der Planet Erde lange vor oder nach unserer Zeit, wo die Kontinente völlig anders aussehen und die sozialen Umstände ganz anders als heute sind. Dort gestalten sich letztere mittelalterlich, freilich aber unter Zusatz von tatsächlich existenter Geistmagie und Zauberei, wie etwa der Feuerresistenz der Drachenmutter. Neuerdings fliegen ja wieder Drachen. Aber sogar das ließe sich noch erklären. Es gibt die fossilen Spuren von Menschen, die neben riesigen Saurierspuren verlaufen und gleich alt in der gleichen Erdschicht fossiliert sind. Die Evolutionstheorie ist ein Geflecht aus losen Enden und ist nur eine Theorie. Das genügt als Beweis. Wir wissen über die Erde, bevor vor ungefähr 13.000 Jahren die letzte große Flut sämtliche Zivilisationsspuren verwischt und fast auch den Menschen ausgerottet hat, fast nichts. Solche Katastrophen, wie z. B. auch Meteoriteneinschläge oder Caldera-Vulkanausbrüche gibt es auf der Erde immer wieder. Für Mensch und Natur sind sie wie ein kompletter Neustart mit BIOS-Reset für den Computer.

Aber das gilt nicht für die ätherischen Missgeburten des Herrn des Feuers, wie sie einst dem Schoße seiner Tempeldirne, der Roten Frau, entkrochen sind. Und es gilt schon gar nicht für den Nachtkönig und seine Brut aus Weißen Wanderern, die Tote zu hirnlosen, mordgierigen, schwer zu tötenden Aggressoren mit Überkräften machen. Umso schlimmer, dass der verdammte Nachtkönig sich in Staffel sieben einen Drachen erlegt hat. Der ist jetzt blau angelaufen und wird seinen lebendigen beiden Artgenossen, die für die Khaleesi in die Schlacht ziehen, wohl ziemlich einheizen. Oder eher einfrieren? Der blaue Strahl aus dem Rachen der verrottenden Bestie aus der Hölle sieht jedenfalls ziemlich ungemütlich aus.

Man muss um den heißen Brei herumreden: Zum gesamten, hervorragend konstruierten Mythos der Eis und Feuer-Romanserie von George R. R. Martin gehört integral, dass seit den letzten beiden Staffeln nicht mehr Romane verfilmt werden, sondern Drehbücher. Wann genau die noch ausstehenden Romane nachträglich vom Autor publiziert werden, wird man sehen. Auf jeden Fall kann niemand wissen, was jetzt kommen wird. Und weil die Produktion strenges Stillschweigen einhält, ist bisher nichts nach außen gedrungen. Game of Thrones ist in jedem Fall eine Serie, die uns sehr viel über die Welt da draußen erzählt und darüber, wie Machtgeflechte funktionieren – und wozu man bereit sein muss, wenn man glaubt, dort mitspielen zu müssen. Die letzten sechs Folgen werden mit großer Sicherheit unheimlich heftig. Da man nur raten kann, geben wir hier unseren Tipp ab, wie es ausgehen wird: Alle Helden werden sterben, auch die Antihelden – Westeros wird zerstört und entvölkert. Valar morghulis eben.

 

Game of Thrones (Staffel 8) – ab 15.04. auf Sky Atlantic & Sky X.

 

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