Schirm

Game of Thrones (S8E3): Tod, Zerstörung, Klimawandel

Eintrag vom von Klaus Hübner

Westeros ist wie jede andere physische Welt: Nur Gewalt kann nötige Änderungen erzwingen. Bei uns ist es die Naturgewalt, dort der Krieg gegen den Nachtkönig. Aber freilich ist GoT eine Heldengeschichte. Deshalb gibt es Sieger.

Warnung: Es folgen Spoiler für die dritte Folge der achten Staffel Game of Thrones. Weiterlesen auf eigene Gefahr!

 

Die Sachlage

Im Angesicht des Todes nehmen die Heerscharen der zum Last Stand gegen den Nachtkönig in Winterfell versammelten Helden Haltung an. Und so bricht er los, der Sturm, wie ihn Westeros noch nie zuvor gesehen hat. Die Armee der Toten, in tausendfacher Überzahl, bricht über Winterfell herein wie die Lavamassen des Vesuv über Pompei. Sie wollen und werden über die Dothraki, die Unbefleckten unter Grauer Wurm, über Daenerys und ihre verbliebenen beiden Drachen und alle übrigen prominenten Krieger der Sieben Königslande, die sich nicht im Schoß der feigen, verlogenen Cersei eingerollt haben, die ewige Nacht bringen. Wenn nicht ein Wunder geschieht.

 

Game of Thrones

Die Guten

Melisandre, die Rote Frau, sorgt für die letzte große Überraschung, bevor die Hölle losbricht: Auch ihre zwielichtigen Mächte stellt sie nun in den Dienst derer, die das Leben wollen. Viel bringt es nicht: Auch wenn die Krummschwerter der Dothraki nun vom Gott des Feuers entflammt sind, versiegt ihre erste Angriffswelle in den Reihen der Toten wie Tränen im Regen. Und dann beginnt das große Sterben. Daenerys und Jon brennen mit den Drachen Schneisen in die Zombiescharen, aber ein aufziehender Schneesturm macht sogleich jeden Durchblick zunichte und stürzt alles, was noch irgendwie nach Strategie ausgesehen hat, endgültig ins totale Chaos. Rasend schnell werden die Bodentruppen zurückgetrieben, und die endlose Flut aus gefühllosen, hirnlosen, mordlustigen Kadavern überrennt Winterfell.

 

Game of Thrones

Die Schlechten

Die Drachen verwickeln Jon und Daenerys in den ersten direkten Kampf mit dem Nachtkönig, und er bleibt auf allen Seiten nicht ohne Schrammen. Erheblich verletzt wirft der Zombiedrache den Nachtkönig ab, auch Jon fliegt aus dem „Sattel“. Was solchermaßen wie ein Hoffnungsschimmer wirkt, entpuppt sich schnell als Schuss nach hinten: Der Anführer, ja Schöpfer der Weißen Wanderer schreitet entschlossen zwischen auf Berge von in der Schlacht angefallenen Leichen zu und erweckt sie allesamt zu neuem Leben. Und Jon, der ihm gerade noch mit gezücktem Schwert hinterhergelaufen ist, sieht sich nun umzingelt. Während Daenerys ihn im letzten Moment heraushaut, bricht in den Katakomben, wo sich Tyrion mit Frauen, Kindern, Alten und Wehrlosen verschanzt hat, der Wahnsinn los, als die untoten Truppen eindringen und auch dort zu morden beginnen. Inmitten dessen verteidigt Theon den am Herzbaum wartenden Bran bis zum letzten Blutstropfen, mit dem er sich hoffentlich von all seiner Schuld reinwaschen kann. Nun steht der Nachtkönig, wo er hinwollte: unmittelbar vor der Ermordung von Bran und damit – aus Gründen, die wir noch nicht verstehen können – vor dem endgültigen Sieg, dem Hereinbrechen der Nacht ohne Ende. Aber wie bereits gesagt ist GoT eine Heldengeschichte. So hechtet aus einem völlig unvorhergesehenen Hinterhalt Arya auf den Nachtkönig, rammt ihm einen Dolch aus valyrischem Stahl in die Eingeweide und setzt dem Spuk der Weißen Wanderer ein abruptes Ende. Die Schlacht ist geschlagen, die Gefahr gebannt. Aber zu welchem Preis: Gefallen sind Ser Jorah und seine unvergessliche Cousine Lyanna, die sich mit der Tötung eines Zombie-Riesen ins Jenseits verabschiedet, weiters der 19fach wiederbelebte Beric und schließlich Theon. Ungewiss bleibt das Schicksal des Drachen, den zuletzt Jon geritten hatte. Zu allerletzt erfüllt Melisandre ihr angekündigtes Schicksal: Im Licht der aufgehenden Sonne des unerwartet anbrechenden neuen Tages entledigt sie sich ihres Schutzdiadems und wird gleich einem sterbenden Vampir in alle Winde verweht.

 

Eiskoenig

Das Spannende

Für echte Fans der Serie dürfte es in der Geschichte des Laufbildes allerhöchstens zwei Hände voll Momente geben, die mit der enormen Spannung dieser Folge mithalten können. Noch nie war GoT so lange am Stück derart fesselnd und emotional aufwühlend, obwohl man durch Schneesturm, Feuersbrunst und Chaos nur mit Mühe an der Chronologie dranbleiben kann. Die Parallelen zu unserer wirklichen Realität sind nicht minder erdrückend. Die Zombies stellen unübersehbar die Heerscharen hirnloser Konsumenten aus den westlichen Technokratien dar, die unseren Planeten kahlfressen und verheizen. Die Gruppe der Bosse unter den Weißen Wanderern sind die globalen Konzerne mitsamt ihren Sprachrohren, den Politikern, die mit ihrer gewissensentleerten Bereicherungs- und Wachstums-Propaganda zur „Hinter uns die Sintflut“-Gesinnung trommeln. Der Winter, der mit den Toten über Westeros kommen soll, und die Ewige Nacht – sie stellen selbstverständlich Umweltzerstörung und Klimakatastrophe dar. Und der Nachtkönig? Er ist der Teufel, der Gott des Untergangs, die Verkörperung des absolut Bösen, die pure Essenz von Hass, Gier und selbstverliebter Primitivität. Am Ende allerdings muss sich der wirklich engagierte und involvierte Zuseher eine unbeantwortbare Frage stellen: Kann Greta Thunberg jemals eine Arya Stark werden?

 

In einer Woche geht's weiter, es gibt bereits einen Teaser zur vierten Folge: 

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