Schirm

Game of Thrones (S8E4): Die hasserfüllte Königin

Eintrag vom von Klaus Hübner

Große Gefühle bestimmen auch die drittletzte Folge von GoT und sorgen dafür, dass sie kaum weniger mitreißend ist als die geschlagene Schlacht um Winterfell. Jetzt aber geht es gegen Cersei – die nicht müde wird, Öl ins Feuer des Hasses zu gießen.

Warnung: Es folgen Spoiler für die vierte Folge der achten Staffel Game of Thrones. Weiterlesen auf eigene Gefahr!

 

Die Sachlage

Fußballfelderweit türmen sich die Scheiterhaufen mit den Leichen der Gefallenen, die dem scheinbar unaufhaltsamen Bösen Einhalt geboten haben. Die Trauer ist spürbar, die Tränen fließen. Gefährten vieler Jahre gehen auf die letzte Reise. Aber Winterfell ist gerettet, und damit ganz Westeros, zumindest vor dem ewigen Winter. Später, beim Totenschmaus, fließt der Wein – um den Schmerz erträglicher zu machen. Und damit einher geht die Bereitschaft für die Liebe. Für Arya, auf die als Heldin von Winterfell angestoßen wird. Für deren Liebhaber und Verehrer Gendry, den Daenarys als Lord Baratheon von Sturmkap anerkennt, um sich beliebt zu machen. Die Liebe von Tormund für Brienne. Die Liebe von Jamie für Brienne. Die Liebe von Gendry für Arya. Und die so schwierig gewordene Liebe von Dany für Jon.  

Bei so viel Liebe ist schmerzhafte Zurückweisung die logische Folge: Arya lehnt das Angebot ab, Gendry zu heiraten und als Lady Baratheon ihr Leben mit ihm zu verbringen. Tormund muss zusehen, wie Brienne nicht mit ihm, sondern mit Jamie auf ihr Zimmer geht. Und während Jon von seinen Mitstreitern gefeiert wird, ist offensichtlich, dass Dany sich trotz ihrer Assimilationsbemühungen über kaum Rückhalt unter den Menschen im Norden freuen darf, besonders Sansa bleibt hier weiterhin gehörig misstrauisch.

 

Game of Thrones

Die Guten

Dany dämmert immer mehr, dass die Verwandschaft zu ihrem Geliebten ein Problem ist. Sie bittet also Jon, niemandem zu sagen, dass er der rechtmäßige Anwärter auf den Eisernen Thron ist – auch wenn er verspricht, den Thron nicht zu wollen. Die Angst, dass das nicht ausreicht und an ihrem Regentschaftsanspruch gerüttelt werden könnte, steht ihr förmlich ins Gesicht geschrieben. Aber Jon kann nicht anders: Er weiht Arya und Sansa ein, allerdings nicht, ohne seine Schwestern schwören zu lassen, es niemals einer Menschenseele weiterzusagen. Das Geheimnis wird aber wohl sehr schwer eines bleiben können, und schon kurz darauf wird in den Reihen der königlichen Ratgeber die Frage diskutiert, wer denn nun am Ende auf dem Thron sitzen kann, soll und darf. Aber jetzt mobilisieren erst einmal die Armeen der Drachenkönigin gen Süden – Daenerys mit Grauer Wurm und den Drachen auf dem Schiffsweg, Jon nimmt mit den Dothraki und den übrigen Kämpfern den Landweg. Zurück bleiben Tormund, der seine Wildlinge in den Norden zurückbringen wird, sowie Sam, der mit Gilly und seinem ungeborenen Kind in Winterfell bleibt. Auch von seinem Schattenwolf Geist nimmt Jon für immer Abschied. 

 

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Die Schlechten

Als die Flotte von Daenarys die Insel Drachenstein erreicht, wird sie von einem Hinterhalt des widerlichen Euron Graufreund überrascht. Euron tötet den bereits verletzten Drachen Rhaegal – damit ist plötzlich nur noch Drogon übrig. Anschließend richtet er seine Geschütze auf die Schiffe der Unbefleckten und zerstört viele davon, vielleicht sogar alle. Tyrion, Varys und Grauer Wurm schwimmen an Land – von Missandei, mit der letzterer sich schon eine traute Zukunft nach dem Krieg ausgemacht hatte, fehlt aber vorerst jede Spur. Kein bisschen weniger schockierend als dieser Hinterhalt ist das Gespräch, das Tyrion und Varys wenig später führen. Der Eunuch lässt sich zu einer interessanten Offenbarung hinreißen: Sein Motiv sei der Schutz aller Menschen in Westeros. In der Folge lässt er mehr als deutlich durchklingen, dass Jon in seinen Augen ein besserer Herrscher wäre als Daenerys … und dass ein Verrat an der Mutter der Drachen eventuell das Richtige für die sieben Königslande wäre. Tyrion weist das vorerst zurück – wirkt dabei aber alles andere als völlig überzeugt.

Gleichzeitig erweist sich im Norden endlich die wundersame Wandlung von Ser Jamie zu einem Menschen, dem man nicht mehr nur den Tod wünscht, als doch nur vorübergehend. Er verlässt Brienne, um sich wieder mit seiner Schwester zu vereinen. Die hat mittlerweile die Menschen von Königsmund in den Roten Bergfried gelockt. Sie will die Bevölkerung als lebenden Schutzschild gegen einen Direktangriff des Drachen auf den Königssitz missbrauchen. Als Daenarys davon erfährt, entschließt sie sich, das Opfern dieser tausenden Unschuldigen in Kauf zu nehmen. Auf Empfehlung von Tyrion zieht sie aber zuvor mit einer kleinen Schar von Unbefleckten vor die Tore von Königsmund, um Cersei eine letzte Chance zu geben, friedlich das Handtuch zu werfen. Diese könne sich selbst und das Kind in ihrem Bauch – das wieder einmal ihr Bruder Jamie ihr gemacht hat und das sie nun Euron Graufreund unterschiebt – retten. Aber Cersei bleibt sich treu. Trotz des innigen Versuchs ihres Bruders Tyrion, sie umzustimmen, lässt sie die gefangene Missandei vor den Augen von Grauer Wurm von Gregor „Der Berg“ Clegane köpfen. Damit hat Cersei die Sache besiegelt: Es wird ein Kampf bis zum Tod – für alle. 

 

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Das Spannende

Der Konflikt zwischen Daenerys und Jon Snow aka Aegon Targaryen wegen der Thronfolge wird mehr und mehr zu einem zentralen Problem für sie und ihre Gefolgsleute, aber noch ist für dafür nicht wirklich die Zeit. Zuerst muss der Kampf um Königsmund und den Eisernen Thron zu einem Ende gebracht werden, und das bedeutet mit großer Wahrscheinlichkeit den Tod von Cersei. Zugleich lässt sich natürlich auch nicht ausschließen, dass Cersei als Siegerin hervorgeht: Die Welt ist grausam und ungerecht, und Westeros ist nicht anders. Also sollte man sich nicht wundern, wenn das neben dem Nachtkönig größte Übel in Westeros – die vom Hass vor langer Zeit zerfressen und wahnsinnig gewordene Cersei – am Schluss triumphiert. Das wäre freilich mehr dem Stil von Buchautor George R. R. Martin entsprechend. Aber der schreibt ja nicht mehr vor, sondern seit Staffel 7 hinterher. Also könnte sich doch noch ein Hollywood-Ende ausgehen. Lasset uns darauf hoffen!

 

In einer Woche geht's weiter, es gibt bereits einen Teaser zur vorletzten Folge:

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