Schirm

Game of Thrones (S8E5): Die Abrechnung

Eintrag vom von Klaus Hübner

Man möchte nicht schon im Vorspann alles verraten, aber was sich in der vorletzten Folge von Game of Thrones in Königsmund ereignet, war irgendwie vorherzusehen und ist doch irgendwie traurig – vor allem aus architektonischen Gründen.

Warnung: Es folgen Spoiler für die fünfte Folge der achten Staffel Game of Thrones. Weiterlesen auf eigene Gefahr!

 

Die Sachlage

Die Nordtruppen, die Dothraki, die Unbefleckten, Jon, Arya und Daenerys versammeln sich vor den Toren von Königsmund. Die Armeen bringen sich in Stellung. Die Drachenmutter hat den Angriff für den kommenden Morgen angekündigt. Aber noch ist die Strategie nicht vollkommen fertig.

 

Game of Thrones

Die Guten

Varys ist – vielleicht berechtigterweise – der festen Überzeugung, dass Jon auf den Eisernen Thron gehört. Er konfrontiert ihn damit, und er verfasst auch Briefe, die Jons wahre Identität preisgeben. Ob er zumindest ein paar davon absenden kann, wissen wir nicht. Denn bevor er fertig ist, fliegt sein Verrat auf und er wird von den Unbefleckten aus seiner Schreibkammer abgeführt. Daenerys, die seit der Ermordung ihrer Zofe Missandei zurückgezogen fastet, hat durchschaut, dass Varys von Jons Geburtsrecht erfahren hat. Also verurteilt sie Varys zum Tod – und lässt ihn von ihrem Drachen grillen. Zuvor hat Tyrion aber noch die Gelegenheit, sich von seinem alten Freund zu verabschieden und ihm auf den Weg mitzugeben, dass er der Königin Bescheid gestoßen hat. Daenerys ist nun klar, dass ihrer Dominanz in diesem entscheidenden Moment für Westeros auf wackligen Beinen steht. Sie stellt Jon gegenüber unmissverständlich ihre Liebe, aber auch ihre Entschlossenheit klar. Danach unterrichtet sie Tyrion davon, dass Jamie geschnappt wurde, als er durch die Linien der Nordtruppen in Richtung Königsmund schlüpfen wollte. Richtig hat sie erkannt, was dahintersteckt: Jamie hat Cersei nicht aufgegeben. Das schwächt auch Tyrions Stand bei ihr ungemein: Er ringt seiner Königin zwar das kleine Zugeständnis ab, die Leute in Cerseis lebendem Schutzschild im Roten Bergfried zu schonen, sobald sie mit dem Erklingen der Turmglocken ihre Bereitschaft signalisieren würden, sich zu ergeben. Aber er selbst hat nun seine Gunst verwirkt: Ein weiterer Fehler würde sein letzter sein, versichert ihm Daenerys. Scheinbar gerade deswegen eilt er sogleich zum nächsten Fehler: Tyrion bittet Davos um einen Gefallen, wenig später stellen wir fest, dass es der Schlüssel für die Fesseln ist, in die sein Bruder Jamie gelegt wurde. Während Arya mit dem Hund Clegane in die Stadt reitet, um Cersei heimlich zu töten, schickt Tyrion als Hand der Königin die Wachen vor Jamies Zelle weg und lässt ihn frei, nachdem dieser geschworen hat, zu versuchen, Cersei umzustimmen und mit ihr und dem gemeinsamen ungeborenen Kind in ein neues Leben zu fliehen. Tyrion akzeptiert, dass er dafür wohl sterben wird; aber er rechnet sich eine Chance aus, Daenerys dadurch gnädig zu stimmen, dass er ihr ein riesiges Blutbad erspart.

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Die Schlechten

Freilich: dieses Ansinnen hat Tyrion nicht mehr völlig fertig durchdacht. Ja, er könnte Zehntausenden das Leben retten, aber würde Daenerys jemals Cerseis Flucht hinnehmen? Gute Frage, aber eigentlich egal. Denn mittlerweile ist der Morgen angebrochen. Jene Zeit, für die Daenerys den Angriff befohlen hat. Vor dem Bergfried stellen sich die Truppen der Lennisters und der Goldenen Kompanie auf; Arya und der Hund schaffen es gerade noch in den Bergfried, bevor die Tore geschlossen werden. Auch Jamie muss draußen bleiben. Aber er kennt einen anderen Weg und macht sich dorthin auf.


Daenerys greift mit Drogon Eurons Eiserne Flotte an und vernichtet sie, ohne selbst einen Kratzer abzubekommen. Dann sprengt das Drachenfeuer das Haupttor zur Stadt von Innen und es zeigt sich schnell, dass Cerseis Truppen mit ihren Skorpion-Pfeilschleudern keine Chance gegen den Drachen haben. Daenerys lässt ihn jegliche Gegenwehr in Schutt und Asche legen; wer nicht brennt, den erledigen die nachstürmenden Truppen der Dothraki und der Unbefleckten. Vom Turm des Roten Bergfried aus sieht Cersei ihr Kartenhaus in sich zusammenfallen, aber noch hat sie die Hoffnung nicht aufgegeben: Nie zuvor ist der Bergfried gefallen. Sie hält daran fest. Aber die Angst steht ihr ins Gesicht geschrieben; nun ist ihr hasserfüllter Hochmut gewichen.

In den Straßen von Königsmund ergeben sich Cerseis Truppen den vorrückenden Männern um Jon. Wenig später erschallen die Glocken von Königsmund als Zeichen, dass sich die Bevölkerung der Stadt ergeben möchte. Einige Atemzüge lang herrscht Stille. War das tatsächlich alles? Kann das Blutvergießen heute ausfallen? Nein. Daenerys tut, was geschehen muss. Sie fällt ohne Erbarmen mit Drogon über die Stadt her und setzt sie in Brand. Unbefleckte und Dothraki stürmen vor und beginnen, gegnerische Soldaten ebenso wie Zivilbevölkerung abzuschlachten, während der Drache Gebäude und Menschen in Massen einäschert. Zwischendrin findet der weichherzige Jon, der diesen Irrsinn lieber nicht gesehen hätte, zumindest die Gelegenheit, eine Frau vor Vergewaltigung zu bewahren, auch wenn er dafür einen aus den eigenen Reihen töten muss. Ethisch korrekt und formidables Verhalten eines Edelmanns? Vielleicht. Zu glauben, Krieg könne etwas Edles haben, ist aber nichts als lachhaft. Die Bewohner der Stadt sind dem Untergang geweiht. Sich erst auf die Seite der widerlichen Cersei zu stellen und dann plötzlich die Weiße Fahne zu schwenken (oder die Friedensglocken zu läuten), sobald man am Verlieren ist: Das ist schäbig, billig und wendehälsisch. Vor allem bedeutet es, dass Daenerys nur im nächsten möglichen Moment von irgendeinem Königsmunder Verräter die Hacke ins Kreuz bekommen würde. Daenerys tut also das einzige, was der Krieg hergibt.

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Zwischendrin erwischt Euron am Ausgang des geheimen Fluchtwegs aus dem Bergfried den zur Rettungsmission eilenden Jamie. Der Kampf endet tödlich für Euron, aber zuvor steckt er zweimal seinen Dolch in Jamies Körper – was wohl auch dessen Schicksal besiegelt. Unterdes ist Arya mit Sandor Clegane schon im Bergfried angelangt, als der Hühne innehält und Arya erklärt, dass Cersei keine Chance mehr hätte. Arya solle umkehren, um von der Rachsucht nicht so zerfressen zu werden wie er. Arya hört auf ihn, und Sandor geht allein weiter. Er stellt Cersei und seinen Bruder, den „Berg“ Gregor Clegane, am Treppenstumpf des einstürzenden Bergfried-Hauptturms. Während der Kampf zwischen den Clegane-Brüdern entbrennt, flieht Cersei und trifft wenig später auf Jamie.

Als der Hund seinem Bruder nach hartem Kampf das Schwert in den Leib rammt, muss er erkennen, dass Gregor kaum noch ein menschliches Wesen ist. Der Stich scheint ihn nicht zu verletzen. Immer wieder versenkt der Hund den Dolch im Körper seines Bruders, aber nicht einmal ein Stich durch Gregors Kopf kann diesen stoppen. Der Hund, am Ende seiner Kräfte, stürzt sich auf ihn, sie brechen durch die brüchige Mauer und fallen in das Meer aus Flammen unter ihnen. Dort unten in den Straßen versucht Arya inzwischen dem Drachen, den mordenden Reitern und den zusammenstürzenden Bauten aus dem Weg zu gehen. Überleben ist in den Straßen von Königsmund nur noch den Glückspilzen beschieden. Und auch Jon erkennt die zunehmende Gefahr für alle und ordnet den Rückzug an. Danys Zerstörungswut macht nun vor nichts mehr Halt.

Tief unter der Stadt erkennen Cersei und Jamie, dass auch sie keinen Ausweg mehr haben. Eine letzte Umarmung, und die Gewölbe brechen über ihnen zusammen. Dem Tod dieses unseligen Geschwister-Paares scheint der Mythos bereits eingestanzt: „Und ihre Leichen wurden nie gefunden...“ Nur Arya überlebt den Wahnsinn in den Straßen dann doch mit knappster Not. Sie findet ein Pferd und reitet aus der niederbrennenden Stadt.

 

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Das Spannende

Als Daenerys das Strecken der Waffen des Feindes ignorierte und mit der Vernichtung von Königsmund begann, stürmte auch Grauer Wurm vor und begann, jene niederzustechen, die zuvor gerade ihre Waffen hatten fallen lassen. Jon aber nicht; er versuchte sogar, seine Leute vom Kampf abzuhalten, bevor er dann doch unweigerlich in die Schwertkämpferei verwickelt wurde. Dieses anfängliche Zögern hat Grauer Wurm mitbekommen, und das könnte Jon Schwierigkeiten bei Dany einbringen. Dany selbst reitet jetzt gerade wohl auf einem schmalen Grat zwischen Königin und Irrsinniger, die die Stiefel ihres Vaters füllt und erbarmungslos Unschuldige verbrennt. Was sie in der nächsten, finalen Folge wohl dazu zu sagen hat? Überhaupt ist zu diesem Zeitpunkt äußerst schwer vorherzusehen, was in der letzten Folge passieren wird. Warum sollte sich Daenerys in der von ihr vollkommen zerstörten Stadt auf den Eisernen Thron setzen wollen? Vielleicht wird der also vielleicht gar nach Winterfell verlegt, wo Dany und Jon von da an in Eintracht regieren könnten, gewärmt vom Feuer ihres gemeinsamen Drachen? Da dürfte aber wohl Arya noch ein Wörtchen mitzureden haben. Die hat in dieser Staffel schließlich bereits einen Tyrannen erledigt. Steht nun vielleicht eine wasserstoffblonde Khaleesi auf ihrer Todesliste? Was auch passieren mag, wir werden es nächste Woche erleben – im großen Finale!

 

In einer Woche folgt das große Serienfinale, es gibt bereits einen Teaser zur letzten Folge:

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