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Cannes 2019, Tag 5: "Ich wollte das Herz der Show zeigen, nicht die Einleitung"

Eintrag vom von Claudia Dlapa

Am Tag nach der feierlichen Red-Carpet-Premiere hat Drive-Regisseur Nicolas Winding Refn die handverlesenen Folgen vier und fünf seiner neuen Amazon-Serie Too Old To Die Young der Presse präsentiert und sich im Anschluss einer Q&A-Runde gestellt.

Einen 13 Stunden langen Film hat Nicolas Winding Refn nach eigener Aussage gedreht – nur um diesen dann in Happen zu zerteilen, genau dort, wo es eben halbwegs Sinn macht. Entstanden sind so zehn, dementsprechend Cliffhanger-freie Episoden unterschiedlicher Länge, von denen der Regisseur zwei ausgewählt hat, um sie bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes erstmalig vor Publikum zu zeigen. Dafür musste man sich als Nicht-Premierengast zwar im Regen anstellen – gelohnt hat sich das aber allemal: Too Old To Die Young, mit Whiplash-Star Miles Teller als Auftragskiller mit Moral in der Hauptrolle, ist immerhin die erste Refn-Produktion in Serienformat. Begrüßt hat der Regisseur von Drive und zuletzt The Neon Demon am neuen Medium vor allem das Mehr an Laufzeit – alles andere war eigentlich eh "genauso wie immer". Sehr vertraut muten dann auch tatsächlich das gemächliche Tempo, die Ästhetik, Score und Charaktere des "streaming movies" an. Statt sechs Wochen haben der Regisseur, Crew und Cast halt zehn Monate am düsteren Werk gedreht, für Refn ganz typisch chronologisch und für ständige Aktualisierung offen, so dass der in Dänemark geborene, in New York aufgewachsene Filmemacher auch noch die parallel in Schwung kommenden Skurrilitäten des jüngsten US-Präsidentschafts-Wahlkampfes in Too Old To Die Young einfließen lassen konnte. Ab 14. Juni schon darf man sich auf Amazon Prime vom Ergebnis überzeugen.

 

Too Old To Die Young

 

Man mag's kaum glauben, wenn man sich die von links unten bis rechts oben durchgestylten Stills von Refns Filmen ansieht, aber der Däne ist farbenblind und kann daher nicht alle Farbtöne richtig erkennen. Seine Fehlsichtigkeit ist ihm erst mit 24 aufgefallen – beim Schuhekaufen mit seiner Frau (bzw. damals noch Freundin), wie er beim "Rendez-Vous avec Nicolas Winding Refn" im Anschluss ans Screening erzählt. Sofort wandern die Blicke im Saal zur grünen Hose, die er zu schwarzem Jacket, Krawatte und Schuhe kombiniert hat. Doch der Regisseur gibt Entwarnung: "Alles Absicht". Normal will er nämlich sowieso nicht sein. "What’s so good about being fucking normal anyway?" Eben, was ist überhaupt so gut am normal sein? Wer besonders ist, macht besondere Sachen. "Also geht raus und zieht euer Ding durch!", gibt er dem jungen Publikum schließlich noch mit auf den Weg.

 

Too Old To Die Young

 

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