Schirm

Game of Thrones (S8E6): Eine neue, bessere Welt

Eintrag vom von Klaus Hübner

Bevor uns die erfolgreichste Fantasyserie aller Zeiten in eine ungewisse Zukunft entlässt, müssen noch ein paar Entscheidungen fallen. Und sie fallen auch – damit die blutige Geschichte von Westeros zu einem verdienten und würdigen Ende ohne Sieger kommt.

Warnung: Es folgen Spoiler für die letzte Folge der achten Staffel Game of Thrones. Weiterlesen auf eigene Gefahr!

 

Die Sachlage

Die Hoffnungen des einzigen verbliebenen Löwen wurden also nicht erfüllt, und so musste Tyrion mit ansehen, wie Haus Lennister unter der Asche von Königsmund endgültig begraben wurde. Tod und Zerstörung prägen nun das Bild der einst prächtigen Hauptstadt der Sieben Königslande. Die Überlebenden sind alles andere als glücklich. Jon ist keineswegs zumute, den Sieg zu feiern. Aber zumindest hat Daenerys’ Zerstörungswut ein Ende gefunden, und Drogons Feuer ist fürs Erste ausgegangen. Deutlich wird jetzt vor allem eins: Es gibt im Krieg keine Helden, nur Verlierer. Der Krieg hat nichts Heldenhaftes, keine Ehre. Er ist die Hölle – schmutzig, gemein, brutal und böse.

 

Game of Thrones

Die Guten und die Schlechten

Als Grauer Wurm die letzten Überlebenden von Cerseis Armee zum Tod verurteilt und exekutieren will, geht Jon erneut dazwischen und will ihn gemeinsam mit Davos überzeugen, dass die Schlacht gewonnen und die Gewalt überflüssig ist. Aber Grauer Wurm folgt, in der stringenten Logik der militärischen Befehlshierarchie, den Anweisungen seiner Königin. Jon kann die weiteren Hinrichtungen nicht verhindern – das könnte nur Dany, und mit der muss er darüber reden. In den Trümmern der Stadt macht sich Tyrion allein auf in die Katakomben. Und tatsächlich findet er Jamie und Cersei, erschlagen von Trümmern. Voller Trauer beweint er seine verlorenen Geschwister.

 

Game of Thrones

 

Arya erreicht die Reihen der Dothraki und der Unbefleckten, wo auch Jon bereits die Ankunft der Königin erwartet. Als sie mit Drogon landet, ist es der Auftritt einer Feldherrin, die einen gewaltigen und fürchterlichen Sieg errungen hat. Sie macht Grauer Wurm zum Oberbefehlshaber und schwört ihre Truppen auf die Weiterführung des Krieges ein, bis nicht nur die Sieben Königslande, sondern alle Menschen der gesamten bekannten Welt vom Joch der Tyrannei befreit sind. Tyrion, zurück aus den Katakomben, schreitet vor und stellt sich neben die Königin, die ihn sogleich mit seinem Verrat konfrontiert, der Befreiung seines nun toten Bruders. Tyrion entgegnet, sie habe eine ganze Stadt niedergemetzelt, und er wirft sein Abzeichen, das ihn als Daenerys’ Hand auszeichnet, die Treppen hinunter, worauf sie ihn abführen lässt. Arya beobachtet die Szene und bekommt mit, dass Daenerys für Jon kein Lächeln mehr hat, als sie sich an ihm vorbei entfernt. Sie macht den immer noch an der Loyalität zu Dany festhaltenden Jon klar, dass er immer eine Bedrohung für Dany sein wird und dass sie ihn früher oder später töten wird.

Jon sucht Tyrion in seinem Verlies auf. Leider ohne Wein. Tyrion bedauert seinen Irrtum, der Varys das Leben gekostet hat, sehr. Und er sieht sein Schicksal gelassen: Als Mörder seiner Geliebten und seines Vaters und als Verräter macht er sich keine Illusionen mehr über seinen bevorstehenden verdienten Tod. Jon versucht die positive Seite des Endes des Krieges hervorzuheben, aber Tyrion widerspricht ihm natürlich sofort, denn die Aussagen der Königin waren eindeutig: Sie ist mit dem Kämpfen noch lange nicht fertig. Tyrion vertieft die Tragweite seines Irrtums: In all ihren bisherigen Taten brachte Daenerys zwar stets böse Menschen zu Fall. Aber das Niederbrennen von Königsmund laste schwerer auf ihr als alle Morde, die Tyrions Vater und Schwester, auch zwei böse Menschen, zusammen begangen hätten. Deshalb will Tyrion wissen, ob Jon dasselbe getan hätte – immerhin sei auch er bereits auf einem Drachen geritten und hätte damit dieselbe Macht wie Daenerys besessen. Tyrion teilt Jons Liebe für Daenerys, das gibt er zu, und Liebe sei stärker als Vernunft. Die Liebe ist der Tod der Pflicht, sagt Jon und zitiert damit die Worte, die Meister Aemon einst gesagt hatte. Manchmal ist die Pflicht der Tod der Liebe, entgegnet Tyrion; Jon habe immer die Menschen beschützen wollen – und wer sei jetzt die größte Bedrohung für die Menschen, auch für seine beiden Schwestern? Jon scheint zu wissen, dass Tyrion und Arya recht haben. Aber er macht keine Zugeständnisse und bleibt dabei: Das alles obliege der Entscheidungsgewalt der Königin.

Auf dem Weg zur Königin trifft Jon auf Drogon. Der Drache gibt ihm ein Zeichen der Zuneigung, fast wie eine schnurrende Katze. Langsam legt sich über die Asche Königsmunds eine Schneedecke. Der Winter ist nun auch im Süden angekommen.
Und Dany? Sie hat den Thronsaal erreicht, wo der Eiserne Thron nun unter freiem Himmel steht. Jon bittet sie um Gnade für Tyrion. Aber Dany weiß es besser. Sie kann und will sich nicht hinter kleinen Gnadenerweisungen verstecken, auch wenn das größere Bild der besseren, freien Welt, die sie schaffen möchte, jetzt noch schwer zu erkennen sein mag. Sie könne das sehen, weil sie wisse, was gut ist – genauso, wie Jon es wisse. Sie fleht ihn geradezu an, diese bessere Welt gemeinsam mit ihr zu bauen, weil es schon immer ihrer beider Bestimmung war. John schwört, sie werde immer seine Königin sein, und sie küssen sich innig. Dann rammt ihr Jon einen Dolch ins Herz, der Dany fast auf der Stelle tötet. Drogon, der instinktiv spürt, dass seiner Mutter etwas zugestoßen ist, landet im Thronsaal. Als der Drache den Tod Danys vergegenwärtigt, bringt er den Eisernen Thron mit seinem Feuer zum Schmelzen und trägt den Leichnam davon. Aber er schont Jon. Auch er ist ja schließlich ein Targaryen – ein Drache.

 

Game of Thrones

 

Eines sonnigen Tages einige Wochen später haben sich die Lords der Sieben Königslande in Königsmund versammelt: Sansa, Arya, Bran, Sir Gendry Baratheon, Sam Tarly, Davos, Yara Graufreud, Ser Brienne und einige andere. Grauer Wurm führt Tyrion in Ketten der Versammlung vor; aber offenbar wurde auch erwartet, dass Jon hergebracht wird, was Grauer Wurm entschieden ablehnt. Eine Diskussion darüber, wer über Jons Schicksal das Sagen hat, entbrennt, durchaus mit gewaltbereitem Unterton. Yara will ihn tot sehen, Arya droht dafür, ihr die Kehle durchzuschneiden. Davos schlägt eine friedliche Lösung vor, will den Unbefleckten ihr eigenes Land zusprechen. Aber der kluge Tyrion ist wieder einmal jener, der das Richtige sagt: Es obliege dem König oder der Königin, zu entscheiden, was mit Jon geschehen muss. Als Edmure Tully aufsteht, um sich als Anwärter anzupreisen, bittet seine Nichte Sansa ihn schnell, sich wieder zu setzen, und alle anderen sehen betreten weg. Dann schlägt Sam vor, diese Frage nicht nur unter Lords und Ladies zu entscheiden, sondern tatsächlich von allen. Wahlen also, demokratische? Da lachen die Lords sehr gut darüber. Vielleicht auch Hunden und Pferden eine Stimme geben?

Tyrion verneint die Frage, ob er die Krone wolle. Aber er hat einen Vorschlag. Nicht Krieg und nicht Gold, sondern gute Geschichten sind es, die die Menschen vereinen können. Und wer hätte eine bessere Geschichte hinter sich als Bran, der Gebrochene, dessen Abenteuer gerade wegen seiner Behinderung so unglaublich sind? Er wolle den Thron nicht, entgegnet Sansa, und er könne auch keine Kinder zeugen. Aber das, so ist Tyrion überzeugt, wäre das beste Argument für Bran, denn Sansa habe die Grausamkeit von Königssöhnen am eigenen Leib erlebt und da dies mit Bran nicht passieren könnte, wäre damit genau das Joch zerbrochen, welches Dany hatte brechen wollen und was Grauer Wurm immer noch als Ziel hochhält. So also solle es in Zukunft sein: An diesem Ort mögen die Lords und Ladies der Zukunft wählen, wer ihr König oder ihre Königin sein solle. Alles stimmt zu. Nur Sansa nicht; sie erklärt den Norden zu einem eigenständigen Königreich. Bran erlaubt es, und so wird Brandon der Gebrochene zum neuen König der Sechs Königslande erwählt. Sogleich benennt Bran Tyrion als seine Hand, was dieser ablehnt. Aber entgegen dessen eigenen Widerstand und den von Grauer Wurm wird er es doch – um seine Verfehlungen wieder auszugleichen. Jon, so einigt man sich schließlich, wird wieder zurück zur Nachtwache geschickt. Niemand ist mit all dem besonders glücklich. Aber das macht es wohl zu einem guten Kompromiss. Ob er das richtige getan habe, fragt Jon, als Tyrion ihn danach im Verlies aufsucht – es fühle sich nicht so für ihn an. Aber auch Tyrion kann nicht antworten. Frag mich in zehn Jahren nochmal, meint er, und verabschiedet sich, nicht ohne die Möglichkeit eines Wiedersehens in Aussicht zu stellen.

So ist es also beschlossen. Grauer Wurm und die Unbefleckten segeln nach Naath, wo er wohl das Versprechen einzulösen gedenkt, das er Missandei gegeben hat. Arya will nach Westen, wo alle Landkarten aufhören. Jon bricht nach Norden auf. Brienne erweist Jaime die letzte Ehre, indem sie seine Geschichte im Buch der Ritter vervollständigt. Die erste Sitzung des Rats des neuen Königs mit Tyrion als Hand und – siehe da – mit Ser Bronn als Berater bringt eine kleine Überraschung: ein Buch, geschrieben von Erzmeister Ebrose nach dem Tod von König Robert Baratheon, mit dem Titel Ein Lied von Eis und Feuer; Tyrion kommt darin aber nicht vor. Einige Plätze im Rat sind noch unbesetzt, aber mehr Sorge bereitet König Brandon, wo sich Drogon wohl aufhalten könnte. Bran macht sich auf, mit seinen übersinnlichen Fähigkeiten nach ihm zu suchen. Und so nimmt der Alltag wieder seinen Lauf, mit den Beratern, wie sie sich um hungrige Menschen, zerstörte Schiffe und Häfen und nicht zuletzt um niedergebrannte Bordelle zu kümmern haben.

Oben im Norden, an der Mauer, kommt Jon in Castle Black an – erwartet von Tormund, den Wildlingen und seinem Wolf Geist. Arya sticht gen Westen in See. Sansa wird zur Königin des Nordens gekrönt. Und während Arya davonsegelt unter dem Wolfsbanner, führt Jon die Wildlinge in den wahren Norden – jenseits der Mauer.

 

Game of Thrones

Das Spannende

Dass ein Prequel in Serie gehen wird, wissen wir. Dass ein „Remake“ der soeben zu Ende gegangenen letzten Staffel von mittlerweile über einer Million Unterzeichnern gefordert wird, in der die Entscheidungen der Drehbuchautoren revidiert werden sollen, ist die neueste Nachricht. Der Unmut der Fans scheint groß zu sein. Aber es gibt auch Zufriedene. Der Autor dieser Zeilen spricht bestimmt nicht für alle Mitglieder der großteils GoT-vernarrten SKIP-Reaktion, aber er gehört auf jeden Fall zu der Fraktion, die im höchsten Maße den Entscheidungen der Protagonisten zustimmt. Hier wurde nicht in Hollywood-Manier Kitsch produziert. Sondern hier wurde ungeschönt das Spiel der Macht und sein Preis vorgeführt. Wer andere regieren will, wer glaubt, durch Macht und Geld und Ruhm zu irgendwas zu kommen, der landet vielleicht nicht sofort, vielleicht nicht selbst, sondern nur in Form seiner Nachkommen, aber garantiert irgendwann eben kastriert und geschändet unter einem Berg der Asche jenes Erbe, das er geglaubt hat, der Welt hinterlassen zu können. Das ist eine ewige Wahrheit und GoT hat sie vor allem in der letzten Staffel überaus konsequent herausgearbeitet.

 

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