Schirm

Too Old To Die Young

Staffel 1

Eintrag vom von Claudia Dlapa

„What’s so great about being fucking normal anyway?” Nicolas Winding Refn (Drive) weiß seine vermeintlichen Schwächen – Legasthenie und Farbenblindheit – in eigenwillige Scripts und Bilder zu verwandeln. Auch mit seinem Seriendebüt für Amazon bricht er wieder mit der Norm.

Worum geht’s?

Martin (Miles Teller, Whiplash) ist Polizist in Los Angeles. Wortkarg, verschlossen, fast apathisch verrichtet er seinen Dienst – richtig geheuer ist er seinen Kollegen vom LAPD nicht. Doch wer hier wohl der wahre Weirdo ist? Der brutale Tod seines Partners hat im jungen Cop eine Leere zurückgelassen, die er notgedrungen mit weiteren Toten füllt. „Gib mir die schlimmsten Typen, die du hast“: Im Parallelleben als Auftragskiller taucht Martin regelmäßig in die düstere Unterwelt ab, wo nur noch die eigene Moral über Leben und Tod entscheidet. Auf mehr kann man sich ohnehin nicht verlassen in einer Gesellschaft, die kündet, sie wäre zum Kollaps bestimmt.

Was wird geboten?

Drive-Regisseur Nicolas Winding Refn hat seine erste Streaming-Serie gedreht – zumindest, wenn man Amazon Glauben schenkt („New Series June 14“). Doch der in New York aufgewachsene Däne bricht gern die Regeln, nach denen sich die Kreativität im Business vermeintlich zu richten hat. Somit ist weniger eine konventionelle Serie als vielmehr ein 13 Stunden langer Film entstanden, den sein Macher nur pro forma nachträglich in zehn unterschiedlich lange Episoden zerteilt hat. Gedreht wurde, typisch für Refn, chronologisch, nur eben länger als für seine Zweistünder. Zehn Monate lang stand der Regisseur tagsüber am Set, saß dann mit dem Cutter im Schneideraum und anschließend mit zwei Co-Autoren am Skript – ein Workflow, der dich über eine so lange Zeit „auf witzige Weise verrückt macht“. Da die Arbeit am Drehbuch parallel zum jüngsten US-Präsidentschaftswahlkampf passiert ist, durfte auch der skurrile Wahnsinn rund um Trumps Aufstieg auf die Story abfärben. Damit ist Too Old To Die Young wohl Refns bisher politischstes Werk. An vorangegangene Filme wie Drive, Only God Forgives oder The Neon Demon erinnern stylishe Neon-Ästhetik, beklemmende Atmosphäre, ruhiges Tempo und Synthie-Score. Zart besaitet darf man wieder nicht sein – dafür sind (mit kompatiblem Humor) auch einige Lacher garantiert. 

 

Too Old To Die Young (Staffel 1) - ab 14.6. auf Amazon Prime!

 

 

Gut zu wissen …

Lust hinter die Kulissen von TOTDY zu schauen? Fixer Begleiter der Drehs war eine Live-Cam, durch deren Linse man direkt über Refns Schulter spechteln konnte. Die dabei entstandenen Videos gibt’s auf der Facebook-Seite der Serie zu sehen.

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