Festivals

Das SKIP-Venedig-Journal 2019, Eintrag 1: French Connection

Eintrag vom von Christoph Prenner

Der japanische Meisterregisseur Hirokazu Kore-eda läutete die 76. Filmfestspiele von Venedig mit seinem ersten nicht-heimatsprachlichen Film La vérité und den großen französischen Schauspielerinnen Catherine Deneuve und Juliette Binoche ein.

Glücklich ist, wer sich in einen klimatisierten Kinosaal zurückziehen kann in diesen schweißsatten Spätsommertagen, in denen die Schwüle gar schwer in der Stadt hängt und die Erlösung durch reinigende Regenschauer bis auf weiteres auf sich warten lässt. Umso ernüchterter ist man dabei dann allerdings, wenn sich das, was da als Eröffnungsfilm der 76. Filmfestspiele von Venedig auf die Leinwände in den Filmpalästen am Lido projiziert wird, weder als sonderlich erfrischend noch als eventuell noch einmal das Gemüt extra anheizend entpuppt. Sondern als, nun ja, laues Lüftchen.

 


Lässt noch Luft nach oben: Der Eröffnungsfilm La vérité mit Catherine Deneuve & Juliette Binoche.

 

Dabei waren die Vorzeichen ja durchaus gut – schließlich war niemand geringerer als der japanische Regisseur Hirokazu Kore-eda mit der Bespielung des Opening Slots betraut worden. Also jene gegenwärtige Kinokunst-Größe, die erst im vergangenen Jahr mit ihrem bisherigen Meisterwerk Shoplifters die Goldene Palme in Cannes einheimsen hatte können. Dorthin hätte La vérité, seine erste nicht in seiner Heimatsprache, sondern auf Französisch (und etwas Englisch) gedrehte Arbeit, wohl auch besser hingepasst. Denn die im Titel ins Treffen geführte Wahrheit ist, dass die raffinierte, feingliedrige Machart seiner herzergreifenden Familiendramen (siehe u.a. auch Like Father, Like Son) in dieser leichtgewichtigen Mutter-Tochter-Problemkiste schmerzlich abgeht. Angespornt von seinen beiden Hauptdarstellerinnen Catherine Deneuve und Juliette Binoche gab sich Kore-eda darin deutlich über-pflichtschuldig mit der reinen Reproduktion von Standards des französischen Autorenfilms zufrieden.

 


Regisseur Hirokazu Kore-eda mit seinem Cast.

 

Es ist aber natürlich auch gut möglich, dass der Autor dieser Zeilen zu Beginn der Filmfestspiele bloß mit viel zu hoher Erwartungshaltung auf dem völlig falschen Fuß erwischt wurde – was auch die durchaus gespaltenen Kritiken zum Film nahelegen. Wenn am anstehenden zweiten Spieltag nunmehr Brad Pitt in Ad Astra rauf zu den Sternen fahren wird und sich Scarlett Johansson und Adam Driver in Marriage Story die Trümmer ihrer gescheiterten Ehe um die Ohren hauen müssen, dann dürfte sich das kinematographische Klima in der Lagunenstadt aber allemal in mehrheitlich als wohlfeil empfundenen Bereichen einpendeln.

 


Hi, there! Brad Pitt bei seiner Ankunft am Lido.

Fotos: pps.at

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