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Das SKIP-Venedig-Journal 2019, Eintrag 2: Heirat und andere Himmelfahrtskommandos

Eintrag vom von Christoph Prenner

Brad Pitt! Scarlett Johansson!! Zwei der besten Filme des Jahres in einem Aufwasch!!! An ihrem zweiten Tag schalteten die Internationalen Filmfestspiele von Venedig gleich mehrere Gänge hoch.

Kaum dass, wie berichtet, am ersten Abend eine aufregungsfreie Aufwärmrunde absolviert worden war (nicht, dass man sie bei dem Wetter gebraucht hätte), da konnte es der zweite gar nicht mehr erwarten, gleich mal so richtig in die Vollen zu gehen und aus allen Rohren reinste filmische Pracht zu pumpen. Was nicht mal allein mit dem am Lido-Laufsteg angetanzt gekommenen A-List-Actor-Aufgebot zu tun hatte – obwohl Namen wie Brad Pitt, Scarlett Johansson oder Adam Driver nun auch nicht geschadet haben im Aufmerksamkeits-Rodeo. Nein, die beiden Filme, die diese netten Leute mitgebracht hatten, zählen nicht nur jetzt schon zu den besten des Festivals, sie werden überhaupt nur mehr sehr schwer aus allen möglichen Jahresbestenlisten wegzudiskutieren sein.

 


Brad Pitt macht am Red Carpet seine Fans glücklich

 

>>Zu den schönsten Schnappschüssen der beiden Weltpremieren

 

Im Kern ließ sich das von Brad Pitt (der sich im SKIP-Interview als unheimlich aufgeräumter Gesprächspartner erwies) vorgestellte SciFi-Drama Ad Astra als geschlechterumgedrehte Variation des Mutter-Tochter-Verhältnisses des Auftaktfilms La vérité lesen. Bloß, dass hier eben dessen Leading Space Man versucht, endlich mit seinem (verschollenen) Vater Tommy Lee Jones ins Reine zu kommen. Indem er diesen im Rahmen einer von Regisseur James Gray atmosphärisch eindringlich eingefangenen, mit erheblichen Bild-, Klang- und Ideenkostbarkeiten unterfütterten Reise quer durch das halbe Sonnensystem zu suchen beginnt. Rum kam dabei ein All-Abenteuer der mindestens Interstellar/Solaris-Güteklasse (mit Apocalypse Now-Einschlag), das sich zwar gern und gut existenzialistischen Grübeleien hingibt, es dazwischen actionmäßig aber auch immer wieder saftig krachen lassen kann. Der Abschlussapplaus macht uns sicher, dass davon spätestens in der Oscar-Saison noch viel gesprochen werden wird.

 


Ab ins All: Brad Pitt in Ad Astra

 

Verkorkste Verhältnisse standen schließlich auch beim bisher überzeugendsten Film des heurigen Wettbewerbs im Zentrum – allerdings selbstgewählte. Noah Baumbach (längst der freshere Woody Allen) schickt in Marriage Story die guten Menschen Scarlett Johansson und Adam Driver nämlich ins von allerlei heftigen Blutgrätschen geprägte Endspiel ihrer langsam zerfallenden Ehe. Sicher, Scheidung ist eines jener Themen, das in der Popkultur mit erheblicher Regelmäßigkeit durchgekaut wird: im Film sowieso, siehe nicht zuletzt Baumbachs eigenes Der Tintenfisch und der Wal, aktuell auch mit feinem Erkenntnisgewinn im Hype-Roman des Sommers Fleishman Is In Trouble. Doch angespornt von einem bemerkenswert unerschrocken aufspielenden Hauptdarstellerduo, das einander und sich selbst nichts schenkt, treten in dieser Heirats-Erzählung ein Witz und eine Wahrhaftigkeit zu Tage, die man in solchen Story-Konstellationen eben nur sehr selten verabreicht bekommt. Auch hier: Applaus in richtig lauter Stärke, auch hier jetzt schon: früher und starker Oscar-Buzz. Man darf gespannt sein, ob #Venezia76 dieses extrem hohe Level auch weiter halten wird können.

 


Ausgeflittert: Scarlett Johansson & Adam Driver in Marriage Story

 

 

Zum Nachlesen: Das SKIP-Venedig-Journal 2019, Eintrag 1: French Connection

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