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Das SKIP-Venedig-Journal 2019, Eintrag 4: Nachtschichten mit Netflix

Eintrag vom von Christoph Prenner

Der Beginn der zweiten Festivalwoche stand ganz im Zeichen des Streaming-Weltmarktführers: Mit gehörigem A-List-Aufgebot von Meryl Streep bis Timothée Chalamet präsentierte Netflix seine Premium-Produktionen The King und The Laundromat.

Na, da schau her: Kaum haben die Filmfestspiele von Venedig die Halbzeitmarke überschritten, da geht es auf einmal gleich auch etwas weniger überhitzt und zusehends pomali zu am Lido, haben sich also sowohl Turbotrubel als auch Treibhauswetter angenehmerweise etwas zurückgenommen. Ersteres mag freilich auch daran liegen, dass kein vernachlässigbarer Teil der aus aller Damen und Herren Länder angereisten Journalistenschar seine Klapprechner mit den leuchtenden Apfellogos auch schon wieder eingepackt hat, um zum konkurrierenden Festival in Toronto weiterzufliegen.

Zu erleben und bestaunen gibt es derweil freilich auch im Mostra-Angebot genug – und im Prinzip auch einiges, das tendenziell aufgeregte Reaktionen hervorruft. Denn wie schon im letzten Jahr hat der ziemlich beste Filmfestival-Frenemy Netflix erneut einige seiner prestigeträchtigsten Produktionen für die kommende Preisverleihungssaison zur Erstbesichtigung dagelassen. In der Realität einer Pressevorführung äußert sich das hier dann zunächst stets in einem amüsanten Wechselspiel aus demonstrativem Klatschen und noch demonstrativerem Buh-Rufen, immer dann, wenn das neuerdings animierte Netflix-Logo vor Filmstart prägnant auf der Leinwand aufleuchtet.

Was hatte der Gottseibeiuns des Kinobetriebs denn aber nun diesmal anzubieten? Vom wahrlich herausragenden Eheauflösungsdrama Marriage Story wurde an dieser Stelle ja schon geschwärmt. Obwohl die beiden anderen, in den vergangenen zwei Tagen gezeigten Netflix-Streifen an diesen immer noch besten Beitrag im Wettbewerb nicht ranzukommen vermochten, hatten sie doch auch manches zu bieten – in erster Linie natürlich einen anschaulichen Superstar-Auflauf, der die Einladungsbereitschaft der Venedig-Verantwortlichen sicher nicht gebremst haben dürfte.

Nachdem für Steven Soderberghs eventuell etwas zu flapsig geratene Panama-Papers-Satire The Laundromat unter anderem eh schon Meryl Streep und Gary Oldman am Lido gelandet waren, konnte das wuchtige, Shakespeare-beeinflusste Historiendrama The King am Montagabend dann auch noch mit Timothée Chalamet, Lily-Rose Depp, Ben Mendelsohn und Joel Edgerton glänzen (bloß Robert Pattinson hatte geschwänzt). Was diese Vier – sowie noch einige andere – konkret zu ihrem Film und der Arbeit daran zu berichten haben und wie sie ganz allgemein die Zukunft von Streaming-Services im Filmfestival-Umfeld sehen, werden wir in wenigen Stunden im Zuge einer ausführlichen Interview-Sitzung erfahren – und unverzüglich in einen der noch hier verbliebenen Klapprechner mit leuchtendem Apfellogo klopfen.

 

>>Zu den schönsten Schnappschüssen der Weltpremieren

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