Schirm

Succession

Staffel 2

Eintrag vom von Christoph Prenner

Nachfolgeerscheinungen. In der sogar noch einmal brillanteren und bösartigeren zweiten Staffel von HBOs Dramedy-Sleeper-Hit spitzt sich der Stellungskrieg um das Erbe des Multimilliarden-Dollar-Familiengeschäfts zusehends zu. Die monströsen Mitglieder der Roy-Dynastie hauen sich nun noch gnadenloser die Hackln ins Kreuz.

Worum geht’s?

Die Revolution frisst bekanntlich ihre Kinder. Im konkreten Fall hat eine gescheiterte Revolution ein besonders übermütiges Kind gefressen. Denn, wie man es auch dreht und wendet: Von enormer Ambition angespornt und in großen Mengen zugeführten illegalen Substanzen angestachelt ist Kendall (Jeremy Strong) mit seinem waghalsigen Versuch, sich an die Spitze des Mega-Entertainment-Konglomerats seines Vaters Logan Roy (Brian Cox) zu putschen, katastrophal gescheitert. Das bedeutet für ihn zunächst einmal, dass er 24/7 als Zielscheibe von Hohn und Spott seiner charakterlich gleichfalls herausfordernden Geschwister Shiv (Sarah Snook), Connor (Alan Ruck) und besonders Roman (grandios garstig: Kieran Culkin) dienen darf, die sich zweifellos drüber freuen, dass Patriarch Logan den allzu unverfrorenen Thronfolger ungeniert in aller Öffentlichkeit für seinen Putschversuch büßen lässt. Doch der diabolische Medienmogul hat freilich auch erkannt, dass ebenjener unfreundliche Übernahmeversuch des familiär-autoritär geführten Waystar Royco noch nicht damit aus der Welt ist, dass er Kendall konsequent „Scheiße fressen“ lässt. Und so trommelt er seinen miteinander in gegenseitiger Verachtung verbundenen Roy-Clan zusammen, um seine gewagte Gegenstrategie zu verkünden: In einem überfallsartig vorgetragenen Manöver will man selbst einen der größten Mitbewerber übernehmen, wodurch man endgültig zu groß wäre, um selbst noch geschluckt werden zu können. Das setzt natürlich voraus, dass alle an einem Strang ziehen und keines der Egomonster im Hintergrund schon wieder sein eigenes Intrigensüppchen kocht …

Wer ist dabei?

Durch seine Arbeit an Show-Wunderwerken wie The Thick Of It (samt Film-Spin-off In The Loop) oder Veep hat Succession-Serienschöpfer Jesse Armstrong eine hervorragende Expertise darin bekommen, das Leben und Treiben der Supermächtigen und oberen 1 % in all seiner Verkommenheit mit säurescharfem Spott zur Kenntlichkeit zu entstellen. Auch hier braucht es nun wahrlich kein Übermaß an Fantasie, um in der verkorksten Roy-Sippe eine fiktionalisierte Version des Murdoch-Clans zu erkennen.

Was wird geboten?

Shakespeare, Schadenfreude und Situationskomik: Gegen das hemmungslos hinterhältige Hauen und Stechen, das die in hoffnungsloser Selbstsucht gefangenen Mitglieder des Roy-Clans in der noch einmal exzellenteren zweiten Staffel dieser Comedy-Drama-Hybridserie (vornehmlich gegeneinander) betreiben, kommen einem selbst die blutgetränkten Fehden der HBO-Kollegen von Game Of Thrones wie ein lustiger Kindergeburtstag vor. Dabei ist Succession aber bestrickend zeitgemäß: Unbarmherziger und zugleich unterhaltsamer wurden die absurdesten Auswüchse unseres spätkapitalistischen Hier und Jetzt noch selten in einer Serie seziert.

 

Gut zu wissen …

Dieses perlende Piano-Intro-Thema mit dem höchsten Ohrwurmfaktor stammt wie der gesamte Score von Nicholas Britell, der für seine Musiken zu Moonlight und Beale Street auch bereits oscarnominiert war.

Succession (Staffel 2) – ab 16.09. auf Sky Atlantic & Sky X

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