Schirm

The Loudest Voice

Staffel 1

Eintrag vom von Christoph Prenner

Erst kommt die Quote, dann die Moral. Die Showtime-Miniserie nimmt das Wirken des umstrittenen Fernsehmachers Roger Ailes (Russell Crowe) ins Visier, dessen unrühmliche Verdienste an der Demokratie mit der Gründung des Politprovokationsstadels Fox News leider noch lang nicht aufhören.

Worum geht’s?

Wer Donald Trump verstehen will, der muss Fox News verstehen. Jenen radikal rechtskonservativen TV-Nachrichtenkanal, der es in den letzten zwei Dekaden zu einem, unter Umständen DEM Hauptbeeinflusser der Meinungswetterlage in den USA gebracht hat – nicht still und heimlich, sondern bewusst laut und auf Krawall gebürstet. Wer wiederum verstehen will, wie es so weit kommen konnte, der muss sich mit den Anfangstagen des Senders auseinandersetzen – und dabei im Speziellen mit Roger Ailes (Russell Crowe mit sehr viel Extragesicht). Im Jahr 1995 hatte der Fernsehproduzent und politische Berater gerade seinen Job bei CNBC verloren, er kommt daraufhin im Imperium des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch unter. Dort beginnt er ein Network aufzubauen, das ganz bewusst das Gegenteil der von ihm verabscheuten, links-liberalen Neuigkeiten-Verbreiter wie CNN sein soll: Fox News soll danach trachten, dem „echten Amerika“ eine Stimme zu geben – und wie immer, wenn dem Volk nach dem Mund geredet werden will, rücken Moral und Faktentreue allzu gern hinter Manipulationen und Lügen zurück ins zweite Glied. Dem Erfolg tut so etwas nachweisbar keinen Abbruch – je knalliger und provokanter der Inhalt, desto besser die Quote. Und desto größer auf mittlere Sicht auch der Einfluss auf realpolitische Entscheidungen – angefangen beim Irak-Krieg und noch lange nicht aufhörend beim Trump-Triumph …

Was wird geboten?

Fast genauso umstritten wie Roger Ailes selbst wurde auch diese Miniserie über sein Leben bei der US-Premiere aufgenommen. Das mag zum einen an Russell Crowe liegen, der seine in so vieler Hinsicht fragwürdige Figur – Vorwürfe der sexuellen Belästigung leiteten beispielsweise den Fall des Zampanos ein – mit einem gerüttelt (Mindest-) Maß an menschlichen Zügen anreichert, das das Monströse von Ailes’ Aktionen mitunter in den Hintergrund rücken lässt. Darüberhinausgehend ist es natürlich auch recht ernüchternd, gezeigt zu bekommen, wie ein Ultra-Ungustl nicht nur mit allen Grausigkeiten durchkam, sondern diese, unsere Welt damit auch nachdrücklich zu einer unerfreulicheren machen konnte. Als grandios gespielte Charakterstudie (oder Charakterlosigkeitsstudie?), die einem angemessen kalte Schauer über den Rücken jagt, hat diese Showtime-Produktion aber unbestreitbar ihre Qualitäten.

 

The Loudest Voice (Staffel 1) – ab 16.09. auf Sky Atlantic & Sky X

 

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