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Persepolis

Persepolis

Drama, Zeichentrick. Frankreich, USA 2007. 91 Minuten.

Regie: Marjane Satrapi, Vincent Paronnaud

Ein kleines, iranisches Mädchen erlebt Islamische Revolution, Krieg und Verfolgung und schließlich das unfreiwillige Exil in Österreich. Die erfolgreichen Comicbücher von Marjane Satrapi in der berührenden Filmversion.

Filmstart: 30. November 2007

Teheran 1978: Marjane, genannt Marji, ist neun Jahre alt, ein lebhaftes Kind, das gut behütet in einer bürgerlichen Familie aufwächst, Pommes mit Ketchup, Bruce Lee und Adidas-Schuhe liebt. Zu seiner Großmutter hat das Mädchen eine besonders innige Beziehung. Kein Wunder also, dass die Kleine, die später einmal Prophetin werden will und im Bett anstatt zu schlafen tiefsinnige Unterhaltungen mit Gott führt, das Gebot aufstellt: Großmütter dürfen keine Knieschmerzen haben. Die durchwegs unbeschwerte Kindheit nimmt ein jähes Ende, als 1979 der Schah dem massiven Druck der Opposition nachgibt, abdankt und die Islamische Revolution das Land ins Chaos stürzt. Der von den Mullahs errichtete und mit rigorosen Mitteln durchgesetzte Gottesstaat bringt für die linksliberalen Kräfte im Land, zu denen auch Marjis Familie zu zählen ist, nicht die erhoffte Befreiung. Vielmehr gehen brutale Verfolgung und Unterdrückung, wie schon zu Zeiten des Schah-Regimes, unvermindert weiter, zusätzlich erschüttert der Iran-Irak-Krieg das Land. Doch Opfer sind nicht nur auf den Schlachtfeldern zu beklagen. Unbequeme Oppositionelle werden verhaftet, im schlimmsten Fall zu Tode gefoltert oder hingerichtet, wie Marjis geliebter Onkel. Eine berührende Szene des Films zeigt den erschütternden Abschied des Mannes von seiner kleinen Nichte, die die Welt nicht mehr versteht.
Die nächsten Jahre der zum Teenager heranwachsenden Marji sind geprägt vom Kopftuchzwang, allgegenwärtigen Tugendwächtern und haarsträubenden Indoktrinierungen in der Schule. Doch Marji rebelliert, besorgt sich Heavy Metal Musik am Schwarzmarkt und stellt das System immer wieder frech auf die Probe. Dass im Gottesstaat auf Dauer kein Platz für das aufmüpfige Wesen von Marji ist, veranlasst ihre Eltern dazu, sie im Alter von 14 Jahren schweren Herzens ins Exil nach Österreich zu schicken. Fast vier, alles andere als rosige Jahre verbringt Marji ganz auf sich alleine gestellt in Wien, 1988 kehrt sie - vorübergehend - in den Iran zurück.

Mehr als 300.000 Mal hat sich Marjane Satrapis vierteilige, mehrfach ausgezeichnete Comicbuchserie Persepolis in Frankreich verkauft. Ein Erfolg, übertroffen nur vom gleichnamigen Film, den Satrapi gemeinsam mit dem Zeichner Vincent Paronnaud realisiert hat. Bei den Filmfestspielen von Cannes 2007 gab es Standing Ovations und Spezialpreis der Jury für die Filmemacher. In Frankreich sind mittlerweile über 1 Million Kinobesucher in die mal düstere, dann wieder augenzwinkernde, schwarzweiße Welt der vorlauten Marji eingetaucht. Dass die Tugendwächter im Iran dem Film und seiner Darstellung der Islamischen Revolution kein Wohlwollen entgegenbringen, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Text:  Dina Maestrelli

Credits

Titel Persepolis
Originaltitel Persepolis
Genre Drama/Zeichentrick
Land, Jahr Frankreich/USA, 2007
Länge 91 Minuten
Regie Marjane Satrapi, Vincent Paronnaud
Drehbuch Vincent Paronnaud, Marjane Satrapi nach den Comics von Marjane Satrapi
Schnitt Stéphane Roche
Musik Olivier Bernet
Produktion Xavier Rigault, Marc-Antoine Robert
Stimmen in der DF Jasmin Tabatabai, Nadja Tiller, Hanns Zischler
Stimmen in der OV Catherine Deneuve, Chiara Mastroianni, Simon Abkarian
Verleih Polyfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

1 Kommentar

genial - wieviel man über cartoons transportieren kann - und wie wichtiges ...

Dieser Film hat Spass gemacht, und gleichzeitig ziemlich zum Nachdenken angeregt. Irgendwie leicht und schwer zugleich.

Für mich ein ganz wichtiger Film, eine neue Perspektive von Wien, wenn das auch eigentlich nur Nebensache ist, werden da andere Dinge hervorgehoben als "man" sie sonst so sieht.

Aber vorallem: Eine Relativierung was für einen selber gerade ur wichtig ist - da lebt ein Mensch unter uns der mit sich eine so andere und doch so gleiche Welt in sich trägt. Die auch schön und schrecklich ist.

Das Geniale an dem Film ist für mich, wie er mit ganz einfachen Mitteln sehr klare und wichtige Botschaften übermittelt. Auch Brücken baut die uns als Wienern ein Land erschliessen - was heisst Land - Menschen zugänglich macht. Wie er die unsichtbaren Mauern die uns von unseren Mitmenschen trennt ganz leicht umgeht.

13. November 2007
18:38 Uhr

von claudio_w

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