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Freigesprochen

Freigesprochen

Drama, Literaturverfilmung. Österreich 2007. 96 Minuten.

Regie: Peter Payer
Mit: Frank Giering, Lavinia Wilson, Corinna Harfouch

Ein verbotener Kuss und seine katastrophalen Folgen: Die Schuld verändert das Leben von zwei Menschen für immer. Brillant besetzte Horvath-Adaption aus Österreich.

Filmstart: 18. Januar 2008

Es war doch nur ein Kuss! Und doch verändert ein einziger Kuss, nicht einmal besonders ernst gemeint, das Leben einer ganzen Gruppe von Menschen, und verschuldet den Tod von 22 weiteren. Denn Thomas Hudetz (Frank Giering), der geküsst wird von der schönen Wirtstochter Anna (Lavinia Wilson), ist Fahrdienstleiter in einem kleinen Bahnhof. Und der Kuss, der mehr Provokation als Leidenschaft ist, lenkt ihn davon ab, ein lebensnotwendiges Signal zu setzen. Der Kuss ist schuld daran, dass Thomas' bester Freund Josef (Alfred Dorfer) mit seinem Molkerei-Lieferwagen über einen Bahnübergang fährt, während der Zug kommt. Der Kuss ist Auslöser dafür, dass der Zug entgleist. Dass Josef auf der Stelle tot ist. Und dass viele andere Menschen verletzt und getötet werden, Familien auseinander gerissen, Freunde getrennt, Leben zerstört.

Die gnadenlose Versuchsanordnung stammt ursprünglich von Ödön von Horvath, österreichisch-ungarischer Schriftsteller der Zwischenkriegszeit und Erfinder besonders perfider Untersuchungen menschlichen Verhaltens. Wie gehen zwei Leute damit um, dass eine harmlose Tat so viel Schlimmes verursacht hat? Thomas und Anna schweigen, lügen, verteidigen sich. In ihrer Panik klammern sie sich aneinander, verfallen in eine sexuelle Obsession ohne Ausweg, während ihre Umwelt ratlos wegschaut.

Thomas ist verheiratet, mit der wesentlich älteren Hanni (Corinna Harfouch), einer Frau mit Stil, die ihm nicht nur an Alter, sondern auch an Klasse überlegen ist. Die beiden sind ein glückliches Paar, Frau Hudetz ist nicht pathologisch eifersüchtig, wie sie das in Horvaths Theaterstück war. Die beiden führen eine harmonische Beziehung, bis zu jenem Kuss… den Hanni Hudetz nicht sehen hätte sollen. Denn dieser Moment zerstört nicht nur das Leben vieler Menschen, sondern auch das Vertrauen zwischen den beiden.

Völlig vertrauensselig dagegen ist Ferdi (Robert Stadlober), Annas verknallter Verlobter. Er ist Fleischer, die Hoffnung des alten Wirts, harmlos bis zur Blödheit. Aus rostroten Fliesen, "Auf denen sieht man das  getrocknete Tierblut nicht!", schreibt er ihr Liebesbekenntnisse, versteht ihre Trauer um die Opfer des Zugsunglücks nicht, will sie aufheitern und kann doch nur verlieren gegen die große Schuld, die Anna niederdrückt und zu Thomas hintreibt.

In Freigesprochen transponiert Peter Payer den Kleinbürgerkosmos von Horvaths Theaterstück Der Jüngste Tag gekonnt in die Gegenwart, und verwandelt mit zeitloser Ausstattung und klarer Sprache den Schauplatz im kleinen burgenländischen Seewinkel in eine universelle Seelenlandschaft. Ein packendes, intensives Drama - ohne Kompromisse und in großen Bildern auf die Kinoleinwand gebracht. 

Text:  Magdalena Miedl

Credits

Titel Freigesprochen
Originaltitel Freigesprochen
Genre Drama/Literaturverfilmung
Land, Jahr Österreich, 2007
Länge 96 Minuten
Regie Peter Payer
Drehbuch Ödon von Horvath, Peter Payer
Kamera Andreas Berger
Schnitt Cordula Werner
Musik Andre Mergenthaler, Walter M. Cikan
Produktion Erich Lackner, Nicolaus Steil
Darsteller Frank Giering, Lavinia Wilson, Corinna Harfouch, Thierry Van Werveke, Robert Stadlober, Alfred Dorfer, Michael Ostrowski, Vera Borek
Verleih POOOL Filmverleih

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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