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Brügge sehen ... und sterben?

In Bruges

Action-Komödie. Belgien, GB 2008. 105 Minuten.

Regie: Martin McDonagh
Mit: Colin Farrell, Brendan Gleeson, Ralph Fiennes

Endstation Flandern. Colin Farrell und Brendan Gleeson als Auftragskiller auf Urlaub, die Brügge für sich entdecken: Der eine mit dem Reiseführer, der andere mit Fäusten, Flirten und viel Bier.

Filmstart: 16. Mai 2008

Schon mal darüber nachgedacht, warum es unter Kleinwüchsigen eine erhöhte Selbstmordrate gibt? Oder ob man geistig umnachtet sein muss, um Brügge schön zu finden? Nein? Dann lassen Sie sich doch in die schräge Gedankenwelt von Profikiller Ray (Colin Farrell) entführen. Der ärgert sich gerade maßlos darüber, dass er von seinem Boss, dem Londoner Obergangster Harry (Ralph Fiennes), nach Brügge geschickt worden ist, wo er sich jetzt mit Ken (Brendan Gleeson) satte zwei Wochen ein Zimmer teilen soll. Der gutmütige Ken ist ebenfalls ein Killer und so etwas wie Rays Mentor. Rays erster Job ist massiv in die Hose gegangen – die Frischluft in Flandern soll die beiden irischen Hitmen aus der Schusslinie holen. Zumindest ist es das, was man Ray erzählt hat ...

Während Pragmatiker Ken das Beste draus machen will und begeistert die Sehenswürdigkeiten des Städtchens abklappert, teilt Ray die Euphorie seines Arbeitskollegen nicht im Geringsten. Gelangweilt trottet er anfangs noch hinter Ken her, doch bereits das Erklimmen des Glockenturmes verweigert er. Lieber legt er sich mit fülligen Touristen an und schaut grantig aus der Wäsche – was zu einem nicht unerheblichen Teil daran liegen mag, dass Ray von den scheußlichen Erinnerungen an seinen missglückten ersten Auftrag verfolgt wird. Erst ein paar Bierchen abends im Pub heben seine Stimmung. Und als er der hübschen Chloe über den Weg läuft, erscheint Brügge für einen kurzen Moment in einem ganz neuen Licht. Doch mit der Ankunft des cholerischen Henry im vorweihnachtlichen Brügge ist es mit der beschaulichen Ruhe endgültig vorbei. Zwischen Brücken, Grachten und Marktplatz kommt es zu einem kuriosen Showdown, der Brügges kopfsteingepflasterte Fußgängerzonen blutgetränkt zurücklässt.

Während eines Wochenendes in Brügge ließ sich Autor und Regisseur Martin McDonagh zu den zwei Charakteren inspirieren, die so unterschiedlich auf das Städtchen reagieren, in das man sie zwangsweise verpflanzt hat. "Hätten wir nicht vor Ort in Brügge drehen dürfen, es würde diesen Film nicht geben" stellt McDonagh im Interview klar. Zum Glück war man in Brügge vom Bürgermeister abwärts äußerst kooperativ, einzig für die Heilig-Blutbasilika gab es aus Sicherheitsgründen keine Drehgenehmigung. So bildet das malerische Brügge den originellen Hintergrund für eine temporeiche Krimikomödie, in der sich Colin Farrell als infantiler, aber aufbrausender Killer von seiner talentiertesten Seite zeigen kann. Neben ihm brillieren der von Hollywood ewig in die zweite Reihe verbannte Brendan Gleeson, sowie als unbeherrschtes Ekel der begnadete Ralph Fiennes. Unterm Strich ergibt sich das Prädikat typisch britisch – die Iren McDonagh, Farrell und Gleeson mögen bitte verzeihen.

Text:  Dina Maestrelli

Credits

Titel Brügge sehen ... und sterben?
Originaltitel In Bruges
Genre Action-Komödie
Land, Jahr Belgien/GB, 2008
Länge 105 Minuten
Regie Martin McDonagh
Drehbuch Martin McDonagh
Kamera Eigil Bryld
Schnitt Jon Gregory
Musik Carter Burwell
Produktion Graham Broadbent, Peter Czernin
Darsteller Colin Farrell, Brendan Gleeson, Ralph Fiennes, Clémence Poésy, Jérémie Rénier, Jordan Rentice
Verleih Tobis

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

3 Kommentare

Farrell hat ja Talent!!

Was viele nicht für möglich gehalten hätten, beweist dieser film: Colin Farrell kann mehr als fluchen und rauchen (auch wenn er beides exzessiv tut in diesem film). Mit diesem Drehbuch und den tollen Partner kann er echt zeigen, was er als schauspieler drauf hat!

23. Mai 2008
16:45 Uhr

von Haubenkoch

Sehr empfehlenswert!

Es klingt vielleicht seltsam, aber "Brügge sehen..." ist ein sehr malerischer und sehr melancholischer Gangsterfilm.
Das Thema Suizid zieht sich wie ein roter Faden durch die Story, und obwohl der Film durchaus seine lustigen Seiten hat, ist er doch irgendwie traurig.
Im Grunde also ein Gegenpol zu den coolen, witzigen und schnell geschnittenen Guy Ritchie - Filmen.

Bei genauerer Betrachtung ist der Film eher eine Charakterstudie der drei Hauptdarsteller denn ein eiskalter Thriller, was dem Filmgenuss aber keinen Abbruch tut, im Gegenteil: "Brügge sehen..." ist endlich wieder ein Film, der viele der gewohnten Klischees umgeht, oder sie zumindest auf ein Minimum reduziert.

Und sonst?
Das mittelalterlische Städtchen Brügge wurde sehr schön eingefangen (wie schön überall zu lesen war ;) ), die Songauswahl ist perfekt und unterstützt die dichte Atmosphäre des Films ungemein, und die Darsteller überzeugen auf ganzer Linie.

Fazit: anschauen!!!

12. Juni 2008
11:49 Uhr

von SmeagolTheGreat

"Pulp Fiction" auf Britisch

Was tun zwei irische Auftragskiller in einer malerischen, mittelalterlichen Stadt in Belgien? "Brügge sehen und sterben" vielleicht? Vielleicht aber auch nicht, denn das Ende lässt durchaus ein Sequel zu. Was auch wünschenswert wäre, denn die Handlung ist echt witzig, keine Teenie-Schenkelklatscher, sondern Brit-Humor der schwärzesten Sorte. Alles, was politisch korrekt gilt, wird durch den Kakao gezogen. Ralph Fiennes als versnobter Brit-Psycho ist ebenso gelungen wie Colin Farrell oder "Mad-Eye Moody" Brendan Gleeson als ungleiches Killer-Duo. Für das weibliche Element sorgt auf flotte, unkomplizierte Weise Clémence Poésy. Super Casting! Tarantino würde diesen Film lieben....

14. Juni 2008
19:42 Uhr

von elvellon

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