Filminfo zu

Couscous mit Fisch

La graine et le mulet

Drama. Frankreich 2007. 151 Minuten.

Regie: Abdellatif Kechiche
Mit: Habib Boufares, Hafsia Herzi

Ein alternder Hafenarbeiter mobilisiert nach seiner Kündigung seine Familie, um seinen Traum vom eigenen Restaurant zu verwirklichen: ein weltweit bejubeltes Meisterwerk von Frankreichs Regie-Wunderkind Abdellatif Kechiche (L'esquive).

Filmstart: 31. Oktober 2008

Slimane ist gerade Sechzig geworden. Für einen Hafenarbeiter ist das ein recht stattliches Alter. Und weil man in der Fischereiindustrie im südfranzösischen Seté mitzumachen gezwungen ist beim weltweit marodierenden Neoliberalismus, wird von den machtlosen Schwerarbeitern täglich mehr für weniger verlangt. Slimanes Arbeit wird von Tag zu Tag anstrengender und die Bezahlung ständig schlechter. Und zu allem Überfluß hängt über ihm, brav übernommen von der amerikanischen Managementstrategie, wie ein Damoklesschwert die permanente Kündigungsdrohung. Slimane hat in logischer Folge auch häusliche Probleme. Geschieden ist er schon länger. Damit die Entfremdung nicht allzu zügig voranschreitet, hält er allerdings trotz aller Schwierigkeiten und Streitereien, die immer wieder ausbrechen, weil sie eben unüberbrückbar sind, engen Kontakt mit seiner Familie. Dann wird Slimane gekündigt. Aber statt sich in seiner Heimat Nordafrika zur Ruhe zu setzen, wie es sein Sohn empfiehlt, entscheidet sich Slimane, seinen Traum zu verwirklichen: Er will ein Restaurant eröffnen - spezialisiert auf Couscous und Fisch. Nach und nach versammelt er mit dieser Idee alle seine Familienmitglieder um sich, und gemeinsam arbeiten sie an ihrer besseren Zukunft, trotz aller Hürden, welche ihnen die Immigranten gegenüber mehr als unwilligen französischen Behörden entgegenstellen. Slimane will sein Restaurant ausgerechnet auf einem Schiff einrichten, das am Kai der Republik ankern soll. Seine Ex-Frau, die meisterlichste Couscous-Köchin von Seté, kann er überzeugen. Der Amtsschimmel dagegen stellt sich quer. Rym (Hafsia Herzi), die Tochter von Slimanes neuer Lebensgefährtin, hilft ihm beim Kampf gegen die Windmühlen der Bürokratie. Wenn jetzt bloß nicht die innerfamiliären Spannungen das Projekt zum Scheitern bringen ...

Schon vor zehn Jahren hat Abdellarif Kechiche diesen Film konzipiert - damals wollte er noch mit seiner eigenen Familie drehen. Aber dann starb sein Vater, Kechiche konnte nicht mehr weitermachen und legte das Projekt auf Eis. 2003 erhielt er für L'Esquive die wichtigsten Filmpreise, die Frankreich zu vergeben hat: die Césars für besten Film, beste Regie und bestes Drehbuch. Genau gleich erging es ihm nun mit Couscous mit Fisch: auch dafür bekam er diese drei Preise. Eine absolut erstaunliche Fügung, einzigartig in der Geschichte des französischen Films. Allerdings verständlich, wenn man Couscous mit Fisch gesehen hat. „Es gibt sehr beschauliche Momente in diesem Film", sagt der Regisseur. „Ich wollte mir Zeit nehmen, um Sinnlichkeit in alltäglichen Handlungen einzufangen: beim Kochen, Essen, Lachen, Lieben, Streiten. Und ich möchte die sogenannten Einwanderer der ersten Generation würdigen. Dies ist vor allem ein Film für sie und über sie. Ich halte sie für überaus mutige Helden."

Text:  Klaus Hübner

Credits

Titel Couscous mit Fisch
Originaltitel La graine et le mulet
Genre Drama
Land, Jahr Frankreich, 2007
Länge 151 Minuten
Regie Abdellatif Kechiche
Drehbuch Abdellatif Kechiche
Kamera Lubomir Bakchev
Schnitt Ghalya Lacroix, Camille Toubkis
Musik Jean-Paul Hurier, Nicolas Waschkowski, Olivier Laurent, Eric Legarçon, Eric Armbruster
Produktion Claude Berri
Darsteller Habib Boufares, Hafsia Herzi, Faridah Benkhetache, Abdelhamid Aktouche
Verleih Polyfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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