Filminfo zu

Mein Bruder ist ein Einzelkind

Mio fratello è figlio unico

Drama. Frankreich, Italien 2007. 100 Minuten.

Regie: Daniele Luchetti
Mit: Elio Germano, Riccardo Scarmarcio, Diane Fleri

Die bewegende Geschichte zweier Brüder, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, im Italien der 60er- und 70er-Jahre: Manrico, der ältere, ist ein Frauenschwarm und zusehends radikaler Kommunist;  Accio, der sich von seiner Familie prinzipiell missverstanden fühlt, tritt dem faschistischen Lager bei ...

Filmstart: 6. Juni 2008

 

Italien 1962. Dass Manrico und Accio, von allen nur "Ekel" gerufen, tatsächlich Brüder sind, daran zweifeln zeitweise sogar die Eltern. Während Manrico maximal dadurch unangenehm auffällt, dass er sich als Frauenheld aufspielt, bereitet der jüngere Accio seinen Eltern Kummer ohne Ende: Aus dem Priesterseminar fliegt er raus, weil er darauf besteht, sich das Wichsen sicher nicht abzugewöhnen. Zu Hause in der völlig desolaten Wohnung seiner Eltern, wo er sich hinter Manrico und Schwester Violetta sowieso immer zurückgesetzt vorkommt, hält es den jungen Rebellen auch nicht lange, doch sein Vorhaben, per Autostopp nach Genua zu gelangen, weiß die Polizei zu verhindern. Einzig beim Stoffhändler Mario fühlt sich Accio gut aufgehoben, und so landet er - auch um seiner Familie, die sich den Kommunisten zugehörig fühlt, eins auszuwischen - bei den Faschisten. Daran können auch die Prügel, die Accio regelmäßig von Manrico für seine "grenzenlose Blödheit" bezieht, nichts ändern.

Einige Jahre sind vergangen. Die Familie haust immer noch in der selben, abbruchreifen Wohnung. Manrico arbeitet in der Fabrik, in der auch sein Vater ausgebeutet wird, ist engagierter Kommunist und Klassenkämpfer, und ist mit der bezaubernden Francesca liiert. Und Accio muss auf Geheiß des Vaters eine technische Schule absolvieren, wo er doch viel lieber Latein und Literatur studiert hätte. Sogar von seinen faschistischen Gesinnungsgenossen bekommt Accio jetzt eine Abreibung verpasst, weil er einfach nicht anders kann, als immer und überall anzuecken. Seine Begeisterung für die Neo-Faschisten schwindet endgültig, als sich diese plötzlich Manrico als Ziel einer ihrer radikalen Aktionen aussuchen. Doch damit ist die bewegende Geschichte der Hassliebe zwischen Accio und Manrico, in der letztlich auch Francesca keine unwesentliche Rolle spielt, noch lange nicht zu Ende ...

Äußerst realistisch und stets von feiner Ironie durchwoben, schildert Regisseur Daniel Luchetti zwei aufregende Jahrzehnte italienischer Geschichte. Als Spiegel dient ihm dabei das Leben zweier Brüder, die zwischen jugendlicher Leidenschaft und ideologischen Irrtümern ihren Platz im Leben suchen. Grandiose Darsteller und ein flottes Drehbuch machen den mehrfach ausgezeichneten Film zu einem sehenswerten Ausflug in die jüngere Vergangenheit unseres südlichen Nachbarn.

Text:  Dina Maestrelli

SKIP-Tipp

Zwei äußerst charismatische Hauptdarsteller verkörpern zwei Brüder, die mit ihren gegensätzlichen Weltanschauungen pausenlos aneinandergeraten. Der von grenzenloser Hassliebe geprägte Bruderzwist wird dabei zum Symbol eines gespaltenen Landes, des Italiens der 1960er und 70er Jahre, als die Rechte und die Linke, also die Gruppen der Neo-Faschisten und Kommunisten, um die Vorherrschaft kämpften. Ein Zustand, der heute mehr denn je aktuell ist.

SKIP-Tipp von Dina Maestrelli

Credits

Titel Mein Bruder ist ein Einzelkind
Originaltitel Mio fratello è figlio unico
Genre Drama
Land, Jahr Frankreich/Italien, 2007
Länge 100 Minuten
Regie Daniele Luchetti
Drehbuch Daniele Luchetti, Sandro Petraglia, Stefano Rulli basierend auf dem Roman Il Fasciocomunista von Antonio Pennacchi 
Kamera Claudio Collepiccolo
Schnitt Mirco Garrone
Musik Franco Piersanti
Produktion Marco Chimenz, Giovanni Stabilini, Riccardo Tozzi
Darsteller Elio Germano, Riccardo Scarmarcio, Diane Fleri, Luca Zingaretti, Alba Rohrwacher, Angela Finocchiaro, Massimo Popolizio
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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