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So ist Paris

Paris

Liebesfilm, Tragikomödie. Frankreich 2008. 129 Minuten.

Regie: Cédric Klapisch
Mit: Mélanie Laurent, Juliette Binoche, Romain Duris

Die Atmosphäre einer Stadt ist der gemeinsame Klang der Seelen ihrer Bewohner. Hinreißendes Paris-Porträt von Cédric Klapisch (L'auberge espagnole) mit Juliette Binoche, Romain Duris, Karin Viard und vielen mehr.

Filmstart: 18. Juli 2008

Pierre (Romain Duris) liebt das Leben, und er zelebriert es jeden Tag, privat wie beruflich: Er ist Tänzer im Moulin Rouge ("Wohl der erste heterosexuelle seit Bestehehen des Hauses", wie er selber augenzwinkernd kommentiert), vor und nach getaner Arbeit genießt er den Ausblick aus seinem Traum-Appartement mit Blick auf einen der schönsten Winkel der Pariser Altstadt.

Doch dann stellt ihm das Schicksal ein Bein: Sein Arzt diagnostiziert bei Pierre einen schweren, irreparablen Herzfehler. Er muss sofort jegliche körperliche Anstrengung unterlassen, natürlich auch das Tanzen, bis für ihn ein geeignetes Spenderherz gefunden wird.
Von mitten im Leben sieht sich Pierre unversehens an den Rand gestellt. Betreut von seiner unverheirateten großen Schwester Elise (Juliette Binoche), die mitsamt ihren Kindern bei im einzieht, verbringt er seine Tage nun hauptsächlich damit, vom Fenster auf die Straße zu blicken und dort die Menschen zu beobachten. Und daran findet er immer größeres Vergnügen, als er merkt, dass er auf eimal Details sieht, die er früher nie wahrgenommen hat. Er erkennt einzelne Personen wieder, und Tag für Tag erhält er mehr Einblick in ihre Lebensgeschichten: Der alternde Universitätsprofessor, der heimlich wie hoffnungslos in eine seiner Schülerinnen verliebt ist, dessen Bruder, ein Architekt, dessen Ehe nur auf den ersten Blick glücklich wirkt. Der Gemüsehänder auf dem Markt, der sein Kind in die selbe Schule schickt wie Elise, oder eine latent fremdenfeindliche Bäckerin, die ausgerechnet in ihrer neuen maghrebinischen Aushilfskraft die perfekte Mitarbeiterin findet … "All diese völlig unterschiedlichen Menschen sind vereint in dieser Stadt, in diesem Film. Manch einer mag sie vielleicht gar nicht ungewöhnlich finden, aber für jeden von ihnen ist das Leben einzigartig. Manch einer denkt vielleicht, ihre Probleme seien unbedeutend, aber für sie sind es die wichtigsten der Welt!" meint Cédric Klapisch. Die Stadt Paris als riesiges wunderschönes Mosaik aus lauter einzelnen bunten Steinchen, von denen jeder für sich ein eigenes Universum darstellt und doch alle irgendwie voneinander abhängen - wenn einer fehlt, ist das ganze Bild kaputt.

Für sein leichtfüßig tiefgründiges Gefühls-Tableau, das die wohl meistporträtierte Stadt der Welt von einer ganz neuen, berückend berührenden Seite zeigt, versammelte Regisseur Cédric Klapisch ein grandioses Ensemble: Neben seinem Lieblingsschauspieler Romain Duris und der immer charismatischen Juliette Binoche beobachten wir etwa Karin Viard (L'enfer), Fabrice Luchini (Intime Fremde) oder die sensationelle Neuentdeckung Mélanie Laurent (Keine Sorge, es geht mir gut) bei aufregenden Alltagsabenteuern in der Stadt der Liebe.

Text:  Gini Brenner

Credits

Titel So ist Paris
Originaltitel Paris
Genre Liebesfilm/Tragikomödie
Land, Jahr Frankreich, 2008
Länge 129 Minuten
Regie Cédric Klapisch
Drehbuch Cédric Klapisch
Kamera Christophe Beaucarne
Schnitt Francine Sandberg
Musik Loïc Dury
Produktion Bruno Levy
Darsteller Mélanie Laurent, Juliette Binoche, Romain Duris, Fabrice Luchini, Karin Viard
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

1 Kommentar

Voilà Paris!

Filme gelingen dann, wenn sie auf ästhetisch ansprechende Weise erstens neue Perspektiven auf sonst verschlossene Welten eröffnen oder zweitens Identifikationsmöglichkeiten bieten. Mit "So ist Paris" (im Original schlicht: "Paris") schafft Cédric Klapisch beides und legt ein faszinierendes Porträt der französischen Metropole vor. Die ProtagonistInnen sind "normale" Bewohner der Stadt, deren Geschichten die Zuseher und einander immer wieder berühren: Da ist die allein erziehende Sozialarbeiterin (Juliette Binoche), die ihrem plötzlich lebensgefährlich herzkranken Bruder zur Seite steht; ein Gemüsehändler, der die Asche seiner früheren Geliebten vom Tour Monparnasse verstreut; ein Geschichtsprofessor, der sein Wissen über Paris aus dem Elfenbeinturm vors Fernsehpublikum trägt und der nach einer Affäre mit einer Studentin meint, sein so lange unbenutzter Penis müsste eigentlich mit Hilfe der Radiokarbonmethode untersucht werden; eine gegenüber ihren Kunden zückersüße und gegenüber ihren Angestellten säuerliche Bäckersfrau; ein illegaler Immigrant auf dem Weg aus Kamerun in der Stadt seiner Träume; ein Gruppe gestylter Tussis, die sich einen Kick durch Sex mit Markthallenarbeitern verschaffen wollen.

Auf all das wirft Klapisch einen versöhnlichen, aber nie idyllisierenden Blick, es ist jener Blick, mit dem der herzkranke Tänzer am Ende zu seiner Transplantation mit ungewissem Ausgang ins Spital fährt - und diese kaleidoskopische Liebeserklärung an das (Pariser) Leben nehmen die Zuschauer aus dem Kinosaal mit in ihren eigenen Alltag...

24. Juli 2008
11:04 Uhr

von Trebor

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