Filminfo zu

Hot Spot

Hot Spot

Dokumentation. Österreich 2011. 80 Minuten.

Regie: Sabine Derflinger

Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt: In politischen Sonntagsreden klingt das ganz einfach. Sabine Derflinger schaut genauer hin - in der Küche des Restaurants Michl’s, wo Arbeitslose eine zweite Chance bekommen.

Filmstart: 28. Oktober 2011

Hier eine Prise handgeerntetes Meeressalz, da ein wenig frischer Majoran, und zum Drüberstreuen etwas Limettenschale für den Frischeakzent: Kochen ist ja so wundervoll! Während im Fernsehen rund um die Uhr Kulinarik-Sendungen laufen, die sinnliche Genüsse aus der ganzen Welt präsentieren, sieht die Profiküchenrealität ganz anders aus. Da sind Verbrennungen Alltag, stundenlanges Zwiebenschneiden ist Pflicht, und zur Stoßzeit mittags herrscht ein rauer Ton. In der Küche des Restaurants Michl’s im ersten Wiener Gemeindebezirk ist das nicht anders. Trotzdem ist dies ein ganz besonderer Ort, wo Menschlichkeit wichtiger ist als Gewinndenken: Das Michl’s ist einer von vielen sozialökonomischen Betrieben, in denen Menschen für den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt vorbereitet werden. Hier wird nicht nur gekocht, es gibt auch eine Schuldnerberatung, die Betreuerin verlangt regelmäßig negative Drogentests, bei der Arbeitssuche für den nächsten Job gibt es Unterstützung, und wem seine Sorgen über den Kopf wachsen, der kann sich auch einfach einmal ausheulen.
2010 waren in Österreich 250.000 Menschen arbeitslos gemeldet, etwa 75.000 weitere Arbeitssuchende waren in Schulungen untergebracht. Betriebe wie das Michl’s nehmen sich um besonders schwer vermittelbare Leute an, die hier ein halbes Jahr bleiben können, bis sie sich um einen "richtigen" Job umschauen müssen. Da ist zum Beispiel Peter, der ein Alkoholproblem hat und so große Schulden, dass er jahrelang nicht einmal seine Post öffnete - denn es konnten ohnehin nur schlechte Nachrichten sein. Durch die Arbeit in der Küche aber schöpft er neues Selbstvertrauen - genug, um gleich zu Beginn klarzustellen: Für seine nächste Stelle will er nicht als Küchenhilfe, sondern mindestens als Hilfskoch vermittelt werden. Da ist Hamida, Mutter von fünf Kindern, die vor vielen Jahren aus Afghanistan nach Österreich gekommen ist, und immer noch nicht richtig Deutsch kann. Da ist auch Christian, der nach einer jahrelangen schweren Krebserkrankung froh ist, endlich wieder arbeiten zu können. Auch wenn er sich "keinen Haxn mehr ausreißen" wird für einen 1000-Euro-Job, so viel ist klar.

Sabine Derflinger hört zu, schaut hin, kommt den Menschen nah, ist aber nie voyeuristisch oder gar distanzlos. Dass beim Hinschauen auch der Bürgermeister Michael Häupl vorkommt, dessen Vorzeigeprojekt das Michl’s ist, dass da auch eine Pressekonferenz stattfindet, bei der die Kosten der Schulungen und deren Nutzen gegeneinander gestellt werden, ist einfach Teil des Gesamtbildes, und Derflinger überlässt es dem Publikum, sich eine Meinung zu bilden: Ein wichtiger, einfühlsamer Film über Menschen, die sonst nur als Zahlen vorkommen.

Text:  Magdalena Miedl

Credits

Titel Hot Spot
Originaltitel Hot Spot
Genre Dokumentation
Land, Jahr Österreich, 2011
Länge 80 Minuten
Regie Sabine Derflinger
Drehbuch Michael Seeber
Kamera Astrid Heubrandtner, Helmut Wimmer
Schnitt Dieter Pichler
Produktion Johannes Rosenberger
Verleih Polyfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.