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Howl - Das Geheul

Howl

Biografie, Drama. USA 2010. 84 Minuten.

Regie: Rob Epstein, Jeffrey Friedman
Mit: James Franco, Mary-Louise Parker, Jon Hamm

Kunst vor Gericht: Heute gilt Allen Ginsbergs Howl als einflussreichstes Gedicht der Beat-Generation. In den 50er Jahren wurde das Meisterwerk wegen Obszönität in den USA vor Gericht gestellt ... Großartiges Arthouse-Kino mit James Franco als ultimativem Beat-Poet.

Filmstart: 18. März 2011

Heute ist es gar nichts Ungewöhnliches mehr, dass massentaugliche Pop-Phänomene auch als künstlerisch wertvoll gelten - ganz im Gegenteil, Superstars wie Lady Gaga werden von der Hochkultur begeistert vereinnahmt, und wer sich im 21. Jahrhundert noch ernstlich von schmutzigen Wörtern oder nackter Haut schockieren lässt, dem ist sowieso nicht zu helfen.
In den 1950er Jahren war ein derart liberaler Umgang mit dem Kunstbegriff noch verrückte Utopie. Das expressive, schräge Geschreibsel über Drogen, Sex und Politik, das eine Handvoll US-Studenten einander in ihrer Freizeit vorlasen, war für die meisten Leute so weit entfernt von ernsthafter Literatur wie der Mond von der Sonne. Dass diese Werke, wie Naked Lunch von William S. Burroughs, On the Road von Jack Kerouac oder eben Howl von Allen Ginsberg einmal in den Literaturkanon eingehen würden, schien absurd, damals, als sich die Beat-Generation in den US-Hauptstädten zur Gegenbewegung der unangepassten Jugendlichen wider das Establishment formierte.
Der Hass, der den Beat Poets und ihrem liberal-hedonistischem Anspruch auf radikale gesellschaftliche Veränderung entgegenschlug, war überwältigend. Allen Ginsberg (im Film gespielt von Oscar-Nominee und derzeitigem Hollywood-Überflieger James Franco) etwa sprach sich öffentlich gegen Militarismus, Materialismus und sexuelle Repressionen aus, und traf damit genau den Nerv des paranoiden Wirtschaftswunderlands. Howl, Ginsbergs explizite und sprachlich umwerfende Abrechnung mit dem System, schlug ein wie eine Bombe - und wurde schließlich im Jahre 1957 in San Francisco gar wegen des Gebrauchs von "vulgärer, obszöner und ekelhafter“ Sprache zur Gerichtssache.

Dieser Prozess, in dem sich Ginsbergs Verleger wegen Verbreitung obszöner Schriften verantworten musste, ist die Ausgangsbasis von Rob Epsteins und Jeffrey Friedmans künstlerisch-dokumentarischer Auseinandersetzung mit der Entstehung der amerikanischen Gegenkultur. Die Geschichte wird auf drei Ebenen erzählt: als nachgespielter Prozess, dessen inhärente Absurdität sich in zahlreichen Originaldialogen offenbart, als imaginäres Interview mit Ginsberg, und als faszinierende grafische Umsetzung des eigentlichen Corpus Delicti, des epochalen Gedichts Howl.

Text:  Gini Brenner

Credits

Titel Howl - Das Geheul
Originaltitel Howl
Genre Biografie/Drama
Land, Jahr USA, 2010
Länge 84 Minuten
Regie Rob Epstein, Jeffrey Friedman
Drehbuch Rob Epstein, Jeffrey Friedman
Kamera Edward Lachman
Schnitt Jake Pushinsky
Musik Carter Burwell
Produktion Christine K. Walker, Gus Van Sant, Jeffrey Friedman, Rob Epstein, Elizabeth Redleaf
Darsteller James Franco, Mary-Louise Parker, Jon Hamm, David Strathairn, Jeff Daniels, Treat Williams, Bob Balaban
Verleih Stadtkino

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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