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The Tree of Life

The Tree of Life

Drama. USA 2011. 138 Minuten.

Regie: Terrence Malick
Mit: Brad Pitt, Sean Penn, Jessica Chastain

Fünf Jahre lang hat die Filmwelt auf Terrence Malicks (Badlands, Der schmale Grat) neues Werk gewartet - nun schenkt uns der Meister ein bildgewaltiges Epos um die großen Fragen des Lebens, mit Brad Pitt, Sean Penn, Jessica Chastain, (fast) echten Dinosauriern und der Goldenen Palme von Cannes!

Filmstart: 17. Juni 2011

Normalerweise ist das Grand Théatre Lumière, der riesige Haupt-Kinosaal und das Herzstück des Palais de Festival in Cannes, wahrlich groß genug für alle wichtigen Vertreter der Weltpresse, die sich an der Croisette als allererste die großen Festivalfilme ansehen dürfen. Nur an einem einzigen Tag des 64. Filmfestivals mussten heuer zahllose hochkarätige Journalisten draußen bleiben, so enorm war trotz der gemein frühen Beginnzeit der Andrang zum Presse-Screening: Alle, alle wollten Terrence Malicks neuen Film sehen.
Und das lag nicht in erster Linie an Superstar Brad Pitt, der nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch mit seiner Filmfirma Plan B Entertainment als Produzent fungiert, auch nicht an Sean Penn oder der grandiosen Newcomerin Jessica Chastain, sondern vor allem an der geheimnisumwobenen Person des Filmemachers selbst.
Terrence Malick, Jahrgang 1943, gilt als einer der genialsten lebenden Filmemacher überhaupt, und das, obwohl er als Regisseur und Drehbuchautor in fast 40 Jahren erst ganze fünf Langfilme gedreht hat: Badlands - Zerschossene Träume (1973), In der Glut des Südens (Days of Heaven, 1978), Der schmale Grat (The Thin Red Line, 1998), The New World (2005) und jetzt eben The Tree of Life.
Was sein Genie ausmacht? Schwer in Worte zu fassen - ebenso schwer, wie es ist, nur mit Worten zu definieren, woraus genau ein guter Film besteht. Kino ist mit seiner unvergleichlichen Mischung aus Bild, Ton, Erzählung und Emotion wohl das komplexeste Kunstgenre, und Malick ist ein echter Kino-Künstler, der das Medium wie wenige seiner Zeitgenossen in allen Dimensionen virtuos beherrscht. Und der bei der Umsetzung seiner eigenen künstlerischen Vision zu keinerlei Kompromissen bereit ist und ihr furchtlos auch die größten Themen unterordnet: Liebe, Tod, Krieg, Macht - und diesmal nichts Geringeres als die Entstehung des Universums und den Sinn des Lebens.
In grandiosen, magischen Bildern, quasi poetischen Flashbacks, erzählt Malick die Geschichte der Welt, wie wir sie kennen - vom Urknall bis zur Entstehung des Lebens, der Evolution, den Dinosauriern, den Säugetieren, den Menschen, bis zu einer Mutter, die in endlosem Schmerz versinkt, als sie vom Tod eines ihrer Söhne erfährt. Und landet schließlich bei Jack O’Brien (Sean Penn), einem wohlhabenden Erfolgstypen im Maßanzug, der in einer Sackgasse seines Lebens angelangt ist. Seine Ehe ist im Stress und im Schweigen erstickt, sein Job bedeutet ihm nichts mehr, er erinnert sich an seine Kindheit in den 1950ern, irgendwo in einer texanischen Kleinstadt, als sein Bruder noch lebte.
Jacks Eltern (Jessica Chastain, Brad Pitt) zogen insgesamt drei Söhne groß und verkörpern den Gegensatz, durch deren Spannung wir uns laut Malick weiterentwickeln: die Gewalt der Natur und die Gnade der Seele. Papa O’Brien (Pitts stärkste Performance seit langem) verfolgt sein Ideal des harten Kerls, des strahlenden All-American-Gewinners - obwohl er seine Kinder über alles liebt, will er sie auf keinen Fall verzärteln, und greift mitunter zu drakonischen Maßnahmen. Besonders aggressiv wird er dann, wenn er gnadenlos an den Realitäten des Lebens scheitert. Jacks Mutter dagegen ist die immer liebevolle, nachsichtige Mama, die alles verzeiht und die in Jacks Erinnerung sein Modell der idealen Frau prägt - im Gegensatz zum Vater, dessen innere Unzufriedenheit und Unsicherheit Jack mit dem sicheren Instinkt eines Kindes spürt und verachtet ...
Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Und warum eigentlich? Diese existenziellen Fragen schlüssig zu beantworten, schafft auch ein Kino-Genie wie Terrence Malick nicht, klar. Aber selten hat ein Erklärungsversuch so schön ausgesehen. Und das liegt, wie gesagt, wahrlich nicht nur an Brad Pitt.

Text:  Gini Brenner

Credits

Titel The Tree of Life
Originaltitel The Tree of Life
Genre Drama
Land, Jahr USA, 2011
Länge 138 Minuten
Regie Terrence Malick
Drehbuch Terrence Malick
Kamera Emmanuel Lubezki
Schnitt Billy Weber, Mark Yoshikawa, Hank Corwin, Jay Rabinowitz, Daniel Rezende
Musik Alexandre Desplat
Produktion Brad Pitt, Bill Pohlad, Dede Gardner, Sarah Green, Grant Hill
Darsteller Brad Pitt, Sean Penn, Jessica Chastain, Hunter McCracken, Fiona Shaw
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

1 Kommentar

The Tree of Life

Der Baum des Lebens ist in diesem teils Doku-Drama zentraler Punkt im Film von Terrence Malick. Von der Entstehung der Welt - vom Urknall - zu den Dinosauriern bis hin zu der Erziehung dreier Söhne des Vaters (gespielt von Brad Pitt) sieht man in diesen über 2 stündigen Film etwas ganz neues im Genre dieser Art. Weniger sprechende Dialoge - den Film muss der Zuseher in seinen Bildern erkennen. Einzig die kirchliche Orgelmusik im Hintergrund treibt dieses Doku-Drama voran. Gedacht für anspruchsvolle Cineasten. Und natürliches großes Lob an den Regiesseur Terrence Malick, der seit den frühen 70-er Jahren nur 5 filme als Regiesseur gedreht hat, alle sehr anspruchsvoll!

31. August 2011
10:46 Uhr

von Philipp87

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