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Alle Anderen

Alle Anderen

Drama. Deutschland 2009. 119 Minuten.

Regie: Maren Ade
Mit: Lars Eidinger, Birgit Minichmayr

Er liebt mich, er liebt mich nicht. Gitti (Birgit Minichmayr) und Chris (Lars Eidinger) machen gemeinsam Urlaub in Sardinien. Doch die Zweisamkeit, so ganz allein, ist voller Fallstricke: Clevere, mehrfach preisgekrönte Beziehungsstudie in Sommeratmosphäre.

Filmstart: 26. Juni 2009

Eine Szene wie aus einer Sommerfamilienkomödie: Ein junges Paar, zwei kleine Kinder, ein Ferienhaus, Sonnenschein, ein blitzblauer Pool und wunderbarste Urlaubsstimmung. Doch Alle Anderen, doppelter Berlinale-Preisträger (für Regisseurin Maren Ade und Hauptdarstellerin Birgit Minichmayr) beginnt mit einer gewollten Irreführung. Denn die beiden jungen Menschen Anfang Dreißig, die da so innig mit den Kindern herumtollen, probieren das Elternsein nur aus. Das kleine Mädchen und der Bub sind Nichte und Neffe von Chris (Lars Eidinger), der mit seiner Freundin Gitti (Birgit Minichmayr) im Ferienhaus seiner Eltern auf Sardinien ist, einen ganzen heißen Sommer lang. Noch ist die Familie von Chris' Schwester zu Besuch, doch die verabschieden sich bald, und dann haben Chris und Gitti wochenlang Ruhe, um die Zweisamkeit auszukosten.

Ein wenig fühlt es sich seltsam an für Gitti, im üppig deutsch-bieder eingerichteten Haus der Eltern ihres Freundes zu wohnen. Überall wuchern Rüschen und Spitzendeckchen, und die Stereoanlage spielt „Ich hab dich lieb" von Grönemeyer, weil die Eltern die CD im Player gelassen haben. Chris und Gitti bemerken diese kitschigen Details mit liebevoller Ironie, fühlen sich zugleich aber weit darüber erhaben, wie auch über alle anderen: Sie machen sich in aller Selbstzufriedenheit lustig über langweilige Rituale anderer Paare, die sie im Supermarkt und auf der Straße beobachten.

Chris bastelt eigentlich an seiner Karriere als Architekt und kommt dabei nicht so recht vom Fleck. Er zweifelt an sich selbst, will diese Zweifel aber nicht mit Gitti teilen. Sie könnte ihn für unmännlich halten. Und Gitti merkt, dass da etwas Unausgesprochenes ist, und glaubt, bei ihm Zweifel an der Beziehung zu spüren. „Ich wär' so gerne anders für dich", sagt sie ihm, voller Angst, dass er sie nicht will.

Als die beiden einen erfolgreichen Architektenkollegen und dessen schwangere Freundin treffen und die sie zum Essen einladen, gerät das filigrane Gleichgewicht plötzlich ins Wanken. Das andere Paar verbirgt hinter einer modernen Beziehungsfassade eine altmodische Rollenverteilung, und Chris scheint beeindruckt und beginnt plötzlich, Gitti zurechtzuweisen. Und die fühlt sich in Frage gestellt. Rebelliert. Versucht, sich anzupassen, probiert Kleidung, die sie hasst, Verhaltensmuster, die sie nicht mag. Und merkt endlich: So kann es nicht weitergehen.

Wie definiert sich eine Frau innerhalb ihrer Beziehung? Was ist einem Mann wichtiger, Liebe oder Beruf? Ist die Antwort wirklich ehrlich? Und sind wir alle wirklich so emanzipiert, wie wir gerne glauben? Wer sich auf Alle Anderen einlässt, bekommt ein paar lästige Fragen serviert - auf eine präzise, fantastisch inszenierte Weise, in einem Kammerspiel im idyllischen Sardinien, das man sich schöner nicht wünschen könnte. Die Hölle? Schrieb doch schon Sartre: Das sind immer die anderen.

Text:  Magdalena Miedl

Credits

Titel Alle Anderen
Originaltitel Alle Anderen
Genre Drama
Land, Jahr Deutschland, 2009
Länge 119 Minuten
Regie Maren Ade
Drehbuch Maren Ade
Kamera Bernhard Keller
Schnitt Heike Parplies
Produktion Janine Jackowski, Dirk Engelhardt
Darsteller Lars Eidinger, Birgit Minichmayr, Hans-Jochen Wagner, Nicole Marischka
Verleih Polyfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

1 Kommentar

stimmen mir ,,alle anderen" zu, zu dieser schlechten darstellung?

die ersten 45 szene-minuten kann man ruhig cutten. den was sollte das. ein drama stellt man sich anders vor. und vor allem nach birgit minichmayrs grandioser darstellung in ,,der knochenmann" war es für mich pflicht sich ,,alle anderen" anzusehen. doch ich wurde enttäuscht. keine hintergrundmusik, fade beziehungsdialoge bis zu unnötigen sexszenen. -2 Punkte in der SKIP bewertung!

17. Juli 2009
20:20 Uhr

von Philipp87

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