Filminfo zu

Ein russischer Sommer

The Last Station

Drama. Deutschland, GB, Russland 2009. 113 Minuten.

Regie: Michael Hoffman
Mit: James McAvoy, Helen Mirren, Christopher Plummer

Literarisches Sommerkino mit Humor, Herz, Sex, Tiefgang und Starbesetzung: Helen Mirren, Christopher Plummer, Paul Giamatti und James McAvoy auf den Spuren von Leo Tolstoi und im Rennen um den nächsten Oscar.

Filmstart: 29. Januar 2010

Der Haushalt des berühmten Dichters Lew Nikolajewitsch Tolstoi gleicht im Sommer 1910 einem Irrenhaus: Sofia Tolstoi (Helen Mirren) ist kurz davor, durchzudrehen. Mit Recht. In der fast 50 Jahre währenden Ehe hat sie all ihre Energie in die gemeinsamen Kinder und Leo Tolstois Arbeit gesteckt. Hat das Manuskript von Krieg und Frieden sechsmal mit Hand kopiert, war treu ergebene Ehefrau, leidenschaftliche Liebhaberin, Muse und Sekretärin in Personalunion. Und was tut der weltberühmte Schriftsteller (Christopher Plummer)? Er will in einem Anfall von übertriebenem Altruismus die Rechte an seinem Werk dem russischen Volk statt seiner Frau und Kindern vermachen. Tolstois engster Vertrauter Wladimir Tschertkow (Paul Giamatti), ein fehlgeleiteter Jünger des Autors, war es, der ihn zu diesem Schritt überredet hat und damit seine Lebensliebe zu zerstören droht. Tolstoi zeigt sich in seiner ganzen Doppelmoral: Zeit seines Lebens predigte der eitle Adelige Armut, als Frauenschwarm gleichzeitig sexuelle Enthaltsamkeit und bedingungslose Liebe, die er privat aber nicht zu zeigen bereit ist.

In diese explosive Situation gerät völlig unvermittelt der junge Walentin Bulgakow (James McAvoy), ein glühender Verehrer Tolstois, er soll seine Stelle als Privatsekretär antreten. Walentin ist in mehr als einer Hinsicht jungfräulich-naiv und muss immer schrecklich niesen, wenn er nervös ist (und das geschieht oft). Allein der Normalzustand im Tolstoischen Wohnsitz, in dem wahrlich kein Wert auf Förmlichkeiten gelegt wird, wäre ihm schon zuviel, doch im Ehekrieg zwischen Leo und Sofia gerät er so richtig zwischen die Fronten. Als wäre dieses unerwartete und eher unschöne Close-up auf sein Idol nicht schlimm genug, verliebt sich der bis dato zölibatär lebende Sekretär leidenschaftlich in die schöne Mascha (Kerry Condon), ebenfalls Tolstoi-Anhängerin, die zu Walentins Entsetzen die freie Liebe völlig unbekümmert lebt ...

Regisseur Michael Hoffman sorgte bis dato mit herzerwärmenden Filmen wie Ein Sommernachtstraum und Tage wie dieser für Furore. Sein jüngstes Drehbuch basiert auf dem Erfolgsroman Tolstos letztes Jahr von Jay Parini, der auf Tagebucheinträgen von Tolstois engsten Freunden und Verwandten beruht. Hoffman konnte ein Starensemble für das Buch begeistern, das seinesgleichen sucht: Das sich in Hassliebe ergebene Paar spielen die göttliche alterslos attraktive Helen Mirren (Die Queen), selbst Nachfahrin russischen Adels, und Schauspiel-Legende Christopher Plummer (Syriana, Das Haus am See). Paul Giamatti (Sideways) darf seine Qualitäten als Ungustl schön in Szene setzen, während Shooting-Star James McAvoy (Abbitte, Wanted) erneut sein großes Talent beweist. Ein Sommer voll großem Drama und göttlicher Komödie zeigt Tolstoi von seiner menschlich, allzumenschlichen Seite und verhilft der lang in Verruf geratenen Sofia Tolstoi endlich zu ihrer Stimme und ihrem Recht.

Text:  Julia Pühringer

Credits

Titel Ein russischer Sommer
Originaltitel The Last Station
Genre Drama
Land, Jahr Deutschland/GB/Russland, 2009
Länge 113 Minuten
Regie Michael Hoffman
Drehbuch Michael Hoffman
Kamera Sebastian Edschmid
Schnitt Patricia Rommel
Musik Sergey Yevtushenko
Produktion Jens Meurer, Chris Curling, Bonnie Arnold
Darsteller James McAvoy, Helen Mirren, Christopher Plummer, Paul Giamatti, Kerry Condon, Anne-Marie Duff
Verleih Warner

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.