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Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte

Das weiße Band

Drama, Schwarzweißfilm. Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich 2009. 144 Minuten.

Regie: Michael Haneke
Mit: Christian Friedel, Susanne Lothar, Ulrich Tukur

In einem kleinen Dorf geschehen böse Dinge. Stecken etwa gar die Kinder dahinter? Michael Hanekes grandios besetzter (Burghart Klaußner, Ulrich Tukur, Josef Bierbichler, Birgit Minichmayr ...) Cannes-Siegerfilm ist ein beklemmend aktueller Blick in die Abgründe der Volksseele.

Filmstart: 24. September 2009

Es ist eine archaische, ernste Welt, in der die Kinder einer kleinen Dorfgemeinschaft im Norddeutschland der 1910er-Jahre aufwachsen. Ein schwarzweißer Mikrokosmos. Eichwald, so heißt das Nest, wird von den einfachen Gesetzen der Natur und der Jahreszeiten bestimmt und von den drei Säulen der patriarchalischen Weltordnung geführt: dem Pastor, dem Arzt und dem Baron.

Die Regeln sind streng: Der Pastor und Schulchorleiter erzieht seine Schäfchen mit Zucht und Ordnung, am strengsten ist er bei seinen eigenen Kindern: Als die bei einer Verfehlung ertappt werden, werden sie nicht nur verprügelt, sondern müssen auch noch wochenlang ein weißes Band um den Arm tragen, als Schandmal und Erinnerung an Tugend und Reinheit - bis der Vater findet, sie haben nun genug Buße getan.

Und auch den anderen Autoritätspersonen ist alltäglicher Sadismus keineswegs fremd. Der Arzt demütigt seine Haushälterin und Geliebte bei jeder Gelegenheit, der Baron behandelt Arbeiter und Untergebene mit mitleidloser Willkür.

Doch dann wird die ruhige Ordnung durch mysteriöse Vorkommnisse gestört. Eine Scheune geht in Flammen auf. Das Pferd des Arztes stolpert über einen zwischen zwei Bäumen gespannten Draht. Erst vermutet man Unfälle, Zufälle - doch als schließlich der behinderte Sohn der Hebamme angegriffen und dann der jüngste Sohn des Barons entführt und schwer misshandelt wird, ist klar, dass mehr dahintersteckt. Viel wird gemunkelt und geraunt in der Kirche, am Dorfplatz, im Wirtshaus. Und nur der Dorfschullehrer, in den Augen der anderen Männer ein sensibler Weichling, beginnt zu ahnen, was diese Taten ausgelöst hat: Die Saat der Gewalt fällt in einer weichen Kinderseele auf extrem fruchtbaren Boden ...

Michael Haneke ist ein Ausnahmeregisseur im besten Sinne des Wortes, und einer der wenigen österreichischen Filmemacher der Gegenwart, die mit anspruchsvollem Kino internationale Erfolge verzeichnen. Nicht wenige lehnen Hanekes Filme ab - darunter viele, die sie gar nie gesehen haben. Und sich damit um tiefe, aufregende Erlebnisse bringen. Sicher, Hanekes Werke locken weder mit schönen nackten Frauen noch mit knalligen Bildern oder mit lockerem Witz. Ganz im Gegenteil - Haneke ist vielleicht der Regisseur, der seine Drehbücher und seine Geschichten von allen am ernstesten meint, doch gerade durch das Fehlen jeder ironischen Distanz wird das Geschehen umso eindringlicher. Denn Haneke verzichtet nicht nur auf Pointen, sondern auch auf Klischees und falschen Pathos. Seine Filme überraschen mit ihrem mächtigen Spannungsbogen, der auf leisen, bedachten Sohlen einherkommt, immer wieder aufs Neue.

Das weiße Band ist aber auch ein unmissverständliches politisches Statement wider jene Geisteshaltung, die den Aufstieg des Nazi-Regimes erst ermöglicht hat - und jederzeit wieder ermöglichen würde. Patentrezepte und Hollywood-taugliche Lösungsansätze liefert Haneke aber keine: Er macht Filme zum Zusehen, denken muss man schon selber. Und das ist oft spannender als man glaubt.

Text:  Kurt Zechner

Credits

Titel Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte
Originaltitel Das weiße Band
Genre Drama/Schwarzweißfilm
Land, Jahr Deutschland/Frankreich/Italien/Österreich, 2009
Länge 144 Minuten
Regie Michael Haneke
Drehbuch Michael Haneke
Kamera Christian Berger
Schnitt Monika Willi
Produktion Stefan Arndt, Veit Heiduschka, Margaret Ménégoz, Andrea Occhipinti
Darsteller Christian Friedel, Susanne Lothar, Ulrich Tukur, Sebastian Hülk, Rainer Bock, Leonie Benesch, Michael Kranz, Birgit Minichmayr, Josef Bierbichler, Thibault Sérié, Detlev Buck, Janina Fautz, Branko Samarovski, Miljan Chatelain, Ursina Lardi, Maria Dragus, Leonard Proxauf, Roxane Duran
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

1 Kommentar

das weiße band als zeichen von unschuld...

... kommt in diesem drama auch wirklich vor. es beruht auf einer wahren begebenheit ca. 1 jahr vor ausbruch des 1.weltkrieges in einem dorf in deutschland. seltsame dinge passieren. vom sturz des pädophilen arztes bis zum selbstmord eines bauern. viel spannung, sehr sehr anspruchsvoll, außerdem sehr wertvoll und leider nur in seltenen österreichischen kinos zu sehen. eine attraktive leonie benesch, eine sehr streng erzogene und disziplinierte maria-victoria dragus machen dieses drama in schwarz-weiß zu dem BESTEN film des jahres 2009! selbstverständlich gibt es von mir 2 punkte in der skip bewertung!

15. Dezember 2009
12:31 Uhr

von Philipp87

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