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Verblendung

Män som hatar kvinnor

Literaturverfilmung, Thriller. Dänemark, Deutschland, Schweden 2009. 152 Minuten.

Regie: Niels Arden Oplev
Mit: Noomi Rapace, Michael Nyqvist

Starjournalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) schnüffelt mit Hilfe einer verdeckt operierenden Hackerin (Noomi Rapace) in der Nazi-Vergangenheit einer schwedischen Großindustriellenfamilie herum und stößt auf eine Serie von Sexualmorden: Die erste der drei Verfilmungen von Stieg Larssons Millennium-Trilogie besticht mit realistischer Hochspannung und eleganter Präzision.

Filmstart: 16. Oktober 2009

Dank zahlreicher Enthüllungen im Lauf seiner Karriere hat der wahrheits- und gerechtigkeitsverliebte Investigativjournalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) in Schweden eine Art Volksheldenstatus erreicht. Aber Helden fallen, wie man weiß: Blomkvist wird auf eine falsche Fährte gelockt, mit gefälschten Beweisen hinters Licht geführt, und am Ende entpuppt sich seine jüngste Aufdeckergeschichte über ein angeblich großes Wirtschaftsverbrechen als Ente. Nun blickt der einstige Kämpfer gegen Betrug und Verbrechen selbst wegen schwerer Verleumdung einer Gefängnisstrafe entgegen. Und seine Zeitung, deren Star er war, hält es für besser, wenn er erst mal Urlaub nimmt. Verständlich, dass Blomkvist die Einladung des Großindustriellen Henrik Vanger (Sven-Bertil Taube), ihn im hohen Norden Schwedens auf dem Anwesen der Familie Vanger auf einer Halbinsel in der Provinz aufzusuchen, nicht lange ablehnt. Den über 80-jährigen Vanger, so offenbart er Blomkvist, quält seit Jahrzehnten ein ungelöstes Rätsel: Seine Nichte Harriet verschwand einst während einer großen Familienversammlung spurlos und ist bis heute nicht mehr aufgetaucht. Das Geschenk, das sie ihrem Onkel jedes Jahr zum Geburtstag machte - eine Trockenblume hinter Glas -, langt aber nach wie vor jedes Jahr pünktlich bei ihm ein. Henrik Vanger geht davon aus, dass Harriet von einem Familienmitglied ermordet wurde, das ihm seither aus purem Sadismus immer wieder eine neue Blume zum Geburtstag schickt. In der Familie Vanger, deren sämtliche Mitglieder bis heute großteils in den auf der Vanger-Halbinsel verteilten Prunkvillen leben, herrscht nämlich neidvoller Hass, auch politisch motiviert, schließlich waren Henrik Vangers Brüder durchgehend Kollaborateure der Nazi-Besatzer und Befürworter ihrer Ideologie. Jedenfalls soll Blomkvist nun einen letzten Versuch unternehmen, dieses Verbrechen doch noch zu klären. Und weil er bis zu seinem Haftantritt ohnehin nichts besseres mehr zu tun hat, willigt Blomkvist ein - nicht zuletzt auch wegen dem stattlichen Honorar. Und schnell stößt er auf erste Spuren. Allerdings scheint das vielen Menschen in der angrenzenden Ortschaft nicht gerade willkommen zu sein, und den anderen Mitgliedern der Familie Vanger schon gar nicht. Außerdem weist ein Mord ohne Leiche natürlich immer besonders viele Verdächtige auf. Was Blomkvist nicht weiß: Jeder seiner Schritte wird überwacht - im Auftrag des unter Henrik Vangers Leitung stehenen Teils des Vanger-Konzerns, der zu diesem Zweck eine Freelance-Hackerin namens Lisbeth Salander verpflichtet hat. Dieses Fräulein Salander (Noomi Rapace) kaschiert mit ihrem auffälligen Äußeren - à la Gothic-Techno-Punk mit Plateaustiefeln, exzessiven Piercings und Weltuntergangs-Make-up - die Tatsache, dass in ihrem Inneren ein ebenso brillanter wie gequälter Geist wirkt: Lisbeth hat als Hackerin unschlagbare Fähigkeiten, aber sie hat als Kind etwas getan, das ihr geistige Unzurechnungsfähigkeit einbrachte, weshalb man ihr einen staatlichen Vormund zuteilte. Kürzlich hat sie einen neuen Vormund bekommen - ein widerliches, perverses Scheusal. Mit dem muss Lisbeth nebenbei noch fertig werden. Aber bald wird sie aktiv in Blomkvists Ermittlungen eingreifen - und auch sonst eine zunehmend wichtige Rolle in seinem Leben spielen. Gemeinsam wird das ungleiche Paar auf dem Anwesen der Vangers einem Verbrechen auf die Spur kommen, das hinsichtlich der menschlichen Fähigkeit, böses zu tun, die tiefsten Abgründe offenbaren wird ...

Selten hat ein so unprätentiöser Film mit solcher Überlänge seine Spannung so durchgehend aufrecht erhalten können: Verblendung ist ein extrem gelungener Thriller im klassischen Sinn - lebensnah, realistisch, ohne den lärmenden Pomp großer Hollywood-Produktionen und äußerst gewandt darin, dem Publikum echte Gefühlswallungen statt bloßer Adrenalinschübe zu bescheren.  Mit seiner düsteren Geschichte, die um schauderhafte sexuelle Störungen und Hassverbrechen kreist, zieht der Film einen nachhaltig in seinen Bann und spukt einem auch Tage später noch im Kopf herum. Verblendung ist in jeder Hinsicht ein Meilenstein in der Geschichte des international renommierten schwedischen Kinos. Die Buchvorlage dazu lieferte Bestseller-Autor Stieg Larsson, der zeitlebens gegen den schwedischen Rechtsradikalismus kämpfte und dessen Buch-Trilogie über den Journalisten Michael Blomkvist erst nach seinem überraschenden Tod durch Herzinfarkt mit 50 erschienen ist. Alle drei Teile dieser Millennium-Trilogie sind bereits verfilmt, mit Michael Nyqvist und Noomi Rapace (siehe Interviews) in den Hauptrollen. Verblendung ist bereits extrem erfolgreich in fast ganz Europa gestartet; Österreich und Deutschland bilden tatsächlich das Schlusslicht in dieser Erfolgsstory. Teil zwei und drei werden dann 2010 ins Kino kommen. Ob es danach eine Forsetzung geben wird, steht in den Sternen: Es gibt zwar bereits fertige Handlungsstränge für die Romane vier bis sechs, die Stieg Larsson hinterlassen hat. Um daraus jemals Bücher oder gar Filme zu machen, müssten sich allerdings zuerst die Erben einig werden.

Text:  Klaus Hübner

Credits

Titel Verblendung
Originaltitel Män som hatar kvinnor
Genre Literaturverfilmung/Thriller
Land, Jahr Dänemark/Deutschland/Schweden, 2009
Länge 152 Minuten
Regie Niels Arden Oplev
Drehbuch Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg basierend auf dem gleichnamigen Roman von Stieg Larsson
Kamera Eric Kress
Schnitt Anne Østerud
Musik Jacob Groth
Produktion Søren Stærmose
Darsteller Noomi Rapace, Michael Nyqvist, Peter Haber, Björn Granath, Ewa Fröling, Marika Lagercrantz, Sven-Bertil Taube, Lena Endre
Verleih Polyfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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