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Der Räuber

Der Räuber

Drama, Krimi. Deutschland, Österreich 2009. 96 Minuten.

Regie: Benjamin Heisenberg
Mit: Andreas Lust, Franziska Weisz

Banken überfallen als Extremsport. Andreas Lust und Franziska Weisz in Benjamin Heisenbergs (Schläfer) aufregender Kino-Version der Geschichte vom "Pumpgun-Ronnie", der in den 80ern mit Reagan-Maske, Kanone und schier unendlicher Chuzpe ganz Österreich in Atem hielt.

Filmstart: 26. Februar 2010

Franz Rettenberger (Andreas Lust) läuft und läuft und läuft. Nichts hält ihn auf, auch nicht die Wände seiner Gefängniszelle. Läuft er halt am Stand. Rettenberger trainiert, unermüdlich, für den Moment, an dem sich das Gitter öffnet und er wieder in die Welt hinaus kann. Endlich. Rettenberger ist ein genügsamer Mann, er braucht nicht viel zum Leben. Ein karges möbliertes Zimmer zur Miete, dann eins in der viel zu großen Wohnung von Erika, die er von früher kennt. Früher wohnte Erika (Franziska Weisz) mit ihrer Mutter, die ist jetzt tot, und die riesige Altbauwohnung steht fast leer. Und Franz ist ein angenehmer Mitbewohner. Er mag etwas verschroben sein, aber wer ist das denn nicht nach sechs Jahren Gefängnis. Dafür sieht er ziemlich gut aus, durchtrainiert und irgendwie geheimnisvoll. Und Franz stellt keine Ansprüche, hat keinen Haufen Sachen, die überall herumliegen, keine laute Stereoanlage, keine teuren Elektronik-Gadgets. Nur seinen Pulsmesser. Denn Rettenberger hat zwei Hobbies: Eines ist Marathonlaufen. Er ist ziemlich gut, einer der Besten. Und das andere ist Banken überfallen. Darin ist er auch fast unschlagbar. Seine Masche ist simpel und effektiv: Zu Fuß, mit einem geborgten oder einem gestohlenen Auto sucht er eine geeignete Filiale aus. Dann holt er die Pumpgun aus dem Rucksack, setzt Maske und Kapuze auf, stürmt in die Bank, schreit "Geld her!", nimmt, was er kriegen kann und rennt. Und läuft und läuft, querfeldein, über Stock, Stein, Dach, Innenhof, bis er weit genug weg ist, um sich wieder in den unauffälligen Passanten zu verwandeln. Und zuhause werden dann die Daten aus dem Pulsmesser ausgewertet. Eine Bank nach der anderen überfällt er, immer nach der gleichen Methode, und immer ist er der Schnellere, egal, wie gut die aufpassen. Einmal haben sie ihn erwischt, dafür saß er im Gefängnis. Nicht für den Raub, fürs erwischen lassen, findet Franz. Er tut ja auch keinem weh. Außer jemand steht ganz blöd im Weg. Oder nervt, unerträglich, so wie sein Bewährungshelfer, dem musste er es einfach zeigen. Aber erwischen lassen wird er sich nie wieder. Dafür trainiert er, wie besessen. Was anderes interessiert ihn kaum. Auch die Kohle nicht. Seine Beute, die Bündel Geld sind die Trophäen seiner Siege, von abstraktem Wert für Rettenbacher, er gibt keinen Cent davon aus. Nur Erika, in ihrer seltsam verletzlichen Selbständigkeit, kommt ihm nahe. Er spürt ihre Einsamkeit, vermutet wohl eine verwandte Seele, öffnet sich, viel zu viel. Denn als sie sein Geheimnis entdeckt, die achtlos unters Bett gestopften Geldsäcke findet, reagiert sie nicht mit Verständnis, sondern geschockt: Der Franz, ihr Franz, ein fieberhaft gesuchte Verbrecher? Erika ist verstört, verletzt, überfordert. Und trifft eine fatale Entscheidung ...

1988 endete mit dem Selbstmord der "Zielperson" die bis dahin größte Fahndung der österreichischen Nachkriegsgeschichte: Der Bankräuber Johann Kastenberger, genannt "Pumpgun-Ronnie", hatte jahrelang die Polizei zum Narren und die Öffentlichkeit in Atem gehalten. Der Schriftsteller und Marathonläufer Martin Prinz ließ sich von Kastenbergers Geschichte zu seinem Roman Der Räuber inspirieren, der Filmemacher Benjamin Heisenberg, dessen mehrfach preisgekröntes Terroristen-Studie Schläfer großes Aufsehen erregte, versetzte die packende Story mit einer faszinierend strengen, fast existenzialistischen Bildersprache ins Zeitlose - Reagans Gesicht wich einer neutralen Larve, dafür glänzen Zeitzeugen wie der damals ermittelnde Polizeikommissar Max Edelbacher in stimmigen Cameos.

Text:  Gini Brenner

Credits

Titel Der Räuber
Originaltitel Der Räuber
Genre Drama/Krimi
Land, Jahr Deutschland/Österreich, 2009
Länge 96 Minuten
Regie Benjamin Heisenberg
Drehbuch Benjamin Heisenberg, Martin Prinz nach dem Roman von Martin Prinz
Kamera Reinhold Vorschneider
Schnitt Andrea Wagner, Benjamin Heisenberg
Musik Lorenz Dangel
Produktion Markus Glaser, Nikolaus Geyrhalter
Darsteller Andreas Lust, Franziska Weisz, Markus Schleinzer, Max Edelbacher
Verleih Thimfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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