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Komm, süßer Tod

Komm, süßer Tod

Tragikomödie. Österreich 2000. 100 Minuten.

Regie: Wolfgang Murnberger
Mit: Nina Proll, Simon Schwarz, Josef Hader

Die Rettung ist eine blutige Branche. Das Leben auch. Selbst in Wien. Wolfgang Murnberger verfilmt einen Krimi von Wolf Haas. Mit Josef Hader in der Hauptrolle.

Am heftigsten steigen die Rettungsfahrer in Wien immer dann aufs Gaspedal, wenn eine Spenderleber wartet. Da zählen keine roten Ampeln mehr, da fungieren Fußgänger nur noch als lästige Randerscheinung vom Verkehrsaufkommen, da siehst du nur noch das Ziel vor Augen und wenn der Dackel am Gehsteig nicht mehr rechtzeitig ausweichen kann, dann hat er eben Pech gehabt und schon fliegen am Gürtel die Hundstrümmerln durch die Luft - und zwar im wahrsten Sinn des Wortes. Radikal aber notwendig, schließlich geht es hier um Menschenleben, möchte man meinen - doch da irrt man sich.
Als Krimiautor ist der ehemalige Werbetexter ("Ö1 gehört gehört", "Lichtfahrer sind sichtbarer") und Ö3-Musikpausenfüller (Peda und Peda) Wolf Haas ein Schreiber, der dem Volk genau aufs Maul schaut. Milieu ist alles, besonders in der Sprache, und eine "Spenderleber", zumindest wenn sie in einer Mordsgeschichte vorkommt, die im Milieu der Wiener Rettungsfahrer spielt, kann daher nur die extragroße Portion Leberkäse sein, die der Würstelstand vorm AKH für seine Stammkundschaft bereithält. Meistens geht sich das eh gut aus, aber wenn du gerade im Stau stehst und weißt, dass die Frau Rosi im fünf Minuten Sperrstunde machen wird, dann steigt der Druck aufs Gaspedal ganz automatisch. So ist das eben. Frage der Ehre. Frage des Hungers. Frage nicht.
It´s a man´s world ... und zwar auf wienerisch. Rein vom Macho-Level her wäre Komm, süßer Tod ein Western, aber weil die Cowboys keine Hüte tragen und die Indianer keine Federn, weil der Sheriff im Rettungsauto sitzt und weil die Prärie ein Großstadtdschungel ist, sagen wir mangels besserer Bezeichnung halt "Kriminalgroteske” dazu. Denn echter Krimi kann das natürlich auch keiner sein, wenn da ein existenzfauler Rettungsfahrer, wirklich nicht die Leuchte seines Standes, vom Chef mit aufklärerischen Aufgaben belastet wird, nur weil zwischen den Kreuzrettern und dem Rettungsbund ein blutiger Konkurrenzkrieg tobt und er, der Brenner, früher mal bei der Polizei gewesen ist, bevor er dort mit der Frau seines Vorgesetzten, aber so genau wollen wir das gar nicht wissen. "So wie meine Krimis eher von Lesern geschätzt werden, die vielleicht gar nicht unbedingt Krimi-Leser sind, ist der Film ein Thriller für Film-Freunde, die nicht nur in Thriller rennen. Ich glaube, für einen, der einen richtig harten Krimi sehen will, ist das dann doch zu ironisch", meint Wolf Haas, und da wird schon was Wahres dran sein. Denn ein echter Rettungsfahrer kennt nur eine Form der Fortbewegung: Höchstgeschwindigkeit. Und wenn so einer seinen Fahrgast dann trotzdem nur noch tot im AKH abliefern kann, dann hat er unterwegs entweder sehr viel Pech oder sehr viel Glück gehabt, kommt ganz darauf an, wie sein Chef die Sache sieht. Es ist nämlich so: Das Geschäft wird immer härter und manchmal kann eine Leiche, besonders wenn sie was zu vererben hat, sehr erfreulich für die Bilanz der Firma sein. Nur die Konkurrenz sollte halt nichts davon erfahren.
Komm, süßer Tod ist jedenfalls ein Heimspiel für seinen Hauptdarsteller. Der Brenner wird von Josef Hader gespielt, und wie sich dieser Publikumsliebling (Warum auch nicht? Ist ja keine Beleidigung das Wort) da lakonisch leichtfüssig durch die Handlung hantelt, wie er zwischen Dienst und Schnaps zu seinem Mörder findet und dazwischen noch die Wuchteln auffängt, die ihm sein nicht minder begabter Zivildiener (Simon Schwarz) zuwirft, wie er im Verlieren gewinnt und umgekehrt natürlich auch, das ist alles so schön typisch österreichisch, dass es fast schon mit der großen Welt zu tun hat.

Credits

Titel Komm, süßer Tod
Originaltitel Komm, süßer Tod
Genre Tragikomödie
Land, Jahr Österreich, 2000
Länge 100 Minuten
Regie Wolfgang Murnberger
Drehbuch Josef Hader, Wolf Haas
Kamera Peter von Haller
Schnitt Evi Romen
Musik Sofa Surfers
Produktion Danny Krausz, Kurt Stocker
Darsteller Nina Proll, Simon Schwarz, Josef Hader, Barbara Rudnik, Bernd Michael Lade, Karl Markovics
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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