Filminfo zu

Nichts zu verzollen

Rien à déclarer

Komödie. Frankreich 2010. 108 Minuten.

Regie: Dany Boon
Mit: Julie Bernard, Dany Boon, Benoît Poelvoorde

Ein grenzenloses Vergnügen: Dany Boon (Willkommen bei den Sch’tis) lässt einen francophoben Belgier mit Impulskontrollstörung und einen gutmütigen Franzosen mit Liebeskummer auf einander los. Wenn nur alle Grenzkonflikte so lustig wären ...

Filmstart: 22. Juli 2011

"Lieber Gott, mach, dass es nie ein grenzenloses Europa gibt.“ Für den belgischen Zöllner Ruben Vandevoorde (Benoît Poelvoorde), der dieses Stoßgebet gen Himmel schickt, brechen schwere Zeiten an. Wir schreiben das Jahr 1992, der Vertrag von Maastricht ist unterschrieben, mit 1. 1. 1993 wird der Europäische Binnenmarkt Wirklichkeit, der unter anderem den Freien Warenverkehr und die Personenfreizügigkeit innerhalb der Mitgliedsstaaten vorsieht. Grenzkontrollen zwischen Belgien und Frankreich, wie in dem kleinen Städtchen Koorkin vulgo Courquain, in dem Ruben Dienst versieht, gehören dann der Vergangenheit an. Doch es ist nicht die drohende Arbeitslosigkeit, die Ruben die Zornesröte ins Gesicht steigen lässt. Vielmehr will sich der leidenschaftliche Belgier einfach nicht damit abfinden, dass die von ihm bis dato hemmungslos schikanierten Franzosen ungehindert über die Grenze bewegen werden können. Wohin nur mit der bisher halbherzig als Dienstbeflissenheit kaschierten, energischen Abneigung gegen die "Camemberts“, für die es ohne den schützenden Grenzbalken keine offizielle Grundlage mehr gibt?
Nun, Ruben hat Glück: Nach einem wenig ruhmreichen Vorfall mit einem französischen Autofahrer, wird der übereifrige Zöllner zur mobilen Grenzpatrouille abkommandiert - ein belgischer und ein französischer Beamter zusammen auf Streife. Von der Gegenseite meldet sich ausgerechnet der liebenswerte Mathias Ducatel (Dany Boon) freiwillig zum Patrouillendienst, schon früher ein dankbares Opfer für Rubens Ausfälligkeiten. Was Ruben noch nicht ahnt: Seine Schwester Louise (Julie Bernard) ist heimlich mit Mathias liiert, und um ihr offiziell einen Heiratsantrag machen zu können, will der verzweifelte Mathias jetzt endlich mit Ruben Frieden schließen. Während man also so gut es die gegenseitigen Ressentiments eben zulassen an der grünen Grenze nach inkompenten Drogenschmugglern Ausschau hält, kündigt sich am Horinzont bereits der wahre Showdown an: Denn es darf bezweifelt werden, dass Ruben untätig hinnimmt, dass Louise drauf und dran ist, einen Camembert zu ehelichen ...

Fast zwanzig Jahre (fast) grenzenloses Europa haben nicht gereicht, um die Grenzen im Kopf niederzureißen - im Gegenteil, manchen kleingeistigen Schreihälsen quer durch alle Nationen kann die Mauer rund ums zu bewahrende Heimatland gar nicht hoch genug sein. Eingepackt in eine hinreißende Liebesgeschichte überwindet der großartige Dany Boon diese Mauer der Vorurteile in einer Sprache, die alle verstehen: mit dem ihm eigenen, gleichzeitig harmlosen und doch so entlarvenden Humor, der schon Willkommen bei den Sch’tis so unwiderstehlich gemacht hat.

Text:  Dina Maestrelli

Credits

Titel Nichts zu verzollen
Originaltitel Rien à déclarer
Genre Komödie
Land, Jahr Frankreich, 2010
Länge 108 Minuten
Regie Dany Boon
Drehbuch Dany Boon
Kamera Pierre Aïm
Schnitt Luc Barnier, Géraldine Rétif
Musik Philippe Rombi
Produktion Jérôme Seydoux
Darsteller Benoît Poelvoorde, Julie Bernard, Dany Boon, François Damiens, Bouli Lanners, Olivier Gourmet, Karin Viard
Verleih Lunafilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

2 Kommentare

kein vergleich

mit dem " ersten Teil"
Halblustig und platt

1. August 2011
20:17 Uhr

von bewegtebilder

Belgien vs. Frankreich = Ein Hit!

Brilliant von der ersten bis zur letzten Minute.
Und diese Worte stammen von jemandem, der bislang mit französischen Filmen ohne Gérard Depardieu nicht viel anfangen konnte.
"Nichts zu verzollen" sprüht nur so vor Charme und Witz. Teilweise richtig schön politisch unkorrekt und böse, aber ehrlich.
Zwar geht es in den meisten Schmähs um die belgisch/französischen Diskrepanzen, diese gelten allerdings für alle Länder der Welt (vielleicht sogar ganz besonders für Österreich/Deutschland ;)) und bringen die Moral rüber ohne die große "Einsichts"-Keule zu schwingen, wie das Ende genial beweist.
Neben den Witzen und der tollen Schauspielleistung besticht der Film außerdem mit fantastischem Soundtrack und einer urkomischen Synchronisation, die den belgischen Akzent in einen, wenn ich nicht irre, ostdeutschen verwandelt hat.
Auf jeden Fall absolut sehenswert!

2. August 2011
18:53 Uhr

von GoSan

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