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Melancholia

Melancholia

Drama. Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Schweden 2011. 136 Minuten.

Regie: Lars von Trier
Mit: Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg, Alexander Skarsgård

Die Methode Wahnsinn: Lars von Triers zweifacher Versuch über das Thema Depression ist bildgewaltiges Melodrama und gnadenloses Weltuntergangsszenario in einem - und das mit Starbesetzung: Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg, Kiefer Sutherland und Charlotte Rampling.

Filmstart: 28. Oktober 2011

Es könnte der schönste Tag in ihrem Leben sein - ein duftiges weißes Kleid, eine klassische Stretch-Limo, ein über beide Ohren verliebter Mann, und eine Hochzeit im Märchenschloss, mit perfektem Golfrasen rundherum: Justine (Kirsten Dunst), erfolgreiche Werbefachfrau, hat alles, was sie sich immer erträumt hat, arrangiert von ihrer einfühlsamen Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg) und deren fürsorglichem Mann John (Kiefer Sutherland). Und sie gibt sich auch alle Mühe, das Fest, zu dem ihre gesamte Familie angereist ist, wundervoll zu finden. Obwohl ihre Mutter (Charlotte Rampling) sich die spitzen Bemerkungen gegenüber der Institution Ehe nicht verkneifen kann, und obwohl Papa (John Hurt) wieder einmal zu viel getrunken hat. Ihr frisch angetrauter Mann Michael (Alexander Skarsgård) versucht, sie vom Familienkrampf abzulenken, aber umsonst: Irgendwann ist alles zu viel. Justine sperrt sich in ihr Zimmer ein. Die Depression, die sie schon ihr Leben lang begleitet, hat sie eingeholt. Der Abend endet im Desaster.

Wenn Regie-Enfant terrible Lars von Trier von etwas Ahnung hat, dann sind es Depressionen: Jahrelang hielt ihn seine Krankheit gefangen, Phobien machten ihn zum Wrack, und nur mit Hilfe von Psychopharmaka, seiner geliebten Frau und der Filmemacherei schaffte er es, aus dem tiefen, schwarzen Loch der Melancholie. Ausgerechnet die Arbeit an der aufwühlenden Horrorphantasie Antichrist, die vor zwei Jahren das Publikum ebenso entsetzt wie begeistert hat, war für den Regisseur heilsam. Melancholia ist nun der erste Film, den von Trier nach seiner weitgehenden Genesung gedreht hat, und noch ist das Thema Depression für ihn nicht überwunden. In zwei Kapiteln erzählt er von der ultimativen Katastrophe: dem Auseinanderbrechen einer Persönlichkeit und dem Untergang der Welt - auf verdrehte Weise womöglich zweimal dieselbe Geschichte?

In Teil zwei kehrt Justine von ihrer Krankheit geschwächt zurück in das Schloss, das Claire und John als Hotel führen. Nun haben alle Gäste ausgecheckt, und John ist reichlich genervt, dass Claires überspannte Schwester schon wieder zu Besuch ist. Und etwas seltsames, eine unklare Bedrohung liegt in der Luft: Astronomen haben vorhergesagt, dass der geheimnisvolle Planet Melancholia in den nächsten Tagen der Erde gefährlich nahe kommen wird. Für Justine, mit Katastrophen auf emotionaler Ebene bestens vertraut, ist der drohende Weltuntergang nichts, was sie aus der Ruhe bringt. Claire hingegen kippt immer mehr in Panik, je mehr John sich in wissenschaftliche Erklärungen flüchtet. Und der gigantische Planet am Himmel kommt immer näher ...

Mystisch, bombastisch, erotisch und verstörend, mit viel Richard Wagner auf dem Soundtrack, einem fantstischen Cast bis in die Nebenrollen - u. a. taucht gar der großartige Udo Kier als strenger Hochzeitsplaner auf - und einer gehörigen Portion Sarkasmus gelingt es Lars von Trier ein weiteres Mal, seine Zuschauer atemlos zu machen: Melancholia ist berückend schön, irre und extrem, ein Film, wie er noch nie dagewesen ist.

Text:  Magdalena Miedl

Credits

Titel Melancholia
Originaltitel Melancholia
Genre Drama
Land, Jahr Dänemark/Deutschland/Frankreich/Italien/Schweden, 2011
Länge 136 Minuten
Regie Lars von Trier
Drehbuch Lars von Trier
Kamera Manuel Alberto Claro
Schnitt Molly Marlene Stensgaard
Produktion Meta Louise Foldager, Louise Vesth
Darsteller Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg, Alexander Skarsgård, Jesper Christensen, Kiefer Sutherland, Charlotte Rampling, John Hurt, Stellan Skarsgård, Udo Kier, Brady Corbet
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

2 Kommentare

MeLanCholiA

sehr sehenswert - aber bitte nur in original englisch anschauen! zwar ist diese depressive arbeit von lars von triers sehr dramatisch, aber den eingefügten witz von kiefer sutherland versteht man doch in englisch besser als auf deutsch. alle schauspieler von kirsten dunst, kiefer sutherland und charlotte gainsbourg - sehr professionell gespielt. und der weltuntergangsfilm um einiges besser als der vorgänger antichrist. ein film zum weiter empfehlen und zum nochmaligen anschauen. von mir in der skip bewertung 5 von 5 megageilen punkten!

18. November 2011
12:09 Uhr

von Philipp87

Verstörend interessant

Lars von Trier ist mMn der spannendste und interessanteste europäische Filmemacher zur Zeit. Auch Melancholia verlangt vom Zuschauer die Bereitschaft, lange und aufmerksam zu beobachten und hinzuhören. Wenn man sich darauf einlässt, bereut man es nicht. Wem das zu mühsam ist, der sollte lieber die Finger von von Trier lassen und sich leichtere Kost genehmigen.

3. März 2014
10:56 Uhr

von Haubenkoch

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