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Klitschko

Klitschko

Dokumentation. Deutschland 2011. 110 Minuten.

Regie: Sebastian Dehnhardt
Mit: Wladimir Klitschko, Vitali Klitschko

Brüder, Boxer, Weltmeister. Sie haben stählerne Fäuste. Und privat spielen die Champions gegeneinander Schach. Eine muskulös dichte Kinodoku zeigt Vitali und Wladimir Klitschko von ihrer harten und zarten Seite, als Kämpfer mit Steherqualitäten und als weltweit einzigartiges Team.

Filmstart: 17. Juni 2011

Der Aufbau des Rings gleicht der Vorarbeit eines Rockfestivals. Hunderte Stagehands errichteten in tagelanger Schwerstarbeit den Schauplatz eines Spektakels, das in Sachen Brutalität und Publikumsbegeisterung dem römischen Zirkus gleichkommt. Das kleine Viereck in der Mitte der Halle wird zur Bühne des archaischen Kampfes: Mann gegen Mann. Während die Menge zu brodeln beginnt, sitzen die Klitschkos backstage vor weiß getünchten Ziegelwänden. Alles ist mit dem Trainer besprochen, der ganze Körper ist pure Konzentration. Draußen fluten blendende Scheinwerfer die Arena, Glocken schlagen, Hells Bells von AC/DC dröhnt, die Menge kocht: Auftritt Vitali Klitschko im glänzenden schwarzen Mantel. Das Geheimnis: Der Gegner kämpft nie gegen nur einen Klitschko, sondern zwei. Bruder Wladimir steht als Sekundant neben dem Ring, brüllt sich die Seele aus dem Leib, ringt mit den Händen, fiebert mit dem ganzen Körper atemlos mit. Wer fehlt unter den Abertausenden zahlenden Fans: Die Eltern. Es macht ihnen Angst, den Söhnen zuzusehen. Die Mutter geht währenddessen am anderen Ende der Welt in der Ukraine spazieren. Nur das Handy hat sie mit. Sie weiß: Sofort nach Ende des Kampfes, noch mit dem halben Fuß im Ring, ruft Wladimir sie an, erzählt, dass alles gut ausgegangen ist. Dann legt er auf. Ruft noch einmal an – er hat vergessen, ihr zu sagen, dass er sie liebhat.
Man kennt die Klitschkos, glaubt man, die zwei riesigen Boxer-Brüder aus der Ukraine, in Deutschland zu Weltstars geworden. Aber so privat hat man die zwei Ausnahme-Champions noch nie gesehen, gehört, verstanden. Der Vater war Flieger beim Heer, er hat nach dem GAU Blei auf den Reaktor von Tschernobyl schütten müssen. Die Strahlendosis war zu hoch, auch ihn hat der Krebs nicht verschont, aber dank der Behandlung in Deutschland lebt er noch. Während die Mutter arbeitete, musste Vitali, Jahrgang 1971, auf den 1976 geborenen Wladimir aufpassen. Das macht er noch immer. Solange, bis sich Wladimir mit seinem grandiosen Comeback aus seinem Schatten befreite - bis heute der einzige Streit, den sie jemals hatten. Ihre ganz besondere Beziehung ist wohl die Grundlage für einen einzigartigen Rekord in der Geschichte des Profi-Boxsports: Zwei Brüder, die gleichzeitig Weltmeister im Schwergewicht sind. Sie sehen sich ähnlich, sind doch völlig anders. "Vitali ist aus Stein, Wladimir aus Ton“, sagt der Boxtrainer aus der Ukraine, in dessen Amateurboxclub sie einst begonnen haben.

Regisseur Sebastian Denhardt hat für seinen abendfüllenden Kinofilm die Brüder zwei Jahre lang begleitet, in Deutschland, der Ukraine, den USA, in Kasachstan, Kanada, beim Trainingslager in Österreich. Er hat alles richtig gemacht - denn nicht erst seit Martin Scorseses Wie ein wilder Stier weiß man, dass Boxen eine Frage von cineastischem Großformat ist. Bei Denhardt werden die Klitschkos vom Boxmythos zu Menschen. Immer liegen sie in - liebendem - Wettbewerb. Sie sind artikuliert, sprechen völlig offen über ihre strenge Erziehung, ihre ganz besondere Beziehung, ihre Wahnsinnserfolge und unerträglichen Karrieretiefs. Diese Intimität erstaunt selbst Box-Insider. Sebastian Denhardt war es auch, dem die Eltern der Klitschkos ihr erstes Interview gegeben haben. Poster von Chuck Norris und Arnold Schwarzenegger tapezierten die ganze Kinderzimmerwand, erzählt die Mutter. Nicht nur frühere Trainer, Sportmoderatoren, auch ehemalige Kontrahenten, alle selbst Champions von Weltformat, äußern sich bewundernd über das Phänomen Vitali und Wladimir. "Boxen trennt die Männer von den Buben“, sagt einer. So ist es.

Text:  Julia Pühringer

Credits

Titel Klitschko
Originaltitel Klitschko
Genre Dokumentation
Land, Jahr Deutschland, 2011
Länge 110 Minuten
Regie Sebastian Dehnhardt
Drehbuch Sebastian Dehnhardt
Kamera Johannes Imdahl
Schnitt Lars Roland
Musik Stefan Ziethen
Produktion Leopold Hoesch
Darsteller Wladimir Klitschko, Vitali Klitschko
Verleih Thimfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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