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Sommer in Orange

Orange

Komödie. Deutschland 2011. 110 Minuten.

Regie: Marcus H. Rosenmüller
Mit: Georg Friedrich, Oliver Korritke, Petra Schmidt-Schaller

Ohmm - Ohgott! Als eine komplette Bhagwan-Kommune in den 1980er-Jahren aus Berlin Kreuzberg in ein bayrisches Nest übersiedelt, verursacht das einen Culture Clash von geradezu epischen Ausmaßen. Doch der menschliche Faktor ist stärker als jede Überzeugung ... Zauberhaft tiefsinnige Komödie von Marcus M. Rosenmüller (Wer früher stirbt ist länger tot).

Filmstart: 2. September 2011

Die sexuelle Revolution in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts hatte viele Gesichter. Eins der bekannesten ist dass des indischen Philosophieprofessors Chandra Mohan Jain (geboren 1931), besser bekannt als Bhagwan (der Göttliche), der mit seinen damals extrem gewagten Theorien über Religion, Selbstbefreiung und Sex genau den Nerv tausender junger Sinnsuchender traf. In den USA und dann auch in Europa fanden immer mehr in lebhaften Orangetönen gekleidete Bhagwan-Jünger zusammen, die sich Sannyasins nannten, um in Kommunen gemeinsam zu leben, alte Zwänge zu überwinden und die innere Freiheit zu finden.
So wie Amrita (Petra Schmidt-Schaller), die sich gemeinsam mit ihren beiden Kindern, der 12-jährigen Lili und dem 9-jährigen Fabian, ihrem derzeitigen Liebhaber Siddharta (Georg Friedrich), Gopal (Oliver Korittke), Chandra (Wiebke Puls), Leela (Brigitte Hobmeier) und einer bunten Handvoll weiterer Sannyasins in einer WG Brot, Bett und Ziele teilt. Naja, was Lili und Fabian angeht, ist das mit den Zielen nicht so klar - aber Kinder, so ist Amrita sicher, sollen in einer freien, liebevollen Umgebung aufwachsen, nicht so verklemmt und emotional unterversorgt wie sie selber.
Eines Tages kommt Post vom Anwalt: Siddharta hat geerbt, und zwar einen veritablen Bauernhof im verschlafenen bayerischen Dörflein Talbichl. Platz! Natur! Das muss man ausnutzen: Also beschließt die Kommune kurzerhand die WG in Kreuzberg, das damals - wir schreiben gerade 1980 - noch ein ziemlich mieses Viertel war und längst nicht so hip wie heute, aufzulassen und mit Sack, Pack und Kindern nach Bayern auf den Huberhof zu ziehen.
Während die erwachsenen Sannyasins beglückt die neue Umgebung erkunden, argwöhnisch beäugt von den Dorfbewohnern, sind die Kinder weit weniger begeistert von der neuen Heimat. Lili und Fabian sind echte Großstadt-Kids, konsequent antiautoritär erzogen - und so wird der erste Schultag in der Dorfschule zum Albtraum. Besonders Lili tut sich schwer mit den Sitten und Gebräuchen hier. Alle anderen Mädchen tragen adrette Blüschen und Faltenrock, beten brav das Vaterunser und folgen der Lehrerin aufs Wort, das ist doch wie im Mittelalter! Amrita und die anderen merken nichts von der Not der Kinder, fröhlich verbringen sie die Tage mit Meditation und der Zucht von Kombucha-Pilzen, und dass der örtliche Greißler sowas von überhaupt kein Verständnis für die Bedürfnisse von Vegetariern hat, sehen sie eher als Einstiegshürde, die es zu überwinden gilt. Die Talbichler werden sicher auch bald auf den Pfad der Erleuchtung finden. Oder auch nicht: Die Dorfbewohner rund um den Herrn Bürgermeister (Heinz-Josef Braun) sind nämlich, surprise surprise, keineswegs begeistert von den orangefarbenen Hippies, die da über ihr beschauliches Talbichl hergefallen sind. Sodom, Gomorrha und sicher auch ganz schlimme Orgien, Satansmessen, kurz alles, was Gott verboten hat, das spielt sich jetzt sicherlich auf dem Huberhof ab!
Auf manchen Ebenen gibt es jedoch tatsächlich Verständigung zwischen den Kulturen: Der schüchterne Briefträger Rudi (Florian Karlheim) zum Beispiel lässt sich nur zu gern von Kommunenmitglied Leela in die Geheimnisse der tantrischen Erleuchtung einweisen, und auch Siddharta frönt dem fleischlichen Genuss und genießt heimlich Bratwürste. Lili hingegen findet mittlerweile das Dorfleben gar nicht mehr so daneben, besorgt sich Faltenrock und Bluse und nimmt, mit tatkräftiger Hilfe der Bürgermeisterin, sogar aktiv am Vereinsleben teil. Als Amrita davon allerdings Wind bekommt, wirds erst wirklich kompliziert in Talbichl ...

Wenn zwei völlig verschiedene Lebensentwürfe ungebremst aufeinanderprallen, dann macht das einen ordentlichen Klescher. Die Geschwister Ursula und Georg Gruber haben selbst eine Kindheit in einer Bhagwan-Kommune durchlebt und ihre Erinnerungen als urkomisches Drehbuch mit durchaus ernsten Untertönen verarbeitet - das nun Marcus H. Rosenmüller, Protagonist des bayrischen Films (Wer früher stirbt ist länger tot, Räuber Kneißl) mit viel Gefühl verfilmt hat.

Text:  Gini Brenner

Credits

Titel Sommer in Orange
Originaltitel Orange
Genre Komödie
Land, Jahr Deutschland, 2011
Länge 110 Minuten
Regie Marcus H. Rosenmüller
Drehbuch Ursula Gruber
Kamera Stefan Biebl
Schnitt Georg Söring
Musik Gerd Baumann
Produktion Annie Brunner, Georg Gruber, Andreas Richter, Ursula Wörner
Darsteller Georg Friedrich, Oliver Korritke, Petra Schmidt-Schaller, Florian Karlheim, Chiem van Houweninge, Brigitte Hobmeier, Amber Bongard, Heinz Josef Braun, Bela Baumann
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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