Filminfo zu

Wenn das Samenkorn nicht stirbt

Daca bobul nu moare

Drama. Österreich, Serbien 2011.

Regie: Sinisa Dragin
Mit: Franz Buchrieser, Milos Tanaskovic, Mustafa Nadarevic

Illegale Grenzgänge am Eisernen Tor zwischen Serbien und Rumänien haben wenig mit Flucht zu tun. Bei Donau-Fährmann Hans (Franz Buchrieser) kreuzen sich Geschichten vom Rand der Europäischen Union - skurril, witzig, schön und von markerschütterndem Irrsinn.

Filmstart: 19. August 2011

Igorvan (Milos Tanaskovic) ist Serbe, aber seine Familie lebt schon lange in Rumänien. Eines stillen Tages ereilt ihn die Kunde, dass sein Sohn in Serbien tödlich verunglückt ist. Zusammen mit seinem jüngeren Sohn (Dan Condurache) bricht er auf, um den Leichnam heim zu holen. Aber ein Problem gibt es von Anfang an: Papiere haben beide nicht - sie müssen also irgendwie illegal über die Grenze. Bald kreuzt das Vater-Sohn-Gespann den Weg eines älteren Mannes, der seine Tochter an sich gekettet hat, um sie ebenfalls nach Hause zu bringen. Die Kleine war allerdings freiwillig durchgebrannt und verführt auch gleich Igorvans Buben, wonach der nur noch verliebt und geil durch die Gegend tappt. An der Donau, dem Grenzfluss zwischen Serbien und Rumänien, gibt es einen österreichischen Fischer namens Hans (Franz Buchrieser), der die Leute ohne Papiere übersetzt. Die Polizei weiß Bescheid, kann aber nicht überall gleichzeitig sein. So kommt Igorvan nach Serbien, wo er eine schockierende Summe bezahlen soll, um den gefrorenen Körper seines Sohnes zurückzubekommen. Ab nun dreht sich das Road Movie um den Rücktransport des Sarges, gespickt mit skurrilsten Figuren und Wendungen, Wegkreuzungen und Missgeschicken. Aber es geht nicht immer so lustig zu. Nico (Mustafa Nadarevic) ist aus Rumänien gekommen, um seine Tochter den Menschenhändlern zu entreißen, die sie nach Sarajevo verschleppt haben. Seine Reise führt in die tiefsten Abgründe des Mittelbalkan und bleibt ohne einen Funken jener Liebenswürdigkeit, die in Igorvans Geschichte stets durchscheint. Auch Nico hat von Fährmann Hans die Geschichte des Priesters gehört, der im 18. Jahrhundert eine Holzkirche versetzen ließ, um sie den Eismassen der Donau zu entreißen. Heute liegt die Kirche am Grund des Stausees - und bewirkt wundersame Begegnungen.

Eisernes Tor heißt jener Abschnitt, der jahrhundertelang als die gefährlichste aller Donau-Schiffspassagen galt, bis er 1972 durch Rückstau entschärft wurde. Trotz der Staustufe zeigt die Donau immer noch eines der atemberaubendsten Durchbruchstäler Europas. Hier wurde u. a. der neue Film von Autor/Regisseur Sinisa Dragin gedreht. Alle Locations in der österreichisch-serbischen Koproduktion Wenn das Samenkorn nicht stirbt versprühen authentisch-archaischen Charme, wirken unbekannt und zugleich vertraut. Auch die Schauspieler sind hervorragend gecastet - man wähnt sich fast in reportageartigem sozialem Realismus, wäre da nicht das verbindende Element der Holzkirche, wie sie mit Ochsen, Seilen und Baumstämmen in einem Fackelzug über eisiges Land geschleppt wird, als Sinnbild für die Parallelität von Schönheit, Irrsinn und Leid.

Text:  Klaus Hübner

Credits

Titel Wenn das Samenkorn nicht stirbt
Originaltitel Daca bobul nu moare
Genre Drama
Land, Jahr Österreich/Serbien, 2011
Regie Sinisa Dragin
Drehbuch Sinisa Dragin
Kamera Dusan Joksimovic
Schnitt Petar Markovic
Produktion Veit Heiduschka, Sinisa Dragin
Darsteller Franz Buchrieser, Milos Tanaskovic, Mustafa Nadarevic, Dan Condurache, Simona Stoicescu
Verleih Thimfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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