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Ein Tick anders

Ein Tick anders

Kinderfilm, Tragikomödie. Deutschland 2011. 92 Minuten.

Regie: Andi Rogenhagen
Mit: Jasna Fritzi Bauer, Victoria Trauttmansdorff

Schluckauf im Hirn: Eva (Jasna Fritzi Bauer) hat das Tourette-Syndrom, aber trotzdem verdammt viel vor im Leben: sensationell schräge, genial chaotische Komödie um ein junges Mädchen mit sehr erwachsenen Problemen.

Filmstart: 14. Oktober 2011

Auf den ersten Blick ist Eva (Jasna Fritzi Bauer) eine 17-jährige wie viele: Sie ist mutig, klug und hübsch. Sie hat eine nervige, kaufsüchtige Mutter (Victoria Trauttmansdorff) und einen brummigen Vater (Waldemar Kobus), der seinen Job hasst, aber im Grunde sind ihre Eltern okay. Ihre Oma (Renate Delfs) ist herrlich kauzig, voller verrückter Ideen, und immer da, wenn Eva sie braucht. Onkel Bernie (Stefan Kurt) ist zwar als Gitarrist und Kleinkrimineller gescheitert, aber als Zuhörer ziemlich brauchbar. Trotzdem hats Eva nicht leicht im Leben: Sie hat nämlich Schluckauf im Hirn. Immer.
So erklärt sie ihre Krankheit, nämlich das Tourette-Syndrom. Das macht, dass Eva in den unpassendsten Momenten Sachen schreit, die weder jugendfrei noch politisch korrekt sind. Penispilz! Kinderficker! Heil Hitler! Sie kann nicht anders, unterdrücken ist praktisch unmöglich. Arschfotze! Kein Wunder, dass harmlose Pilzesammler panisch Reißaus nehmen, wenn sie ihnen einen Hitlergruß oder unflätige Fluchereien nachruft. Wichser! Normalerweise hat Eva Ruhe im Wald. Sie besucht da ihre Freunde, die Salamander, und hängt ihren Gedanken nach. Die Schule hat sie schon längst hingeschmissen, es ging einfach nicht mehr – sie konnte ihren Hirnschluckauf nicht einbremsen und sagte den anderen immer ins Gesicht, was für Idioten sie waren. Auch den Lehrern, klarerweise, denn Tourette lässt sich nicht einfach ein- und ausschalten.
Dann allerdings passiert etwas, das einer Katastrophe nahekommt: Papa verliert seine Arbeitsstelle. Und als er dann endlich eine neue findet, ist die in Berlin. Eine Riesenstadt, für eine wie Eva, die sich wie ein Monster fühlt? Die Vorstellung ist zu grausam, und das einzige, was Eva vor dem Umzug retten könnte, ist eine größere Geldsumme. Es ist also höchste Zeit, dass Eva ihre Angst vor der Außenwelt niederkämpft und Aktionen setzt. Ein Job? Unmöglich, etwas zu finden, wenn man beim ersten Anzeichen von Stress die ärgsten Beschimpfungen losschreit. Also das nächstliegende - ein Banküberfall. Und wer könnte dafür besser geeignet sein als Onkel Bernie, der einzige in der Familie, der über etwas kriminelle Energie verfügt …

Regisseur (und Drehbuchautor) Andi Rogenhagen findet witzige, poetische und auch drastische Bilder, die das Tourette-Syndrom schildern. Mit viel absurdem Humor, anarchischem Charme, scharfzüngigen Dialogen und warmherzigen Figuren ist Ein Tick anders ein wundervoll gut gelaunter, verrückter Film über ein hinreißendes Mädchen, das sich von seiner Krankheit nicht unterkriegen lässt, und eine tolle Geschichte, die den Vergleich mit  internationalen Comedy-Geniestreichen wie z. B. Juno nicht scheuen muss.

Text:  Magdalena Miedl

Credits

Titel Ein Tick anders
Originaltitel Ein Tick anders
Genre Kinderfilm/Tragikomödie
Land, Jahr Deutschland, 2011
Länge 92 Minuten
Regie Andi Rogenhagen
Drehbuch Andi Rogenhagen
Kamera Ralf M. Mendle
Schnitt Nicole Kortlüke
Musik Ingo Kays
Produktion Uwe Kolbe, Stefan Schubert, Ralph Schwingel, Bjoern Vosgerau
Darsteller Jasna Fritzi Bauer, Victoria Trauttmansdorff, Renate Delfs, Nora Tschirner, Waldemar Kobus, Stefan Kurt
Verleih Einhorn Film

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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