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Paradies: Liebe

Paradies: Liebe

Drama. Österreich 2012. 120 Minuten.

Regie: Ulrich Seidl
Mit: Margarethe Tiesel, Peter Kazungu

Zwischen Erfüllung und Verzweiflung, zwischen bitterer Tragik und großartigem Humor: Im ersten Teil seiner Paradies-Trilogie begleitet Österreichs Ausnahme-Filmemacher Ulrich Seidl eine einsame Wienerin (Margarethe Tiesel) auf Sexurlaub in Kenia.

Filmstart: 30. November 2012

Ob das Leben die Teresa (unglaublich gut: Margarethe Tiesel) außergewöhnlich schlecht behandelt oder weitestgehend ignoriert hat, weiß wahrscheinlich nicht mal sie selber. Deshalb nimmt sie zu ihrem 50er das Glück kurzerhand selber in die Hand: Es geht nach Kenia.
Der Hauptgrund der aufregenden Reise ist nicht etwa Abenteuerlust. Oder das Interesse an fremden Kulturen, das Teresa auf Kenia gebracht hat. Auch nicht Meer und Strand. Und schon gar nicht die Qualität der Ferienwohnanlage, deren Charme bedenklich dem einer Reihenhaus-Siedlung am Wiener Stadtrand ähnelt. Nein, der Sex ist es. "Die Haut von denan - wia Samt. Wannst des amoi angriffn hast, da kriagst net gnua!" schwärmt eine Mitreisende. Und tatsächlich: Rund um die Anlage stehen lauter schöne schwarze junge Männer, die lautstark verkünden, nur ein einziges Ziel im Leben zu haben: Teresa, die schönste Frau, die sie je gesehen hätten, glücklich zu machen.
Und so lässt sich Teresa langsam ein auf das, was sie noch nie in ihrem Leben hatte: erfüllten Sex. Es ist aufregend, neu, verwirrend. Und vor allem teuer: Die jungen Lover suchen vor allem nach einer Sugar Mama, die sie aus der bitteren Armut holt. Teresa findet sich unversehens in einer für sie verkehrten Welt: Hier hat sie das Geld und die Macht, und die Männer sind es, die sich um die Frauen bemühen. Teresa genießt, und Teresa leidet, wenn sie erkennt, wie in Beziehungen, die auf Macht aufgebaut sind, solche Dinge wie Liebe zwangsläufig zur Nebensache werden müssen. Doch Macht kann sich auch verdammt gut anfühlen - und nur die Tatsache, dass man 50 Jahre lang am kürzeren Ast saß, bedingt nicht zwingend, dass man sich am längeren viel geschickter bewegt.

Ulrich Seidl, der sich mit seinem unvergleichlichen Stil nicht nur als einer der wichtigsten Österreichischen Filmemacher etabliert hat sondern auch international Furore macht, präsentiert ein ganz besonderes Projekt: Die verstörend berührende Reisegeschichte ist der erste Teil einer Trilogie. Paradies: Liebe war heuer gemeinsam mit Michael Hanekes Liebe im Wettbewerb von Cannes, der zweite Teil, Paradies: Glaube, lief mit großem Erfolg bei den Filmfestspielen von Venedig (Spezialpreis der Jury!), und der dritte Teil, Paradies: Hoffnung, wird bei der kommenden Berlinale seine Premiere feiern: Damit wird Seidl der erste Regisseur der Filmgeschichte, dem dieser A-List-Festival-Hattrick gelingt.

Text:  Gini Brenner

Credits

Titel Paradies: Liebe
Originaltitel Paradies: Liebe
Genre Drama
Land, Jahr Österreich, 2012
Länge 120 Minuten
Regie Ulrich Seidl
Drehbuch Ulrich Seidl, Veronika Franz
Kamera Edward Lachman, Wolfgang Thaler
Schnitt Christof Schertenleib
Produktion Ulrich Seidl, Christine Ruppert, Philippe Bober
Darsteller Margarethe Tiesel, Peter Kazungu, Dunja Sowinetz, Gabriel Mwarua, Carlos Mkutano, Inge Maux
Verleih Stadtkino

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

1 Kommentar

LIEBE im Paradies?

zwar nicht so arg wie der zweite teil - jedoch sollte man psychisch gewappnet sein sich diesen ersten teil anzuschauen. nichts für schwache nerven - jedoch ulrich seidls erster teil seiner trilogie SEHR sehenswert!

6. April 2013
12:22 Uhr

von Philipp87

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