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Liebe

Amour

Drama. Deutschland, Frankreich, Österreich 2012. 125 Minuten.

Regie: Michael Haneke
Mit: Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva, Isabelle Huppert

Von der unausweichlichen Tragik der Liebe: Hanekes zweiter Cannes-Triumph ist der womöglich schönste, schmerzhafteste Liebesfilm der Kinogeschichte, mit den Schauspiellegenden Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva und der großen Isabelle Huppert.

Filmstart: 21. September 2012

Bürgerliche Fassaden, die zerbröckeln, darunter unermessliche Grausamkeit. Plötzlich hervorbrechende Brutalität, dort, wo gerade noch Sanftheit zu sein schien. Blut, das aus den Rissen scheinbar makelloser Existenzen hervorsickert: Der Name Michael Haneke steht für verstörendes, aufwühlendes Kino. Ob da engelhaft schöne junge Männer friedliche Familien zu Tode foltern (Funny Games), ein französisches Ehepaar unter Beobachtung mit einem Mal niedere Instinkte in sich entdeckt (Caché), oder eine neurotische Klavierspielerin die bedrückend aggressive Beziehung zu ihrer Mutter erlebt (Die Klavierspielerin), ein Haneke-Film lässt einen niemals kalt. Doch Haneke kann auch sanfter, und feierte damit nach Das weiße Band seinen zweiten Triumph in Cannes: Liebe ist sein zärtlichster, zugleich aber auch grausamster Film. Er erzählt von einem gepflegten Pensionistenpaar jenseits der Achtzig, Georges und Anne (Schauspiellegende Jean-Louis Trintignant und seine Kollegin Emmanuelle Riva). Die beiden ehemaligen Musiklehrer führen ein unabhängiges, vielfältiges Leben: Konzertbesuche, anregende Gespräche, aktuelle Literatur über klassische Musik. Dann hat Anne einen Schlaganfall, der zunächst nur wie ein Stolpern im Alltag wirkt. Die Folgen sind brutal: Annes rechte Körperhälfte bleibt gelähmt. Trotzig muss sie den schleichenden Verlust ihrer Eigenständigkeit zur Kenntnis nehmen. Und sie nimmt Georges das Versprechen ab: Nie wieder Spital. So ist es also Georges, der seine Anne mit Geduld und Zärtlichkeit umsorgt und ihren schockierend raschen Verfall aufzuhalten versucht, zuerst alleine, dann mit Hilfe von Pflegerinnen, die sich mit teils verletzender Distanzlosigkeit um Anne kümmern. Als die erwachsene Tochter der beiden (Isabelle Huppert) zu Besuch kommt, schwankt sie zwischen Entsetzen und Hilflosigkeit über den Zustand der Mutter und verliert sich in hohlen Phrasen, was denn nun zu geschehen hätte. Georges schickt sie bald wieder weg.
Doch dass die Liebesgeschichte zwischen Georges und Annes nicht glücklich ausgehen kann, liegt auf der Hand: Anders als in anderen Filmen des Regisseurs ist es hier keine Bruchlinie, sondern das ganz normale Lebensende, an dem sich der Abgrund auftut. Haneke beobachtet die beiden alten Leute mit nüchterner Distanz, zugleich aber mit dem Mitgefühl dessen, der für seine eigene Zukunft ein ähnliches Schicksal erahnt - eines, das uns allen bevorsteht. "Ich widme diesen Preis meiner Frau", sagte er in Cannes, als er die Goldene Palme entgegennahm. "Wir haben einander versprochen, uns bis zu unserem Ende beizustehen."

Text:  Magdalena Miedl

Credits

Titel Liebe
Originaltitel Amour
Genre Drama
Land, Jahr Deutschland/Frankreich/Österreich, 2012
Länge 125 Minuten
Regie Michael Haneke
Drehbuch Michael Haneke
Kamera Darius Khondji
Schnitt Nadine Muse, Monika Willi
Produktion Margaret Ménégoz, Stefan Arndt, Veit Heiduschka, Michael Katz
Darsteller Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva, Isabelle Huppert, Alexandre Tharaud, William Shimell, Ramón Agirre, Rita Blanco
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

2 Kommentare

5 Sterne "Romantik" für diesen Film??

Sicher ist der Film ein "Liebesfilm" der besonderen Art aber Null Romantik - man spürt die aufopfernde Liebe, die Trintignant für seine Frau aufbringt aber er bleibt dabei immer tapfer, ruhig und sachlich - null Verzweiflung was ich nicht verstehe ..... und es ist auch nicht romantisch, wie er seine immer hilfloser werdende Frau füttert, sie aus dem angemachten Bett hebt und beim Wickeln und erbarmungswürdigen Duschen mithilfe der Pflegerin zuschaut!
Teilweise sind die Szenen sehr langatmig, was natürlich zu diesem bedrückenden Film gehört. Die schauspielerische Leistung ist gut.

Alles in allem würde ich diesen Film niemandem empfehlen, weil man furchtbar deprimiert den Kinosaal verlässt und sich eigentlich danach nur wünscht, bloß nicht alt zu werden!!

27. September 2012
09:13 Uhr

von Aidualc

Großes, mutiges Kino

Ein Film, der sich einem in seiner gesamten Tragweite wohl erst ab Mitte Dreißig oder noch später erschließt, wenn man Eltern hat in diesem Alter, wenn man sein Leben mit einem Menschen teilt, mit dem man sich irgendwann genau den im Film gestellten Fragen und Herausforderungen stellen wird müssen ... oder stellen darf? Denn letztlich sehe ich den Film auch enorm positiv: Die Liebe von Anne und Georges ist allgegenwärtig, und geliebt zu werden ist tröstlich. Würde man aus der im Film gezeigten Konstellation die Liebe abziehen, dann wäre es wirklich unerträglich.

6. März 2014
08:14 Uhr

von Kueffelbuh

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