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Tabu

Tabu

Drama. Brasilien, Deutschland, Frankreich, Portugal 2012. 111 Minuten.

Regie: Miguel Gomes
Mit: Teresa Madruga, Laura Soveral, Ana Moreira, Carloto Cotta

Licht und Schatten, Liebe und Tod, Afrika und Europa: Miguel Gomes' ungewöhnlicher, vielschichtiger Film ist eine hypnotische Geschichte von Kontrasten in Schwarzweiß.

Filmstart: 8. November 2012

Das Leben hat nicht mehr allzu viel zu bieten für die alte Portugiesin Aurora. Die hochbetagte Dame ist gebrechlich, und hat zwar Menschen um sich, die sich um sie kümmern, doch woher soll sie wissen, ob die ihr wirklich gut gesonnen sind? Ihre kapverdische Haushälterin Santa ist zwar für sie da, aber die könnte möglicherweise eine Hexe sein, wer weiß das schon. Aurora hat im Grunde nur mehr vor, ihr letztes Geld möglichst effektiv im Casino zu verspielen.
Dabei wäre ihre Nachbarin Pilar, eine gläubige Christin, deren Lebensinhalt es ist, Gutes zu tun, so interessiert an Auroras Geschichte und kümmert sich mit Engelsgeduld um die alte Dame. Denn auch Aurora war nicht immer steinalt und misstrauisch, sondern einst eine leidenschaftliche, bildschöne junge Frau, aufgewachsen in einer portugiesischen Kolonie in Afrika.

Der junge portugiesische Regisseur Miguel Gomes überraschte mit seinem dritten Spielfilm bei der diesjährigen Berlinale: Tabu ist ein hypnotisches, wunderschön gefilmtes Werk, das von einer störrischen alten Dame in Lissabon berichtet und in einer opulenten Rückblende von ihrer Jugend in einer fiktiven Kolonie (basierend auf Mosambik) erzählt, von einer Amour fou und vom portugiesischen Kolonialkrieg, ein vielschichtiges Filmkonstrukt, das die koloniale Vergangenheit Portugals und vielerlei Filmzitate in die Erzählung webt, von Friedrich Wilhelm Murnaus gleichnamigem Südseeabenteuer aus 1931 über Jenseits von Afrika bis zu Crocodile Dundee.

Nach dem Tod der alten Dame entdeckt Pilar Hinweise, dass Aurora einst einen Liebhaber in Afrika hatte: Während der erste, schwarzweiße Teil des Films unter der nostalgischen Kapitelüberschrift "Paradise Lost" steht, berichtet der zweite vom "Paradies", ohne Dialoge, aber in einem erstaunlichen Duktus voller Kontraste, der aufwühlende Melodramatik ebenso wie Slapstick zulässt, nur mit einer Erzählstimme aus dem Off, eben der Stimme jenes geheimnisvollen Verehrers, die von der verbotenen Liebe zwischen einer verheirateten weißen jungen Frau und einem weißen jungen Mann spricht, einer Geschichte, aus der die Afrikaner komplett ausgeschlossen sind. Krokodile, schwere Verletzungen, Tropenanzüge und schwüle Insektenkonzerte: ein unvergleichliches Kinoereignis.

Text:  Magdalena Miedl

Credits

Titel Tabu
Originaltitel Tabu
Genre Drama
Land, Jahr Brasilien/Deutschland/Frankreich/Portugal, 2012
Länge 111 Minuten
Regie Miguel Gomes
Drehbuch Miguel Gomes
Kamera Rui Poças
Schnitt Miguel Gomes, Telmo Churro
Produktion Sandro Aguilar, Luís Urbano
Darsteller Teresa Madruga, Laura Soveral, Ana Moreira, Carloto Cotta
Verleih Stadtkino

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