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Hamlet

Hamlet

Literaturverfilmung. USA 2000. 111 Minuten.

Regie: Michael Almereyda
Mit: Kyle MacLachlan, Julia Stiles, Ethan Hawke

Neues Leben im Club des toten Dichters. "Hamlet ist wie Kurt Cobain", sagt Ethan Hawke. "Er hat Probleme mit seinen Eltern, eine Identitätskrise und eine schwierige Freundin. So geht es doch allen Jungs, oder?"

Sein oder nicht Sein, heute. William Shakespeares beste Prinzenrolle in der Version des Avantgarde-Regisseurs Michael Almereyda: aus dem Königreich Dänemark wird ein multinationaler Konzern mit Hauptsitz in New York City, aus einem Prinzen ein aufstrebender Filmemacher und aus einem ehrwürdigen Theaterstück so etwas wie Grunge-Kultur in guten Anzügen. Statt mit reitenden Boten wird mit Limousinen, Laptops und Faxgeräten kommuniziert, statt Giftphiolen sorgen Filmkameras, Pistolen und Peilmikros für blutige Verwirrung, aber sonst ist alles beim Alten geblieben: Der Vater spukt, die Freundin spinnt, der Onkel hat Blut am Zeigefinger, die Mutter liegt in fremden Betten - nur logisch, dass der Bub verwirrt ist. "Es hat noch nie eine Hamlet-Verfilmung gegeben, in der der Hauptdarsteller jünger als dreißig war", sagt Ethan Hawke, der als Jahrgang 1970 in diesem Fall gerade noch die Kurve kratzte. Und noch ein Zitat zeigt, wie frisch und zeitgemäß diesmal der Shakespeare ist: "Hamlet ist wie Kurt Cobain. Er hat Probleme mit seinen Eltern, eine Identitätskrisen und eine schwierige Freundin. So geht es doch allen Jungs, oder?"
Hamlet 2000: Die Geschichte klingt bekannt, aber doch etwas anders als die, die sie uns in der Schule erzählt haben: Der Präsident und Vorstandsvorsitzende der Denmark Corporation (Sam Shepard) ist tot. Sein Bruder Claudius (Kyle MacLachlan) hat seinen prestigeträchtigen Posten übernommen und nach nur zweimonatiger Trauerzeit überdies die Witwe Gertrude (Diane Venora) geheiratet. Hamlet (Ethan Hawke) behagt die neue Ehe seiner Mutter gar nicht. Der Filmstudent, der bis dato nichts mit der Firmenpolitik am Hut hatte, hält Claudius, diesen aalglatten, smarten Karrieristen für den Mörder seines Vaters. Hamlet verfällt dem Wahn, diese Tat rächen zu müssen. Sein merkwürdiges Verhalten sorgt für Unruhe im Betrieb. Polonius (Bill Murray), der Controller des Unternehmens, will ihm sogar den weiteren Umgang mit seiner Tochter Ophelia (Julia Stiles) verbieten. Ihr Bruder (Liev Schreiber) versucht, zu vermitteln. Aber die Tragödie ist nicht mehr aufzuhalten. Blut fließt - und das nicht zu knapp.
Wenn William Shakespeare heute leben würde, wäre er einer der höchstbezahlten Drehbuchautoren Hollywoods. Dieser Satz, der in letzter Zeit schon oft gefallen ist (man muss da nur an Baz Luhrmanns Romeo und Julia mit Leonardo DiCaprio oder Kenneth Branaghs Viel Lärm um Nichts mit Denzel Washington und Keanu Reeves denken) kommt auch diesmal wieder voll zum Tragen. Mord! Rache!! Spannung!!! Ethan Hawke spielt Shakespeares beste Prinzenrolle wie einen kühlen Technothriller. "Shakespeare wurde schon oft genug mit einem zeitgenössischen Touch verfilmt", sagt Michael Almereyda. "Der Schlüssel zu unserem Verfahren lag darin, das Gleichgewicht zwischen Respekt vor dem Stück und Respekt vor der zeitgenössischen Wirklichkeit zu halten - zu sehen, wie vollendet Shakespeare die Gegenwart anspricht, wie beides miteinander kommunizieren kann."

Credits

Titel Hamlet
Originaltitel Hamlet
Genre Literaturverfilmung
Land, Jahr USA, 2000
Länge 111 Minuten
Regie Michael Almereyda
Drehbuch Michael Almereyda
Kamera John de Borman
Schnitt Kristina Boden
Musik Carter Burwell
Produktion Andrew Fierberg
Darsteller Kyle MacLachlan, Julia Stiles, Ethan Hawke, Bill Murray, Sam Shepard, Diane Venora, Liev Schreiber, Casey Affleck
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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