Filminfo zu

Paradies: Glaube

Paradies: Glaube

Drama. Österreich 2012. 113 Minuten.

Regie: Ulrich Seidl
Mit: Maria Hofstätter

Um Gottes Willen. Der zweite Teil von Ulrich Seidls Paradies-Trilogie begleitet Extrem-Katholikin Anna Maria (Maria Hofstätter) beim Missionieren, Beten, Büßen - und beim erbarmungslosen Psychokrieg mit ihrem gelähmten muslimischen Ehemann.

Filmstart: 11. Januar 2013

Endlich Sommerurlaub. Röntgenassistentin Anna Maria (unglaublich gut: Maria Hofstätter) hat viel vor in den kommenden Wochen. Kein Abenteuerurlaub, kein Wellness-Trip, nein - Anna Maria hat eine Mission. Im wahrsten Sinne des Wortes: Ihr Ziel ist es, Österreich wieder zu einem wirklich wahrhaftig katholischen Land zu machen, koste es, was es wolle.
Anna Maria betet gemeinsam mit einer Handvoll Glaubensbrüder und -schwestern in einem der Zimmer in ihrem karg eingerichteten, viel zu großen Haus, das sie ganz alleine bewohnt, zusammen mit einer Vielzahl an Kruzifixen, christlichen Sprüchen und Devotionalien. Sie betet alleine zu ihrer großen Liebe, Jesus Christus. Sie streift vor seinem Antlitz Bluse und BH ab und peitscht sich selbst, bis sie blutet. Sie legt den dornbewehrten Bußgürtel aus Eisen um und rutscht auf Knien durch die Wohnung, ins Ave Maria versunken. Sie packt eine sorgsam in Tücher eingeschlagene Madonnenstatue in ihre Handtasche, fährt mit der S-Bahn nach Wien und geht dort von Wohnungstür zu Wohnungstür. Die, die öffnen und sich auf ein Gespräch einlassen, will sie überreden, diese „Wandermadonna“ eine Zeitlang bei sich aufzunehmen - und landet so in den Wohnungen der unterschiedlichsten Menschen: Einem skeptischen Paar mittleren Alters, einer illegalen Prostituierten (Natalija Baranova), eines sammelwütigen Sonderlings (René Rupnik, Protagonist der Seidl-Doku Der Busenfreund aus 1997). Es sind oft schwierige, verstörende Begegnungen. Doch das Missionieren ist ein wesentlicher Teil von Anna Marias Glauben, deshalb kann sie mit diesen Prüfungen umgehen. Sie passen in ihre Welt und lassen sich erklären. Doch dann geschieht etwas, wofür ihr sicheres, strenges Regelwerk keine Lösung bietet: Nach langen Jahren der Abwesenheit ist auf einmal Nabil (Nabil Saleh) wieder da. Nabil ist querschnittgelähmt, kein besonders netter Typ und gläubiger Moslem. Und Nabil ist Anna Marias Ehemann …

Nachdem Ulrich Seidl im ersten Teil seiner Paradies-Trilogie eine Wiener Sex-Touristin in Kenia porträtiert hat, ist es diesmal ein Urlaub der ganz anderen Art, den seine Protagonistin erlebt: Eine Reise an die Grenzen ihrer Selbstwahrnehmung.
Paradies: Glaube ist - nicht zuletzt durch Maria Hofstätters Performance - wieder ein "echter Seidl", bildgewaltig (Kamera: Ed Lachman!) und ein grandioses Charakterporträt einer gequälten Frau, das trotz der vielen bizarren Szenen nie vom Weg der tiefen Menschlichkeit abkommt. So wurde der "Skandal" um die Kruzifix-Masturbationsszene zum Rohrkrepierer, aber der Nachhall des Jury-Preises blieb. Bei den kommenden Filmfestpielen in Berlin wird der dritte Paradies-Teil, Hoffnung, Premiere feiern - die Vorfreude ist groß.

Text:  Gini Brenner

Credits

Titel Paradies: Glaube
Originaltitel Paradies: Glaube
Genre Drama
Land, Jahr Österreich, 2012
Länge 113 Minuten
Regie Ulrich Seidl
Drehbuch Ulrich Seidl, Veronika Franz
Kamera Wolfgang Thaler, Edward Lachman
Schnitt Christof Schertenleib
Produktion Ulrich Seidl
Darsteller Maria Hofstätter, Nabil Saleh, Natalia Baranova, Rene Rupnik
Verleih Stadtkino

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

2 Kommentare

Mal was anderes

Man sollte sich diesen Film (wie überhaupt die Trilogie) wirklich nicht entgehen lassen. Maria Hofstätter ist sowieso überragend, die Geschichte ist herrlich skurril, glaubwürdig, irre und wahrscheinlich nicht mal erfunden. Ulrich Seidl macht sicher sehr ungewöhnliche Filme, und genau dafür liebe ich ihn.

13. Januar 2013
21:48 Uhr

von Haubenkoch

Paradies Glaube

ein psychoterror einer religionsbesessenen frau - die tag und nacht andere leute für ihren glauben gewinnen will - manchmal auch mit gewalt. das dann auch noch ihr verschollener ehemann zurück kehrt - der sich als muslim entpuppt - gießt dem auch noch öl ins feuer hinzu. teilweise bekommt man nen lachkrampf mitten im film - teilweise sitzt man mit offenem mund da und kanns nicht mehr glauben - das es so etwas gibt - auch wenn nur in ulrich seidls produktion - aber ich bin mir sicher - dass es auch solche menschen gibt - die von tür zu tür wandern um deren glauben zu missionieren. umstritten - jedoch auf jeden fall sehenswert -und in der skip bewertung 4 von 5 punkten. man kann sich schon auf den 3 teil - hoffnung - freuen.

22. Januar 2013
21:26 Uhr

von Philipp87

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.