Filminfo zu

Der Fall Wilhelm Reich

The Strange Case of Wilhelm Reich

Drama. Österreich 2012. 110 Minuten.

Regie: Antonin Svoboda
Mit: Klaus Maria Brandauer, Julia Jentsch, Birgit Minichmayr

Großer Denker, radikaler Psychoanalytiker, revolutionärer Geist: Der österreichische Filmemacher Antonin Svoboda (Immer nie am Meer) widmete den letzten Jahren des Psychiaters Wilhelm Reich seinen neuesten Film. Mit dabei: Birgit Minichmayr, David "Sledge Hammer" Rasche und in der Hauptrolle der legendäre Klaus Maria Brandauer.

Filmstart: 18. Januar 2013

"Reich hat einige faszinierende Erkenntnisse gewonnen, er hat der sexuellen Revolution weit vorgegriffen - und vor allem ist er wesentlichen Fragen nachgegangen, die gar nicht so überraschend sind, aber viel zu wenig gestellt werden: Was ist Leben? Warum sind wir hier? Wie können wir die Welt, wie sie ist, begreifen?" Filmemacher Antonin Svoboda (Regisseur und Gründungsmitglied des äußerst erfolgreichen österreichischen Produktionskollektivs coop99) beschäftigt sich seit Jahren mit dem faszinierenden Leben und Werk des österreichischen Wissenschaftlers Wilhelm Reich (1897–1957). Als einer der wichtigsten Vertreter der zweiten Generation der von Sigmund Freud begründeten Schule der Psychoanalyse, veröffentlichte er visionäre wie kontroversielle Werke wie Massenpsychologie des Faschismus oder Die Sexualität im Kulturkampf - und musste schließlich 1939 in die USA emigrieren.
Der Film behandelt seine letzten Jahre, als Wilhelm Reich (großartig: Klaus Maria Brandauer) wegen seiner ungewöhnlichen und freizügigen Therapiemethoden ins Blickfeld der Kommunistenjäger gerät. Also fühlt sich Reich gezwungen, erst in einer ehemaligen Farm in Maine seine neue Praxis zu eröffnen - dort in der Einschicht kann er relativ ungestört an seiner "Orgon-Therapie" arbeiten. Hierzu entwickelte Reich eigene Geräte, sogenannte "Orgon-Akkumulatoren", mit Metall ausgekleidete Holzkästen. Dass die Behörden mit der charismatischen Wissenschaftlerin Aurora (Birgit Minichmayr) längst eine Spionin in Reichs Klinik eingeschleust haben, ahnt er nicht - auch nicht Reichs Tochter Eva (Julia Jentsch), die ihrem Vater aus Wien nachgereist ist und sich immer mehr für seine Theorien begeistert. Im Gegensatz zu seiner ständig wachsenden Gegnerschaft, einer Front aus paranoiden Staatsbeamten und "traditionellen" Psychiatern, die in der Angst vor Reichs revolutionärem Potenzial zueinanderfinden. Und irgendwann findet sich ein Grund, Reichs Wirken endlich zu unterbinden - und der Wissenschaftler findet sich vor Gericht wieder, wo er sich gezwungen sieht, seine außergewöhnlichen Theorien vor hoffnungslos reaktionären Betonschädeln zu rechtfertigen …

Ursprünglich wollte Svoboda seine Geschichte über Reich in den USA an den Originalschauplätzen drehen. Nachdem durch die Krise jedoch das US-Independent-Kino (und somit potenzielle Geldgeber) wegbrach, wurde Der Fall Wilhelm Reich zur rein österreichischen Produktion. International hingegen blieb der ebenso eklektische wie großartige Cast: Neben dem großen Klaus Maria Brandauer glänzen u. a. Burg-Fee Birgit Minichmayr, der Berliner Schauspiel-Star Julia Jentsch, der mehrfach ausgezeichnete Schotte Gary Lewis (Billy Elliots Papa) und der US-Amerikaner David Rasche, bekannt als durchgeknallter Cop aus der 80er-TV-Kultserie Sledge Hammer.

Text:  Gini Brenner

Credits

Titel Der Fall Wilhelm Reich
Originaltitel The Strange Case of Wilhelm Reich
Genre Drama
Land, Jahr Österreich, 2012
Länge 110 Minuten
Regie Antonin Svoboda
Drehbuch Antonin Svoboda
Kamera Martin Gschlacht
Schnitt Oliver Neumann
Musik Bernd Jungmair, Stefan Jungmair
Produktion Antonin Svoboda, Martin Gschlacht, Franz Novotny, Alexander Glehr
Darsteller Klaus Maria Brandauer, Julia Jentsch, Birgit Minichmayr, David Rasche, Markus Schleinzer, Gary Lewis
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

1 Kommentar

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Schlechte Zeiten für Pioniere - viele Querdenker und Geistesgrößen haben Ende der 30er Jahre aus dem nazifizierten Europa flüchten müssen, um letzten Endes vom Regen in die Traufe zu gelangen. Die paranoide McCarthy-Ära war zwar anders, weniger vernichtend, aber nicht minder abgeneigt gegenüber neu Erdachtem und Entdecktem. Der Mangel, Dinge jenseits bereits festgelegter Normen zu verstehen, war gleichzusetzen mit einer unkalkulierbaren Bedrohung. Der Philosoph und Wissenschaftler Wilhelm Reich ist ein Paradebeispiel für die Inhaftierung freien Denkens in einem Land der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten. Klaus Maria Brandauer, sonst von überdimensionalem Charisma, spielt in dem stillen, unaufdringlichen Psychogramm eines Verlierers aufgrund höherer Mächte angenehm zurückgenommen, unaffektiert und enorm glaubwürdig. Ein sehenswerter, intellektueller Film über Systeme, Geheimdienstinquisition und einem Galileo der Neuzeit.

16. April 2015
19:27 Uhr

von filmgenuss

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.