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Die Lebenden

Die Lebenden

Drama. Österreich 2012. 112 Minuten.

Regie: Barbara Albert
Mit: Anna Fischer, August Zirner, Hanns Schuschnig

Heute ist das Gestern von Morgen. Sita (Anna Fischer) kämpft mit dem ganz normal aufregenden Studentinnenalltag - und stößt plötzlich auf ein finsteres Familiengeheimnis. Eindringliches Drama um Liebe, Schuld und Vergebung von Barbara Albert (Nordrand).

Filmstart: 23. November 2012

Leute von heute. Sita (großartig: Anna Fischer) ist eine junge Frau von heute, wie man sie sich gern vorstellt: Mitte 20, lebt in Berlin, arbeitet an ihrer Abschlussarbeit an der Uni, daneben macht sie "irgendwas mit Medien" - in ihrem Fall die Laufarbeit für eine große Kabel-TV-Castingshow. Sita trägt gern coole Fetzen, sehr Berliner Schick, sehr vintage, nie tussig. Sie hat ein Verhältnis mit ihrem verheirateten Chef, flirtet mit einem Fotokünstler, geht gern trinken und tanzen, ihr bevorzugtes Verkehrsmittel ist ein alter blauer Motorroller. Die Althippie-Mutter (Almut Zilcher) lebt am Land mit Garten, der geschiedene Papa (August Zirner) mit neuer Frau und gemeinsamem Kind in Wien.
Als Sita für die Geburtstagsfeier ihres geliebten Opas (Hanns Schuschnig), dem Vater ihres Vaters, nach Wien fährt, kriegt die hippe Allerwelts-Oberfläche erste Risse. Denn in der Festschrift entdeckt Sita auf einem alten Foto ihres Großvaters etwas, was irgendwie nicht in das Bild passt, das ihr immer als Familiengeschichte vermittelt wurde. Klar, Sita weiß, dass sie von Siebenbürger Sachsen abstammt, einer deutschsprachigen Minderheit im heutigen Rumänien, und dass die Familie ihres Vaters nach jahrzehntelanger Unterdrückung und Verfolgung - erst von der rumänischen Mehrheit, dann durch die Nazis, dann durch die Alliierten - in Wien eine Heimat fand.
Aber warum trägt Opa auf einem der alten Fotos aus den 30ern eine SS-Uniform? "Die Siebenbürger Sachsen sind damals alle zur SS gegangen. Das war so üblich - man hat ja soweit von Deutschland weg gar nicht wirklich gewusst, was da los war!" meint der Papa und blockt unerwartet heftig ab. Den Opa selbst kann Sita nicht mehr fragen, er hat kurz nach der Feier einen Schlaganfall. Also forscht sie in seinen alten Unterlagen und findet immer mehr Indizien, dass ihr heißgeliebter Großvater, der nette lustige alte Herr mit dem lieben Lächeln und dem kuscheligen Bauch, eine ganz andere, finstere Seite gehabt hat: Was machte Opa etwa Anfang der 40er in Polen? Gab es dort wirklich ein "Erziehungslager" für SS-ler, oder ist das nur der familienfriedenfreundliche Euphemismus für die schreckliche Wahrheit?

Wer bin ich? Wo komme ich wirklich her? Diese Fragen lassen Sita nicht los, und sie macht sich auf Spurensuche. In Archiven, Bibliotheken, dann in Warschau und Siebenbürgen. Es ist eine Reise in die Vergangenheit genauso wie zu sich selbst: Sita lernt neue Menschen kennen und alte Wahrheiten, muss erkennen, wieviel von Opa auch in ihr selber steckt - und fragt sich, ob man vielleicht das Böse von Gestern doch irgendwie mit dem Gute von Heute besiegen kann.

Text:  Gini Brenner

Credits

Titel Die Lebenden
Originaltitel Die Lebenden
Genre Drama
Land, Jahr Österreich, 2012
Länge 112 Minuten
Regie Barbara Albert
Drehbuch Barbara Albert
Kamera Bogumil Godfrejow
Schnitt Monika Willi
Produktion Bruno Wagner, Barbara Albert
Darsteller Anna Fischer, August Zirner, Hanns Schuschnig, Emily Cox, Winfried Glatzeder, Itay Tiran, Daniela Sea
Verleih Polyfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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